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RATKEN – „Our House“ im Review

vor 48 Minuten
4 Min. Lesezeit

Klaus Henatsch verbindet seine Prog-Vergangenheit mit schweren Gitarren und Texten über Radikalisierung, Klimakrise, bedrohte Demokratie und persönliche Verluste.


Albumcover Our House - Ratken - Review

Tracklist:

01. Walking on the Hollow Ground

02. The Seed

03. Wake Up Call

04. Silence

05. Farewell To You

06. House's On Fire

07. My Song Remains For Me

08. Dr. Kool

09. King Of The Deep



Veröffentlichungsdatum: 23. Oktober 2026

Label: Onstage Records/Broken Silence

Genre: Progressive-Metal-Rock


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Fazit der Redaktion:

„Our House“ ist das Debüt einer erfahrenen Band. Das hört man am Zusammenspiel, an den langen Formen und an der Geduld, mit der RATKEN ihre Melodien entwickeln.


Klaus Henatschs Vergangenheit prägt vor allem die ausgedehnten Keyboardpassagen und die Nähe zum klassischen Progrock. Michael Insinger, Holger Trull und Toni Danner setzen dazu einen deutlich härteren Rahmen.


Die Spielzeit ist großzügig bemessen. Manche Refrains dauern länger als ihre Aussage, und nicht jede englische Formulierung klingt vollkommen natürlich. Dem stehen eine bewegliche Produktion, mehrere überzeugende Steigerungen und Texte gegenüber, die ihre politischen Themen meist an konkreten Situationen festmachen.


„The Seed“, „Farewell To You“ und „House’s On Fire“ bilden den Kern des Albums. „Dr. Kool“ und „King Of The Deep“ führen die progressive Seite am ausführlichsten aus. „Our House“ steht auf unsicherem Boden, besitzt musikalisch aber ein solides Fundament.



„Mit ‚Our House‘ liefern RATKEN ein überzeugendes Debüt zwischen klassischem Progrock und kraftvollem Hardrock – geprägt von virtuosen Keyboards, markanten Gitarren und anspruchsvollen Arrangements.“



Was bekommen wir auf die Ohren?


RATKEN ist rückwärts gelesen NEKTAR. Die Verbindung zur früheren Band von Keyboarder Klaus Henatsch ist damit bewusst gesetzt. „Our House“ versucht trotzdem nicht, eine alte Geschichte unter neuem Namen weiterzuschreiben.


Henatsch nutzt die melodische und symphonische Sprache des klassischen Progrock als Grundlage. Michael Insingers Gitarren, die Rhythmusgruppe aus Holger Trull und Toni Danner sowie Danny Lattrichs kräftiger Gesang führen die Stücke regelmäßig in härtere Bereiche.


Lange Stücke mit erkennbarem Verlauf

Die neun Titel dauern zusammen fast 70 Minuten. Keiner bleibt unter sechs Minuten,

„Dr. Kool“ erreicht knapp elf. RATKEN nehmen sich Zeit für instrumentale Abschnitte, Tempowechsel und langsam aufgebaute Steigerungen.


Nicht jede Komposition benötigt ihre gesamte Laufzeit. Einige Refrains werden häufiger wiederholt, als es ihre Aussage verlangt. Die offizielle Reihenfolge ergibt dennoch einen nachvollziehbaren Verlauf. „Walking On Hollow Ground“ eröffnet mit gesellschaftlicher Unsicherheit. Danach folgen Radikalisierung, bedrohte Demokratie, Klimakrise und persönlicher Abschied. „King Of The Deep“ führt am Ende in eine mythische Unterwasserwelt.


Danny Lattrich behauptet sich mit seiner leicht angerauten Stimme gegen breite Keyboards und schwere Gitarren. In den ruhigeren Stücken wirkt er emotional genauer. Besonders „Farewell To You“ und „Silence“ profitieren von seinem kontrollierten Vortrag.


Unsicherer Boden und gesäter Hass

„Walking On Hollow Ground“ beschreibt eine Gesellschaft, deren scheinbare Sicherheit jederzeit einbrechen kann. Freiheit, politische Führung und die Sorge um kommende Generationen stehen nebeneinander. Weiträumige Keyboards und getragene Gitarren geben dem Auftakt mehr Atmosphäre als Härte. Der Mittelteil könnte etwas entschlossener vorankommen, als Einstieg in das Album funktioniert der Song trotzdem.


