top of page

Artefuckt – „Alchemie“ Review: Aus Wunden wird neuer Antrieb

15. Aug.
5 Min. Lesezeit

Auf ihrem fünften Album mischen Artefuckt vertraute Deutschrock-Zutaten neu. Das Ergebnis klingt druckvoll, emotional und wie gemacht für laute Festivalabende.



Tracklist:

1. Intro

2. 24 Karat

3. Leben Voller Leben

4. Auf Und Davon

5. Kopfüber In Die Nacht

6. X

7. Judas

8. Lass Nicht Los

9. Mit Dir

10. Was Ist Mit Liebe

11. Sommer

12. Wer Zuletzt Lacht

13. Wir Wollten Fliegen



Veröffentlichungsdatum: 21. August 2026

Label: Metalville (EDEL)


Laufzeit: ca. 45:45 Minuten

Genre: Deutschrock

Produktion: Jörg „Warthy“ Wartmann


Das Album „Alchemie“ bei JPC bestellen:




Fazit der Redaktion:

„Alchemie“ verwandelt persönliche Verletzungen, Aufbruchsstimmung und die Suche nach Nähe in kraftvoll produzierten Deutschrock. Artefuckt erfinden sich nicht neu, wirken auf ihrem fünften Album aber geschlossen, emotional und ausgesprochen bühnentauglich.


Nicht jede Zeile besitzt große Tiefe, und einige musikalische Muster sind längst vertraut.

Die starken Refrains, der moderne Sound und der überraschend nachdenkliche Abschluss machen „Alchemie“ dennoch zu einem überzeugenden Album für die eigene Zielgruppe.



"Zwischen alten Wunden und neuem Aufbruch: Alchemie zeigt Artefuckt emotional, kraftvoll und

mit großen Refrains, die wie gemacht für die Bühne sind."



Alchemie bezeichnet die alte Vorstellung, gewöhnliche Stoffe in etwas Kostbares verwandeln zu können. Artefuckt übertragen diesen Gedanken auf ihr fünftes Studioalbum:


Aus Enttäuschungen, Zweifeln, Erinnerungen und neuen Hoffnungen sollen Songs entstehen, die mehr sind als die Summe ihrer Einzelteile. Ein passender Titel für eine Platte, die häufig zurückblickt, sich davon aber nicht aufhalten lassen will.

Artefuckt bleiben Artefuckt: direkte Texte, breite Gitarren und Refrains, die spätestens beim zweiten Durchlauf sitzen. Neu erfunden wird dieser Sound nicht.


Er wirkt diesmal jedoch kompakter und klanglich selbstbewusster.


Zurück mit „24 Karat“

Nach einem knapp zweiminütigen Intro eröffnet „24 Karat“ das Album mit voller Lautstärke. Dabei geht es nicht um Geld oder materiellen Glanz. Artefuckt feiern vielmehr den eigenen Fortbestand und das, was sie auf dem Weg bis zu diesem fünften Album gelernt haben.



Der Song ist Rückkehr und Standortbestimmung zugleich.

Die Band spricht von einem neuen Klang, bleibt im Kern aber ihrer bisherigen Linie treu.


Druckvolle Gitarren und ein großer Refrain zielen klar auf die Bühne.

Man kann sich schon beim ersten Hören vorstellen, wie die Zeilen im Sommer von einer Festivalmenge zurückkommen.



„Leben voller Leben“ schaut ebenfalls nach vorn. Der Titel mag zunächst etwas groß klingen, doch die positive Energie funktioniert. Artefuckt wollen hier keine komplizierte Lebensphilosophie entwerfen. Es geht darum, die vorhandene Zeit tatsächlich zu nutzen, statt sie im Warten und Zweifeln verstreichen zu lassen.


Raus aus dem Stillstand

„Auf und davon“ und „Kopfüber in die Nacht“ setzen diesen Bewegungsdrang fort.

Beide Songs erzählen vom Loslassen, vom Ausbruch aus dem Bekannten und von der Sehnsucht, wenigstens für einen Moment alle Begrenzungen hinter sich zu lassen.


Das ist vertrautes Deutschrock-Gelände, wird von Artefuckt aber mit genügend Schwung gespielt. Gerade „Kopfüber in die Nacht“ dürfte live gut funktionieren. Der Song besitzt diese Mischung aus Freiheit, Leichtsinn und sommerlicher Euphorie, bei der man für ein paar Minuten bereit ist, die Konsequenzen auf morgen zu verschieben.


Solche Stücke gehörten schon auf früheren Alben zu den Stärken der Band.

Artefuckt schreiben Musik, die unmittelbar wirken möchte. Man muss nicht lange rätseln, was gemeint ist. Manchmal fehlt dadurch eine zweite Ebene, dafür kommen die Songs schnell dort an, wo sie hinwollen.


Wenn Vertrauen zerbricht

Mit dem rätselhaften „X“ kippt die Stimmung.

