top of page
NoRush Webzine

NEU   MANNTRA veröffentlichen „Wild Hunt“ mit Fabienne Erni · BEAST IN BLACK veröffentlichen Powerballade „Lost Children“

In Extremo – „Tranquilo II“: Alte Lieder auf neuen Wegen

Autorenbild: Stephan Sieger
Stephan Sieger
vor 9 Stunden
5 Min. Lesezeit

Für ihr zweites Akustikprojekt ziehen In Extremo nicht einfach den Stecker. Die Band verändert Rhythmen, Tempi und Stimmungen so gründlich, dass viele bekannte Stücke eine neue Wirkung entfalten.


Albumcover Tranquilo II - In Extremo - Review

1. Störtebeker – 3:21

2. Sternhagelvoll – 4:03

3. Spielmannsfluch – 3:21

4. Liam – 4:06

5. Frei zu sein – 3:35

6. Feine Seele – 4:52

7. Rasend Herz – 4:15

8. Weckt die Toten – 4:21

9. Heute wird der Himmel brennen – 4:13

10. Feuertaufe – 3:27

11. Blutmond – 4:41

12. Gaukler – 4:32

13. Nur Ihr Allein – 4:39

14. Troja – 3:50

15. Lebensbeichte – 4:08

16. Quid Pro Quo – 3:26

17. Herr Mannelig – 5:25


Bonus-EP „Sternhagelvoller“


18. Sternhagelvoller – 5:57

19. Amontillado – 4:19

20. Ave Maria – 4:27



VÖ: 23.10.2026

Label: Vertigo Berlin / Universal Music

Genre: Akustischer Mittelalter-Rock / Folk-Rock

Umfang: 17 Titel, 70:14 Minuten

Bonus-EP: 3 Titel, 14:43 Minuten

Gesamtlaufzeit der Deluxe-Ausgabe: 84:57 Minuten


Das Album „Tranquilo II“ jetzt bei JPC bestellen:


Alternativ exklusive Edition im In Extremo Shop bestellen



Fazit der Redaktion:

„Tranquilo II“ ist weit mehr als eine Sammlung bekannter Songs ohne elektrische Gitarren. In Extremo verändern Tempi, Rhythmen und Instrumentierung so deutlich, dass viele Stücke tatsächlich neu gehört werden können. Besonders die Balladen, Moritaten und dunkleren Erzählungen gewinnen an Nähe.


Nicht jede Feiernummer rechtfertigt ihre Rückkehr gleichermaßen, und das Hauptalbum hätte etwas kürzer ausfallen dürfen. Die starken Neubearbeitungen und die ausgezeichnete Bonus-EP gleichen diese Längen jedoch aus.


„Tranquilo II“ ist ein sorgfältig arrangiertes Akustikalbum, das seinen Reiz gerade daraus zieht, dass In Extremo den eigenen Katalog nicht ehrfürchtig behandeln.



„Mit ‚Tranquilo II‘ erfinden In Extremo ihre Klassiker auf beeindruckende Weise neu

– atmosphärische Akustikarrangements, emotionale Tiefe und überraschende Interpretationen machen vertraute Songs zu einem besonderen Hörerlebnis.“



Was bekommen wir auf die Ohren?


Seit dem ersten „Tranquilo“-Album sind 16 Jahre vergangen.


In dieser Zeit ist der Katalog von In Extremo um reichlich Material gewachsen,

das sich für eine akustische Neubearbeitung anbietet.


Für „Tranquilo II“ hat die Band 16 ältere Stücke und den neuen Song „Heute wird der Himmel brennen“ in einem kleinen Studio in Dornbirn eingespielt.


Akustische Gitarren, Streicher und historische Instrumente bilden das Fundament.

Die Rhythmusgruppe bleibt dabei erstaunlich beweglich. Mal schwingt ein Ska-Rhythmus mit, mal sind Reggae, Swing oder osteuropäische Volksmusik zu hören.


Dadurch wirkt das Album nicht wie ein übliches Unplugged-Programm.

Die Songs werden hörbar auseinandergenommen und neu zusammengesetzt.


Zwischen Piratenkneipe und später Stunde

„Störtebeker“ beginnt mit rauem Kneipencharme.

