Payload von Bangalore Choir im Review: Härte mit Gebrauchsspuren
David Reece und seine Mitstreiter bleiben dem amerikanischen Hardrock treu. Hinter den kräftigen Riffs und großen Refrains stecken jedoch Geschichten über Verschleiß, Abschiede und neu gezogene Grenzen.
![]() | Tracklist: 01. Tear It All Down 02. Cost Of The Grind 03. Believing 04. I'll Take The Risk 05. The Damage That Remains 06. Nothing Left To Prove 07. Breakdown Unforgettable 08. Even If It's Nothing 09. Answer The Call 10. Bitter End 11. Late To The Party 12. Won't Fool Me Again |
Veröffentlichung: 6. November 2026
Label: El Puerto Records
Genre: Melodic Hard Rock / Hard’n’Heavy
Spieldauer: 44:40 Minuten
Das Album bei JPC bestellen
Alternativ: El Puerto Records Shop
Fazit der Redaktion:
„Payload“ ist ein kraftvolles Melodic-Hard-Rock-Album, dessen wahre Stärke in den raueren Zwischentönen liegt. Bangalore Choir bewahren die großen Gitarren und eingängigen Refrains ihrer Vergangenheit, klingen aber besonders überzeugend, wenn sie über Abnutzung, Enttäuschung und Abschied sprechen.
David Reeces Stimme trägt diese Themen mit hörbarer Lebenserfahrung. Sie ist nicht mehr makellos, muss es für diese Songs aber auch nicht sein. „Tear It All Down“, „Cost Of The Grind“ und „Breakdown Unforgettable“ liefern den nötigen Druck.
„The Damage That Remains“, „Even If It’s Nothing“ und besonders „Bitter End“ geben der Platte ihre emotionale Tiefe.
Nicht jeder Refrain löst sich aus vertrauten Genreformeln, und die Produktion wirkt gelegentlich etwas eng. Insgesamt besitzt „Payload“ jedoch genügend gute Songs und eine klare eigene Stimmung. Bangalore Choir leben nicht von der Erinnerung an „On Target“. Die Band klingt hier wie Musiker, die ihre Vergangenheit kennen und trotzdem etwas über ihr heutiges Leben zu erzählen haben.
„Mit ‚Payload‘ liefern Bangalore Choir kraftvollen Melodic Hard Rock,
der vor allem durch David Reeces raue Stimme und persönliche Texte überzeugt
– nicht frei von Genreformeln, aber voller Charakter und Lebenserfahrung.“
Was bekommen wir auf die Ohren?
Wer bei einem Review zu Bangalore Choir lediglich über die goldene Zeit des Sunset Strip spricht, greift bei diesem Album zu kurz. Payload von Bangalore Choir besitzt zwar den geradlinigen amerikanischen Hardrock-Sound, mit dem die Band Anfang der Neunziger bekannt wurde. Inhaltlich geht es aber erstaunlich oft um den Preis, den ein langes Leben mit sich bringt: zerbrochene Beziehungen, schlaflose Nächte, enttäuschtes Vertrauen und die Entscheidung, sich nicht noch
einmal täuschen zu lassen.
„Payload“ ist das sechste Studioalbum der Band und folgt auf „Rapid Fire Succession: On Target Part II“. Die zwölf neuen Songs wurden überwiegend von David Reece, Tommy McWilliams und Steve Gordon geschrieben. „Breakdown Unforgettable“ entstand gemeinsam mit Andy Susemihl.
Payload von Bangalore Choir lebt von Reeces Stimme
David Reece steht erwartungsgemäß im Mittelpunkt. Seine Stimme klingt rauer und gezeichneter als zu Beginn seiner Karriere, doch gerade diese Gebrauchsspuren geben den Liedern Gewicht. Er muss nicht mehr jede Passage mit voller Kraft niederdrücken. In „The Damage That Remains“, „Even If It’s Nothing“ und „Bitter End“ arbeitet er stärker mit Zurückhaltung, tieferen Lagen und kleinen Brüchen in der Stimme.