Die Platte wird dunkler und richtet den Blick stärker auf persönliche Verletzungen.

„Judas“ greift anschließend Verrat und enttäuschtes Vertrauen auf.

Erfreulich ist, dass Artefuckt dabei weitgehend auf allgemeine Feindbilder verzichten.

Die Wut bleibt an konkreten zwischenmenschlichen Erfahrungen hängen.


Gerade das macht den Song glaubwürdiger. Verrat schmerzt schließlich am meisten, wenn er von jemandem kommt, dem man vertraut hat. André Donay trägt diese Enttäuschung mit einer Stimme, die klar und verständlich bleibt, aber genug Druck entwickelt, damit der Refrain nicht bloß wie eine nüchterne Abrechnung klingt.


„Lass nicht los“ und „Mit Dir“ bilden dazu den emotionalen Gegenpol.

Nach Misstrauen und Verletzung wird Nähe wieder als etwas Wertvolles beschrieben.


Besonders das längere „Mit Dir“ nimmt sich mehr Zeit und gehört dadurch zu den gefühlvolleren Momenten des Albums. Der Song zeigt, dass Artefuckt nicht nur Durchhalteparolen und Angriffslust beherrschen.


Und was ist eigentlich mit Liebe?

„Was ist mit Liebe“ stellt die Frage, um die vieles auf diesem Album kreist.

Zwischen Wut, Selbstbehauptung und dem Drang, einfach abzuhauen, bleibt zu klären, wie viel Raum noch für Mitgefühl und wirkliche Verbundenheit vorhanden ist.


Der Song passt deshalb besonders gut zum Titel „Alchemie“.

Veränderung entsteht hier nicht dadurch, dass unangenehme Gefühle verschwinden. Erst Widersprüche, Verletzungen und Hoffnung ergeben zusammen etwas Neues. Das ist vielleicht kein besonders feinsinniges Konzept, aber ein ehrliches und nachvollziehbares.


„Sommer“ lässt danach wieder mehr Licht herein. Der Titel hält, was er verspricht: Leichtigkeit, gute Erinnerungen und ein Refrain, der sich für warme Abende unter freiem Himmel anbietet. Natürlich bewegt sich der Song nah an bekannten Bildern.


Trotzdem wirkt er nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie eine nötige Pause

zwischen den schwereren Themen.


Zwischen Trotz und geplatzten Träumen

„Wer zuletzt lacht“ zeigt Artefuckt noch einmal angriffslustiger.

Hier wird nicht lange über Verletzungen nachgedacht, sondern zurückgeschlagen.

Der Song ist geradeaus gebaut und dürfte vor allem bei jenen Fans funktionieren,

die die Band für ihre kämpferische Seite mögen.


Interessanter ist allerdings der Abschluss.


„Wir wollten fliegen“ blickt auf Träume zurück, die vielleicht größer waren als das,

was am Ende aus ihnen geworden ist. Statt das Album mit einer weiteren Siegerpose zu beenden, lassen Artefuckt Zweifel und eine gewisse Ernüchterung zu.


Gerade dieser melancholische Ausklang tut „Alchemie“ gut.

Nicht jeder Aufbruch führt ans gewünschte Ziel, und nicht jede Wunde lässt sich in Gold verwandeln. Manchmal bleibt nur die Erinnerung daran, wie hoch man

eigentlich fliegen wollte.


Dadurch endet die Platte menschlicher, als es ein weiterer großer Durchhaltere­frain vermocht hätte.


Breiter Sound, vertrautes Fundament

Produzent Jörg „Warthy“ Wartmann hat Artefuckt ein kraftvolles, modernes Klangbild gegeben. Die Gitarren stehen breit im Mix, die Rhythmusgruppe drückt, und André Donays Stimme bleibt stets verständlich im Mittelpunkt. Die Produktion klingt groß genug für Festivalbühnen, ohne die Band hinter zu viel Hochglanz verschwinden zu lassen.


Musikalisch bleiben Artefuckt allerdings weitgehend in ihrem vertrauten Haus.

Gelegentlich öffnen sie eine neue Tür, ziehen aber nicht gleich um.


Große Refrains, direkte Botschaften und bekannte Songstrukturen

bestimmen weiterhin das Bild.


Darin liegen Stärke und Schwäche des Albums dicht beieinander.

Fans bekommen genau die Mischung, die sie von Artefuckt erwarten, diesmal besonders geschlossen und druckvoll umgesetzt.


Wer mit geradlinigem Deutschrock wenig anfangen kann, wird vermutlich auch durch „Alchemie“ nicht bekehrt.



Kontakt:


(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von Flying Dolphin Entertainment UG)


In diesem Beitrag sind Affiliate-Links enthalten. Wenn ihr darüber einkauft, unterstützt ihr norush-webzine.com.

Für euch entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page