„The Seed“ gehört zu den stärksten Stücken. Der Text schildert, wie Hass, Ausweglosigkeit und fehlende Orientierung Menschen in tödliche Gewalt treiben können. Zwei Figuren verlassen ihr bisheriges Leben mit dem Wissen, dass sie nicht zurückkehren werden.



RATKEN suchen keine einfache Erklärung. Sie beschreiben einen Kreislauf, in dem gesäter Hass neuen Hass hervorbringt. Ruhige Passagen treffen auf einen treibenden Hard-Rock-Rhythmus, während Gitarren und Keyboards die Bedrohung verdichten. Die Härte ergibt sich aus dem Thema und wirkt deshalb schlüssig.


„Wake Up Call“ richtet den Blick auf autoritäre Figuren und gefährdete demokratische Strukturen. Der wiederholte Ruf zum Aufstehen besitzt Live-Potenzial. Einige Textstellen bleiben allgemein, musikalisch sorgen schnelle Rockgrooves und breitere Progpassagen für Bewegung.


Persönliche Verluste

„Silence“ bildet einen notwendigen Ruhepunkt. Stille steht für Einsamkeit, sprachlose Entfernung und die Möglichkeit, inneren Frieden zu finden. Langsame Gitarren und ausklingende Keyboardflächen lassen Lattrichs Stimme viel Platz.


Noch stärker gelingt „Farewell To You“. Der Text handelt von einem Abschied, ohne dessen Anlass festzulegen. Erinnerungen sollen bewahrt werden, obwohl das Loslassen unvermeidlich geworden ist. Das wiederkehrende Bild eines geöffneten Fensters lässt sich als Übergang zwischen Festhalten und Freigeben lesen.


Die Band beginnt leise und steigert sich schrittweise. Die großen Lautstärkeunterschiede folgen der emotionalen Bewegung des Textes. Gerade weil der Song auf übertriebene Gesten verzichtet, gehört er zu den eindringlichsten Momenten des Albums.


Ein brennendes Haus

„House’s On Fire“ stellt unterschiedliche Stimmen der Klimadebatte gegeneinander.

Die Warnung vor einem brennenden Haus trifft auf Spott über junge Klimaaktivisten. Danach wird der Text konkret: SUVs, Kreuzfahrten, ständig ersetzte Mobiltelefone,

Fast Food, Plastik und Müll erscheinen als Teile desselben Problems.


Diese Alltagsszenen geben dem Song Schärfe. Die Gegenseite wird allerdings recht grob gezeichnet, wodurch einzelne Passagen eher nach Abrechnung als nach Auseinandersetzung klingen. Das harte und dicht gemischte Arrangement passt zur gereizten Stimmung. Der spät einsetzende Refrain bündelt die Aussage wirkungsvoll.


„My Song Remains For Me“ wirkt danach heller. Musik wird zum persönlichen Rückzugsort und bewahrt ein Stück innere Freiheit gegen äußeren Lärm. Der melodische Refrain ist leicht zugänglich, wird gegen Ende jedoch zu oft wiederholt.


Satire und Abstieg

„Dr. Kool“ nimmt Schönheitsoperationen, Botox und den Wunsch nach ewiger Jugend aufs Korn. Die behandelte Person wird für ihr Umfeld zunehmend unkenntlich. Hinter dem Spott steht die Frage, wie viel Identität durch die ständige Arbeit am eigenen Äußeren verloren gehen kann.


Das wiederkehrende „Dr. Kool“-Motiv klingt wie ein Werbejingle. Mehrere Instrumentalabschnitte und wechselnde Tempi rechtfertigen einen großen Teil der fast elfminütigen Spielzeit. Zwei oder drei Wiederholungen weniger hätten dem Stück trotzdem gutgetan.


„King Of The Deep“ beendet das Album mit dunklen Gitarren, tiefen Keyboardflächen und einem schweren Rhythmus. Das Meer erscheint als alter Herrscher, der bereits vor den Menschen existierte. Ob der König eine Naturgewalt, der Ozean selbst oder eine mythische Figur ist, bleibt offen.


Das lange Finale lebt von Atmosphäre. Die wiederholten „down“-Passagen wirken zunehmend beschwörend. Im Mittelteil hält die Band dieselbe Spannung etwas zu lange, findet danach aber einen passenden Abschluss für die Platte.



Kontakt:


(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von Another Dimension PR)


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