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Rick Wakeman – „Return To The Red Planet“ im Review

vor 1 Stunde
4 Min. Lesezeit

Sechs Jahre nach „The Red Planet“ kehrt Rick Wakeman mit seinem English Rock Ensemble zum roten Planeten zurück. Mollie Marriott und die gemeinsame Studioarbeit geben der Fortsetzung einen eigenen Charakter.


Albumcover - Return To The Red Planet - Rick Wakeman

Tracklist:

1. The Jezero Crater - 06:56

2. Bowie’s Vision - 05:45

3. Noctis Labyrinthus - 05:28

4. Noachis Terra (Land of Noah) - 06:23

5. Witch Hazel Hill - 04:02

6. St Paul’s Bay - 06:53

7. Martian Dust Devils - 04:53

8. Medusae Fossae - 04:26

9. The Epochs of Mars - 07:45





Veröffentlichungsdatum: 16. Oktober 2026


Label: Madfish/Edel

Genre: Progressive Rock / Symphonic Rock

Studio: Decoy Studios

Mastering: Simon Heyworth


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Fazit der Redaktion:

„Return To The Red Planet“ wiederholt den Vorgänger weder im Aufbau noch im Klang. Das English Rock Ensemble spielt geschlossen und reagiert hörbar aufeinander. Lee Pomeroy, Dave Colquhoun und Adam Falkner übernehmen eigene musikalische Aufgaben, während Mollie Marriott den Charakter der Platte am stärksten verändert.


„Bowie’s Vision“, „Noachis Terra“ und „The Epochs of Mars“ bilden den Kern des Albums. Dort greifen Thema, Gesang und Arrangement besonders gut ineinander.

„Witch Hazel Hill“ und „Medusae Fossae“ bleiben etwas episodischer, erfüllen innerhalb der Reise jedoch ihre Funktion.


Das Ergebnis ist ein starkes spätes Werk von Rick Wakeman. Seine bekannte Klangsprache bleibt erhalten, wird durch das Ensemblespiel und Marriotts Stimme aber um neue Farben erweitert.



„Bowie’s Vision“, „Noachis Terra“ und „The Epochs of Mars“ zeigen am klarsten, wie gut Gesang, Thema und Bandarrangement auf diesem Album zusammenfinden."



Was bekommen wir auf die Ohren?


„The Red Planet“ war 2020 als instrumentale Reise durch die Landschaften des Mars angelegt. Auf „Return To The Red Planet“ kommen menschliche Stimmen hinzu.


Rick Wakeman spielte das Album gemeinsam mit seinem English Rock Ensemble im Decoy Studio ein. Lee Pomeroy, Dave Colquhoun, Adam Falkner und Mollie Marriott erhalten dabei genügend Raum, um die neun Kompositionen hörbar mitzuprägen.


Marriott übernimmt klare Leadpassagen, chorartige Flächen und wortlose Vokalparts. „Bowie’s Vision“ und „Noachis Terra“ besitzen erkennbare Texte, auch „Martian Dust Devils“ arbeitet gegen Ende mit verständlichen Zeilen. In anderen Stücken behandelt Wakeman ihre Stimme wie ein zusätzliches Instrument. Lange Abschnitte bleiben rein instrumental.



Eine Band mit eigenen Stimmen

Wakemans Keyboards bestimmen weiterhin das Klangbild. Mellotron, Orgel, Klavier und Synthesizer wechseln einander ab, ohne jedes Arrangement bis zum Rand zu füllen. Colquhouns Gitarre bekommt eigene Themen, Pomeroys Bass bewegt sich häufig unabhängig von den Keyboards, und Falkner hält auch die verschachtelten Passagen flüssig.


Diese Arbeitsteilung macht sich bereits in „The Jezero Crater“ bemerkbar.

Eine breite Fanfare öffnet das Album, anschließend übernehmen Gitarre und Schlagzeug den eigentlichen Vorstoß.



Mellotronflächen, akustische Passagen und kurze Gesangseinsätze werden durch wiederkehrende Keyboardmotive zusammengehalten. Das Stück besitzt keinen klassischen Refrain, verliert über seine knapp sieben Minuten aber nie die Richtung.


„Noctis Labyrinthus“ fällt enger und unruhiger aus.

Taktwechsel, schnelle Keyboardläufe und kurze Gitarreneinwürfe lassen die Komposition mehrfach abbiegen. Marriotts chorartige Stimme gibt den dicht verzahnten Passagen

einen beinahe sakralen Klang.