Micha Rhein und Monchi tragen die Geschichte fast wie ein Streitgespräch vor, während Max Bobzins Trompete den Song in Richtung Ska schiebt. Das passt zur ruppigen Piratenfigur und sorgt gleich zu Beginn für Bewegung.


„Sternhagelvoll“ lässt es gemächlicher angehen.

Der ursprüngliche Rockdruck weicht einem schweren, schwankenden Rhythmus, der eher nach fortgeschrittener Kneipennacht als nach großer Festivalbühne klingt. Der Refrain bleibt sofort mitsingbar. Inhaltlich und musikalisch gehört das Stück allerdings zu den weniger überraschenden Umbauten.


Ähnlich sieht es bei „Feuertaufe“ und „Frei zu sein“ aus.

Beide profitieren vom lebendigen Zusammenspiel und den akustischen Instrumenten, ihre recht allgemeinen Botschaften gewinnen dadurch aber nur begrenzt an Tiefe.

Spaß machen die neuen Fassungen trotzdem.


Alte Geschichten rücken näher

Deutlich mehr gewinnen die erzählerischen Lieder.

„Spielmannsfluch“ basiert auf Ludwig Uhlands Ballade „Des Sängers Fluch“ und erzählt von einem grausamen König, zwei Spielleuten und einer tödlichen Verwünschung.

Ohne die gewohnte Rockproduktion klingt Micha Rhein beinahe wie ein Moritatensänger. Der Text steht im Mittelpunkt, und der Refrain wirkt dadurch bedrohlicher als zuvor.


Auch „Herr Mannelig“ profitiert von der langsameren Gangart.

Die schwedische Ballade über eine Trollfrau, die durch die Heirat mit einem Christen auf Erlösung hofft, erhält einen dunklen, beinahe rituellen Charakter. Über fünfeinhalb Minuten halten In Extremo die Spannung, ohne auf einen großen Ausbruch angewiesen zu sein.


„Gaukler“ gehört ebenfalls zu den Höhepunkten.

Die verlassene Manege, der weinende Clown und die Pflicht des Künstlers, trotz eigener Trauer weiter für Unterhaltung zu sorgen, ergeben ein starkes Bild.

Das Arrangement beginnt leise und wächst behutsam.

Kein anderer Titel des Hauptalbums nutzt die mögliche Dynamik so konsequent.


Starke Stimmen an den richtigen Stellen

Bei „Liam“ wird Laura Fella zu weit mehr als einem dekorativen Gast.

Die Geschichte einer Frau, deren Geliebter auf See gestorben ist, bekommt durch ihre klare Stimme eine zweite Perspektive. Ihr Gesang und Rheins rauer Bariton bleiben eigenständig und finden gerade deshalb überzeugend zusammen.



Doro Pesch wird bei „Feine Seele“ ähnlich wirkungsvoll eingesetzt.

Der Song handelt von Schuld, Einsamkeit, Erinnerung und dem Wunsch, über einen geliebten Menschen zu wachen. Doro verzichtet weitgehend auf große Metalgesten. Ihre gelebte Stimme passt zu diesen Zeilen besser als eine makellose Studioperformance.


„Rasend Herz“ und „Blutmond“ schlagen ebenfalls ruhigere Töne an.

Bei „Rasend Herz“ geht dadurch etwas vom ursprünglichen Ansturm verloren, dafür rückt der Gesang stärker in den Vordergrund. „Blutmond“ gewinnt an Schwere und lässt den mühsamen Weg aus einem seelischen Tief greifbarer erscheinen.


Ein neuer Song als Blick auf die eigene Geschichte

„Heute wird der Himmel brennen“ ist der einzige vollständig neue Titel des Hauptalbums. Das Lied erzählt vom gemeinsamen Weg der sechs Musiker, von langen Jahren, freiem Handeln und dem Wunsch, bis zum letzten Vorhang zusammenzubleiben.


