Spread Eagle – „The Brutal Divine“ Review: Der Dreck bleibt unter den Fingernägeln
- Redaktion

- vor 22 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Auf ihrem vierten Album klingen Spread Eagle härter und nachdenklicher als zuletzt. Der New Yorker Straßenlärm ist geblieben, doch hinter den Riffs steckt diesmal deutlich mehr als bloße Rebellion.

Tracklist:
1. Flat Earth Vultures
2. Street Noise
3. Gunflower
4. Jail Rat
5. Forbidden Local Honey
6. Pushed To The Limit
7. Ant Farm
8. Scars In Our Eyes (City Kids)
9. Inside A Shrunken Head
10. Makebeliever
Veröffentlichungsdatum: 12. Juni 2026
Label: Frontiers Music Srl
Laufzeit: ca. 39:56 Minuten
Genre: Street Metal / Hard Rock / Heavy Metal
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Fazit der Redaktion:
„The Brutal Divine“ ist ein raues und überraschend gehaltvolles Street-Metal-Album.
Spread Eagle verbinden New Yorker Großstadtfrust mit Punk-Energie und schweren Riffs. Nicht jeder Song überrascht musikalisch, doch die Platte hat Druck,
Charakter und etwas zu sagen.
Was bekommen wir auf die Ohren?
Schon nach den ersten Minuten ist klar, dass sich die Band nicht auf ihrer Vergangenheit ausruhen will. Der raue Street Rock der frühen Jahre ist noch da, klingt inzwischen aber schwerer, düsterer und stellenweise fast metallisch. Dazu kommen Punk-Energie und Texte, die sich erstaunlich direkt mit Manipulation, gesellschaftlichem Druck und der Illusion persönlicher Freiheit beschäftigen.
Die Produktion passt dazu. Hier wurde nichts unnötig auf Hochglanz gebracht.
Gitarren, Bass und Schlagzeug stehen dicht beieinander, Ray West singt mit rauer Kehle dagegen an. Das klingt nicht immer schön, soll es aber auch nicht.
„The Brutal Divine“ lebt davon, dass die Musik scheuert und manchmal
etwas unangenehm wird.
„Flat Earth Vultures“ eröffnet das Album mit fünfeinhalb Minuten Spielzeit und nimmt sich mehr Raum als ein typischer Hard-Rock-Opener. Schwere Riffs wechseln mit ruhigeren Passagen, während die Gitarrenarbeit stellenweise überraschend verspielt ausfällt.
Spread Eagle stellen dabei eine unbequeme Frage:
Wie frei sind unsere Entscheidungen wirklich, wenn andere längst beeinflussen, was wir sehen, hören und für wahr halten? Der Song liefert darauf keine einfache Antwort.
Er setzt erst einmal einen Gedanken fest, der später auf dem Album immer wieder auftaucht.
Danach kommt „Street Noise“ mit gerade einmal gut zwei Minuten Spielzeit wesentlich direkter zur Sache. Der Song klingt hektisch, aggressiv und nervös, fast wie eine kurze Fahrt durch New York zur Hauptverkehrszeit.
„Gunflower“ greift diese Energie auf und schiebt mit scharfkantigen Riffs weiter nach vorne.
„Jail Rat“ erinnert mit seiner ruppigen Art deutlich an Motörhead. Der Song handelt von Außenseitern, Überlebenswillen und dem Versuch, nach den eigenen Regeln zu leben. Spread Eagle machen daraus allerdings keine verklärte Geschichte
über die Freiheit der Straße.
Mit „Forbidden Local Honey“ wird es anschließend etwas lockerer. Der eingängige Refrain und der sleazige Groove nehmen ein wenig Schwere aus dem Album, ohne dass der Song plötzlich freundlich oder glatt klingen würde.
Es ist einer dieser Titel, die sofort im Ohr bleiben
und live wahrscheinlich noch besser funktionieren.
„Pushed To The Limit“ dreht die Spannung wieder hoch. Hier geht es um den Punkt, an dem man nicht mehr nur einsteckt, sondern zurückschlägt. Ray West trägt den Song mit einer Stimme, die nicht gespielt erschöpft klingt. Man nimmt ihm ab, dass hinter diesen Zeilen mehr steckt als eine passende Hard-Rock-Pose.
„Ant Farm“ bringt einen der zentralen Gedanken des Albums ziemlich deutlich auf den Punkt. Menschen funktionieren wie Teile eines gewaltigen Apparats,
erledigen ihre Aufgaben und glauben gleichzeitig, völlig frei zu handeln.
Das Bild vom Ameisenbau ist simpel, funktioniert aber.
Musikalisch gehört der Song zu den schwereren Stücken der Platte. Das satte Fundament von Rob und Rik De Luca gibt ihm einen starken Groove, während die Gitarren genügend Raum bekommen, um sich festzubeißen.
Gerade diese Verbindung aus einem verständlichen Bild und druckvoller Musik macht
„Ant Farm“ zu einem der überzeugendsten Titel des Albums.
In „Scars In Our Eyes (City Kids)“ wird das Album persönlicher.
Der Song blickt auf ein Leben zurück, das Spuren hinterlassen hat. Manche davon sind sichtbar, andere trägt man mit sich herum, ohne dass sie jemand bemerkt.
Der leicht psychedelische Hard-Rock-Sound passt gut zu dieser Erinnerungsebene und bringt etwas Abwechslung in die Platte.
„Inside A Shrunken Head“ führt danach noch einmal in eine beklemmende Gedankenwelt. Der Song klingt verschoben und nervös, als würden sich die eigenen Gedanken immer enger um einen legen. Das ist kein gemütlicher Moment, aber einer, der gut zur dunklen Stimmung des Albums passt.
„Makebeliever“ beendet die Platte melodischer, als man nach den vorherigen Songs erwarten würde. Spread Eagle verabschieden sich nicht plötzlich mit einer positiven Botschaft für alle Lebenslagen. Der Song deutet aber an, dass Veränderung möglich wird, sobald man beginnt, die eigenen Überzeugungen zu prüfen.
Gianmaria „Jommy“ Puledda verbindet auf „The Brutal Divine“ klassische Street-Rock-Riffs mit moderneren, melodischeren Ideen. Rob und Rik De Luca sorgen für das schwere Fundament, während Ray West den Songs mit seinem rauen Gesang den passenden Charakter gibt. Einige Stücke bewegen sich zwar auf vertrautem Hard-Rock-Gelände, doch insgesamt klingt das Album weder altmodisch noch nach einer Band, die nur ihre früheren Erfolge wiederholen möchte.
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