Erinnerung an David Bowie

„Bowie’s Vision“ bildet den persönlichen Mittelpunkt des Albums.

Wakeman erinnert an David Bowie, für dessen „Life on Mars?“ er einst die bekannte Klavierbegleitung spielte. Der Text blickt mit Wärme, leiser Trauer und etwas Humor auf die gemeinsame Zeit zurück.



Mollie Marriott tritt hier als Leadsängerin hervor. Gedämpfte Trommeln, Mellotron und schwebende Gitarren führen zu Orgel und Chören. Ein bewusst gesetztes Scheinende bereitet den großen Abschluss vor.

Der Song benötigt keinen wiederholten Refrain, um im Gedächtnis zu bleiben.


Auch „Noachis Terra (Land of Noah)“ gehört zu den stärker songorientierten Stücken.

Der Text handelt von verschwundenen Flüssen, ausgelöschten Spuren und der Frage, ob auf dem Mars einst Leben existierte. Marriott singt zurückgenommen.


Das Arrangement lässt viel Raum zwischen den Akkorden und entwickelt stellenweise

eine leicht südamerikanische Rhythmik.


Landschaften als musikalische Vorlage

Die Mars-Thematik bleibt eng mit den Kompositionen verbunden.

Der Jezero-Krater war einst Teil eines Sees mit Flussdelta und wird heute vom Perseverance-Rover untersucht. Andere Titel beziehen sich auf alte Hochlandregionen, Staubwirbel, Erosionsgebiete und die geologischen Zeitalter des Planeten.


Wakeman übersetzt diese Begriffe in musikalische Bewegungen.

„Witch Hazel Hill“ lebt von einem knurrigen Clavinet und dem Wechselspiel mit Colquhouns Gitarre. Das kurze Stück wirkt kantiger als seine Nachbarn und erinnert

stellenweise an Gentle Giant.


„St Paul’s Bay“ beginnt mit einem beschwingten Rhythmus und einer beinahe ausgelassenen Melodie. Später öffnet sich das Arrangement wieder in Richtung Weltraum-Prog. Breite Synthesizer und längere instrumentale Dialoge lösen das eingängige Hauptmotiv nach und nach auf.


Bei „Martian Dust Devils“ kreist die Musik zunächst wie ein ruhiges Wiegenlied im Walzertakt. Erst allmählich verdichtet sich das Arrangement zu einem Wirbel. Die spät einsetzenden Textzeilen verändern die Wahrnehmung des zuvor instrumentalen Stücks.


Der anschließende Lautstärkesprung gehört zu den

wirkungsvollsten Momenten des Albums.


„Medusae Fossae“ zeigt eine dunklere Seite. Scharf gezeichnete Synthesizer treffen auf Gitarrenpassagen mit Flamenco-Anklängen. Der gedrängte Aufbau wirkt etwas episodisch, bietet Wakeman und Colquhoun aber Gelegenheit für ein spannendes Wechselspiel.


Ein Finale über Jahrmillionen

„The Epochs of Mars“ orientiert sich an den drei großen geologischen Perioden Noachian, Hesperian und Amazonian. Motive des Openers kehren zurück und verbinden sich mit klassischem Klavier, schwebenden Synthesizern und Marriotts hallender Stimme.



Die Vokalparts bleiben überwiegend wortlos. Sie geben dem Finale menschliche Nähe, ohne dem Stück eine weitere Geschichte aufzudrängen. Ruhige Passagen schaffen Raum für die späteren Steigerungen.

Wakeman greift den Anfang des Albums auf, entwickelt dessen Motive jedoch weiter.


Produktion mit hörbarer Dynamik

Die Aufnahme lässt leisen Stellen ihren Platz. „The Jezero Crater“, „Martian Dust Devils“ und „The Epochs of Mars“ nutzen große Lautstärkeunterschiede,

ohne dass die Übergänge künstlich wirken.


Auch die Stereodarstellung bleibt übersichtlich. Keyboards und Gitarren erhalten Breite, Bass und Schlagzeug bleiben deutlich zu verfolgen.


Der gemeinsame Studiotermin zahlte sich aus:

Die Musik klingt nach einer Band, die aufeinander reagiert, nicht nach einzeln zusammengesetzten Spuren.



Kontakt:


(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von CMM)


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