Textlich bewegt sich die Nummer auf vertrautem Hymnenboden. Einige Zeilen lassen sich früh erahnen. Die von der Violine getragene, leicht wehmütige Stimmung verhindert jedoch, dass daraus reine Selbstfeier wird. Als einzelner Song zählt das Stück nicht zu den stärksten Momenten des Albums. Inmitten dieser Rückschau hat es dennoch seinen Platz.


Die Bonus-EP setzt den eigentlichen Schlusspunkt

Die Deluxe-Ausgabe ergänzt das Album um die drei Stücke

„Sternhagelvoller“, „Amontillado“ und „Ave Maria“.


„Sternhagelvoller“ versammelt Gäste von Feuerschwanz, d’Artagnan, Faun, Tanzwut, Subway To Sally, Versengold, Fiddler’s Green, Corvus Corax, Haggefugg, Stormseeker und Fabula. Als großes Szenentreffen macht das Laune, auch wenn die Nummer mit fast sechs Minuten etwas ausufert.



Wesentlich stärker ist „Amontillado“. Hinter dem zunächst harmlos klingenden Weinlied verbirgt sich eine Mordballade nach Edgar Allan Poes Erzählung „Das Fass Amontillado“. Fortunato wird mit dem Versprechen auf einen seltenen Sherry in eine Gruft gelockt, angekettet und eingemauert. Der fröhliche Titelruf bekommt dadurch einen bitteren, makabren Beigeschmack.


„Ave Maria“ beendet die Deluxe-Ausgabe auf ungewöhnliche Weise.

Gemeinsam mit Metaklapa bauen In Extremo das Stück fast vollständig aus tiefen Männerstimmen und wechselnden Gesangsgruppen auf. Die Band verzichtet auf ein dichtes Instrumentalgerüst und lässt den Stimmen viel Raum.


Bekannte Lieder, andere Wirkung

Mit seinen 70 Minuten verlangt das Hauptalbum etwas Zeit. Nicht jede Hymne gewinnt im gleichen Maß. Die Feier- und Gemeinschaftsstücke bleiben auch in den neuen Arrangements vergleichsweise geradlinig. Sobald Geschichten, Figuren und dunklere Stimmungen ins Spiel kommen, zeigt „Tranquilo II“ jedoch seine eigentliche Stärke.


„Spielmannsfluch“, „Liam“, „Feine Seele“, „Gaukler“, „Lebensbeichte“ und „Herr Mannelig“ klingen nicht wie abgespeckte Varianten ihrer Originale. Die neuen Fassungen rücken Texte und Stimmen näher heran und verändern teilweise sogar den Charakter der Songs.



Kontakte:


(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von Another Dimension PR Agentur)


In diesem Beitrag sind Affiliate-Links enthalten. Wenn ihr darüber einkauft, unterstützt ihr norush-webzine.com.

Für euch entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Kommentare


Storm Force – „Truth“ im Review: Harte Kante, große Melodien und ein stiller Höhepunkt

AUS DIESER RUBRIK

STORM FORCE – „TRUTH“ IM REVIEW: HARTE KANTE, GROSSE MELODIEN UND EIN STILLER HÖHEPUNKT

Sechs Jahre nach „Age Of Fear“ kehren Storm Force mit einem Album zurück, das tief im melodischen Hard Rock der Achtziger verwurzelt ist. Starke Refrains, Patrick Gagliardis wandelbarer Gesang und eine berührende Schlussballade tragen „Truth“.

RATKEN – „Our House“ im Review

AUS DIESER RUBRIK

RATKEN – „OUR HOUSE“ IM REVIEW

Klaus Henatsch verbindet seine Prog-Vergangenheit mit schweren Gitarren und Texten über Radikalisierung, Klimakrise, bedrohte Demokratie und persönliche Verluste.

Joanne Shaw Taylor – „The Trouble With Love“ im Review

AUS DIESER RUBRIK

JOANNE SHAW TAYLOR – „THE TROUBLE WITH LOVE“ IM REVIEW

Liebe ohne Schonwaschgang: Joanne Shaw Taylor schreibt über Abhängigkeit, Betrug, Selbstannahme und eine Freundschaft, die Jahre und Entfernungen überdauert. Musikalisch reicht ihr elftes Studioalbum vom kantigen Bluesrock bis zum orchestrierten Soul.

bottom of page