Das passt zu einem Album, das von Erfahrungen erzählt, die sich nicht mit einem großen Refrain aus der Welt schaffen lassen. Reece klingt dabei weder müde noch verbittert. Seine Stimme vermittelt eher, dass hinter den Texten jemand steht, der einige dieser Situationen zumindest emotional kennt. Besonders bei den ruhigeren Stücken entsteht dadurch eine Nähe, die „Payload“ von einer reinen Rückschau auf alte Hardrock-Zeiten entfernt.
Andy Susemihl und Steve Gordon bilden dazu eine kräftige Gitarrenfront.
Die Riffs stehen deutlich im Vordergrund, während die Soli meist kurz bleiben und den jeweiligen Song weiterführen. Tommy McWilliams spielt trocken und druckvoll, Gorka Alegres Bass erhält im Mix ungewöhnlich viel Raum.
Dadurch klingt die Platte in den tieferen Frequenzen voller und dunkler,
als es das sonnige Cover zunächst vermuten lässt.
Zwischen Aufbruch und den Kosten des Durchhaltens
„Tear It All Down“ eröffnet das Album mit einem längeren Gitarreneinstieg und einem Refrain, der sich schnell festsetzt. Straße, schlaflose Nächte und der Wunsch, alles Belastende hinter sich zu lassen, ergeben einen passenden Start.
Die Nummer besitzt die richtige Größe, ohne gleich jede Idee des Albums vorwegzunehmen. Reece singt offensiv, die Gitarren schieben breit, und die Rhythmusgruppe hält das Stück fest auf Kurs.
„Cost Of The Grind“ wird anschließend härter und schneller. Der Song handelt vom Preis dauernder Arbeit und von einer Rechnung, die irgendwann bezahlt werden muss. Das ist einer der Momente, in denen Titel, Text und Musik besonders gut zusammenpassen: Der Rhythmus treibt, die Gitarren schlagen härter an, und Reece phrasiert deutlich aggressiver.
Mit „Believing“ öffnet sich das Album melodisch.
Der Refrain funktioniert, bleibt inhaltlich aber bei allgemeinen Gedanken
über Hoffnung und innere Stärke.
„I’ll Take The Risk“ wirkt entschlossener.
Der Song erzählt von einer bewusst getroffenen Entscheidung für das Unbekannte und lebt von einem schweren Midtempo-Riff. Beide Stücke sind sauber gebaut, gehören jedoch nicht zu den Momenten, die den Charakter des Albums bestimmen.
Wenn die Fassade Risse bekommt
„The Damage That Remains“ markiert den ersten deutlichen Stimmungswechsel.
Nach einer gescheiterten Beziehung bleiben Schlaflosigkeit, Erinnerungen und der wenig erfolgreiche Versuch, den Schmerz zu betäuben. Reece hält sich zunächst zurück, während die Gitarren erst im Refrain an Breite gewinnen.
Diese Dynamik tut dem Song gut. Die Musik gibt dem Text Raum, anstatt jede Emotion sofort zu überzeichnen.
„Nothing Left To Prove“ richtet sich an Menschen, die Entscheidungen von außen beurteilen. Der Titel sagt bereits, worum es geht: Reece schuldet niemandem mehr eine Rechtfertigung. Der Refrain wiederholt diesen Gedanken recht häufig, bringt ihn aber glaubwürdig auf den Punkt. Besonders der kräftige Bass gibt dem Stück einen festen Boden.
Noch stärker fällt „Breakdown Unforgettable“ aus.
Innere Stimmen, Überforderung und die Hoffnung auf einen zweiten Versuch bilden einen dramatischeren Rahmen. Der Midtempo-Groove drückt ordentlich, und der Refrain gehört zu den besten des Albums. Lediglich die sehr dichte Produktion nimmt dem Song etwas Beweglichkeit. Mit mehr Luft zwischen Schlagzeug, Stimme und Gitarren hätte die Steigerung noch größer wirken können.
„Even If It’s Nothing“ gehört zu den angenehmsten Überraschungen.
