top of page

Vanden Plas – „AcCult II“ Review: Leise Töne, große Wirkung

Dreißig Jahre nach „AcCult“ kehren Vanden Plas zu ihrem Akustikkonzept zurück. Statt bloß den Strom abzuschalten, entdecken sie bekannte Songs mit Klavier, Percussion und viel Fingerspitzengefühl neu.



Tracklist:

1. Far Off Grace

2. Holes In The Sky

3. The Ghost Experiment

4. Boat On The River

5. Healing Tree

6. Postcard To God

7. Nothing Else Matters

8. You Fly (Ft. John Helliwell)






Veröffentlichungsdatum: 12. Juni 2026

Label: Frontiers Music Srl

Laufzeit: ca. 48:22 Minuten

Genre: Progressive Rock / Akustik-Rock

Gast: John Helliwell bei „You Fly“


Das Album „AcCult II“ bei JPC bestellen:




Fazit der Redaktion:

„AcCult II“ ist eine bemerkenswert gelungene Reise durch das eigene Schaffen.

Vanden Plas legen die emotionalen Kerne ihrer Songs frei, ohne deren progressive Tiefe zu opfern. Die sorgfältigen Arrangements, Andy Kuntz’ ausdrucksstarker Gesang und das feine Zusammenspiel der Musiker machen aus diesen Neuaufnahmen weit mehr als

akustische Zweitfassungen.


Das Album ist intim, melancholisch und musikalisch anspruchsvoll, wirkt dabei aber nie kühl oder verkopft. Selbst die beiden bekannten Coversongs finden überzeugend ihren Platz. „AcCult II“ zeigt, dass Vanden Plas keine massive Gitarrenwand brauchen,

um große Wirkung zu erzielen.



Was bekommen wir auf die Ohren?


Drei Jahrzehnte sind seit „AcCult“ vergangen. Nun greifen Vanden Plas die Idee ihres damaligen Akustikalbums erneut auf, ohne einfach eine Fortsetzung nach bekanntem Muster abzuliefern. „AcCult II“ ist kein gewöhnliches Unplugged-Album und schon gar keine Sammlung abgespeckter Prog-Metal-Songs. Die Band baut ihre Stücke von innen heraus neu auf und gibt ihnen dadurch einen ganz eigenen Charakter.


Gitarren, Klavier und Percussion rücken näher zusammen, während die sonst so mächtigen Metal-Arrangements Platz für feinere Zwischentöne machen. Das Ergebnis klingt wärmer und persönlicher, bleibt aber unverkennbar Vanden Plas. Auch ohne große Stromwand steckt in diesen acht Songs reichlich Dramatik.


„Far Off Grace“ wächst aus der Stille

Schon „Far Off Grace“ zeigt, wie ernst es der Band mit diesem Konzept ist. Fast acht Minuten lang entwickelt sich der Song von einem ruhigen, zurückhaltenden Beginn zu einem intensiven Finale. Im Mittelpunkt steht die Suche nach einer Erlösung, die greifbar nah scheint und doch immer wieder entwischt.

In dieser Fassung wirkt der Song verletzlicher als im gewohnten Metal-Gewand. Stephan Lills Gitarrenspiel und Alessandro Del Vecchios Klavier lassen einander Luft, während Andy Kuntz zunächst behutsam erzählt und sich später immer weiter öffnet. Wenn das Stück schließlich an Kraft gewinnt, fühlt sich das nicht wie ein plötzlicher Effekt an, sondern wie etwas, das sich lange angestaut hat.



„Holes In The Sky“ geht danach einen ähnlichen Weg, wirkt aber noch nachdenklicher.

Die metallische Schärfe tritt zurück, dafür bleiben Melodie und Text stärker hängen.

Vanden Plas zeigen hier sehr schön, dass Reduktion nicht automatisch

weniger Spannung bedeutet.


Manchmal genügt es, einen vertrauten Song aus einem anderen Winkel zu beleuchten.


Geister und alte Wunden

Besonders gut funktioniert das auch bei „The Ghost Experiment“.

Was im Progressive Metal leicht zu einem großen übernatürlichen Spektakel werden könnte, wirkt hier beinahe bedrückend nah. Erinnerung, Verlust und die Frage, was nach dem Tod von einem Menschen bleibt, bekommen im akustischen Rahmen mehr Gewicht.