Die Halbballade braucht keine überladenen Bilder. Im Mittelpunkt steht der Wunsch, einem Menschen nahe zu bleiben, selbst wenn von der gemeinsamen Beziehung kaum noch etwas übrig ist. Reece singt kontrolliert und ohne unnötige Dramatik. Die Gitarren beginnen zurückhaltend und wachsen langsam mit dem Refrain.
Gerade diese Ruhe macht den Song glaubwürdig.
Ein Abschied ohne Schuldigen
„Answer The Call“ blickt auf frühere Träume und einen Alltag, in dem vieles zur Wiederholung geworden ist. Musikalisch ist das Stück kurz, griffig und sofort verständlich. Die häufige Wiederholung der Titelzeile lässt den Aufbau allerdings etwas vorhersehbar wirken.
Danach folgt mit „Bitter End“ der Höhepunkt der Platte.
Kalter Kaffee, ein unbeachteter Fernseher, ein Koffer an der Tür und Schweigen in der Küche reichen aus, um das Ende einer Beziehung sichtbar zu machen. Der Text sucht keinen eindeutigen Schuldigen. Zwei Menschen haben es versucht und müssen akzeptieren, dass sich ihre gemeinsame Geschichte nicht mehr retten lässt.
Reece singt diese Situation ruhig und erstaunlich nahbar. Erst nach und nach werden Stimme und Gitarren größer. Die Band vertraut darauf, dass die kleinen Bilder wirken, und muss den Schmerz nicht durchgehend ausrufen. „Bitter End“ ist dadurch das dynamischste und textlich stärkste Stück des Albums.
„Late To The Party“ bringt anschließend wieder mehr Bewegung hinein. Der Song erzählt von spätem Ankommen, schlechten Gewohnheiten und einer Nacht, die nicht völlig unter Kontrolle steht. Einige Bilder besitzen Humor, auch wenn der Zusammenhang lockerer bleibt als bei den ernsteren Liedern. Als Auflockerung vor dem Finale funktioniert die Nummer trotzdem.
„Won’t Fool Me Again“ beendet „Payload“ mit einer klaren Grenze.
Eine weitere Täuschung soll es nicht geben. Reece verbindet Verletzung mit Selbstbehauptung, ohne in reine Wut zu verfallen.
Das gemäßigte Tempo und die melodischen Gitarren führen zu einem breiten Schlussrefrain, der das Album überzeugend abrundet.
Kraftvoll produziert, gelegentlich etwas eng
Riccardo Demarosi und Steve Gordon haben „Payload“ warm und druckvoll gemischt und gemastert. Die Gitarren besitzen Körper, der Bass bleibt hörbar, und Reeces Stimme steht klar im Zentrum. In den härteren Songs ist der Klang allerdings stellenweise sehr dicht. „Breakdown Unforgettable“ und „Late To The Party“ hätten von etwas mehr Raum profitieren können.
Die ruhigeren Stücke zeigen, dass die Produktion durchaus mit Dynamik umgehen kann. „The Damage That Remains“, „Even If It’s Nothing“ und vor allem „Bitter End“ entwickeln sich spürbar und legen ihre stärksten Momente nicht sofort offen.
Dort klingt Bangalore Choir am lebendigsten.
Beim Songwriting verlässt sich die Band überwiegend auf klassische Strophe-Refrain-Strukturen. Das macht die Platte zugänglich, setzt der Überraschung aber Grenzen. Einige Titelzeilen werden häufiger wiederholt, als es nötig wäre. Sobald die Texte konkreter werden, gewinnt das Album deutlich.
Ein Koffer an der Tür oder die Stille in einer Küche bleiben stärker hängen als allgemeine Aussagen über Hoffnung und Durchhalten.
Kontakt:
(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von El Puerto Records GbR)
Wenn ihr über einen gekennzeichneten Partnerlink einkauft, unterstützt ihr NoRush-WebZine.
Für euch entstehen keine zusätzlichen Kosten.















Kommentare