Die Musik drängt sich nicht vor das Thema, sondern gibt ihm Raum. Gerade dadurch entfaltet der Song eine Intensität, die mit Lautstärke allein kaum zu erreichen wäre.

Andy Kuntz singt nicht einfach über Geister. Er lässt spüren, wie schwer es sein kann,

mit dem weiterzuleben, was nicht mehr da ist.


„Healing Tree“ steht dem als tröstlicherer Gegenpol gegenüber. Auch dieser Song bietet keine einfache Lösung. Heilung erscheint nicht als großer befreiender Moment, sondern als langsamer Weg mit Rückschritten und offenen Wunden. Mit mehr als sieben Minuten bekommt das Stück genug Zeit, um diesen Gedanken auszubreiten,

ohne sich darin zu verlieren.


Ein kurzer Ausflug auf den Fluss

In der Mitte des Albums bringt „Boat On The River“ etwas Leichtigkeit hinein.

Der Styx-Klassiker passt erstaunlich selbstverständlich in das Konzept. Die Sehnsucht nach Rückzug, Ruhe und einem Ort fernab vom täglichen Lärm wirkt zwischen den schwereren Themen wie ein tiefer Atemzug.

Vanden Plas behandeln den Song respektvoll, machen ihn sich aber trotzdem zu eigen.

Es ist kein Stück, das mit Virtuosität beeindrucken will. Gerade seine Schlichtheit macht es zu einem wichtigen Ruhepunkt auf dem Album.


„Postcard To God“ richtet den Blick anschließend wieder nach oben. Zweifel und Hoffnung liegen eng nebeneinander, während eine Antwort gesucht wird, von der niemand weiß, ob sie jemals kommt. In der Akustikfassung klingt das weniger nach großer Glaubensfrage als nach einem sehr persönlichen Gespräch, das vielleicht nur in eine Richtung geführt wird.


Ein Metallica-Klassiker mit eigener Handschrift

Bei „Nothing Else Matters“ ist Vorsicht geboten. Metallicas Ballade wurde unzählige Male gespielt, gecovert und neu arrangiert. Eine weitere Version braucht also einen guten Grund. Vanden Plas finden ihn, indem sie nicht versuchen, das Original zu übertrumpfen.

Stattdessen geben sie dem Stück eine wärmere, theatralischere Färbung. Die bekannte Melodie bleibt erhalten, doch die fein ausgearbeiteten Arrangements und Andy Kuntz’ Gesang sorgen dafür, dass die Version nicht wie eine bloße Zugabe klingt. Natürlich bleibt der Song sofort als Metallica-Klassiker erkennbar. Trotzdem trägt er am Ende deutlich die Handschrift von Vanden Plas.


„You Fly“ lässt das Album aufatmen

Den vielleicht schönsten Schlusspunkt setzt „You Fly“. John Helliwells Saxophon gibt dem Song zusätzliche Weite und bringt eine neue Klangfarbe ins Album. Nach all den Geistern, Wunden und unbeantworteten Fragen geht es hier um das Loslassen und den Mut, tatsächlich aufzubrechen.

Das Saxophon wirkt nicht wie ein aufgesetzter Gastbeitrag, sondern fügt sich ganz natürlich in das Arrangement ein. Der Song steigt langsam auf, ohne pathetisch abzuheben.


Mehr als nur Unplugged

Vanden Plas machen auf „AcCult II“ nicht den Fehler, akustische Musik mit musikalischer Schlichtheit zu verwechseln. Die Arrangements bleiben detailreich und bisweilen opulent. Der Unterschied liegt darin, dass jedes Instrument besser zu hören ist und kleine Veränderungen mehr Bedeutung bekommen.


Gerade darin liegt die Stärke des Albums. Die Band bewahrt ihre progressive Handschrift, zwingt sie aber in keinen Metal-Rahmen. Melodien, Texte und Gesang stehen offener im Raum. Bekanntes wirkt dadurch nicht bloß leiser, sondern tatsächlich neu.



Kontakt:


(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von CMM)


In diesem Beitrag sind Affiliate-Links enthalten. Wenn ihr darüber einkauft, unterstützt ihr norush-webzine.com.

Für euch entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page