Sweet – „Live 25“ im Review
Mehr als eine Reise durch die großen Hits: Im Londoner Shepherd’s Bush präsentiert sich Sweet als kraftvolle Hardrock-Band, die ihre Glam-Vergangenheit nicht verleugnet, aber auch nicht von ihr abhängig ist.

Tracklist (zum Erweitern klicken)
1. Full Circle (Intro)
2. Action
3. Hellraiser
4. Circus
5. The Six Teens
6. Don’t Bring Me Water
7. Lost Angels
8. Windy City
9. Set Me Free
10. Teenage Rampage
11. Wig Wam Bam - Little Willy Medley
12. Love Is Like Oxygen
13. Fox On The Run
14. Blockbuster
15. Ballroom Blitz
16. Sweet Jane (Outro)
Veröffentlichung: 23. Oktober 2026
Label: Metalville/Edel
Genre: Classic Rock / Hard Rock / Glam Rock
Laufzeit: 72:04 Minuten
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Fazit der Redaktion:
„Live 25“ ist keine bloße Sammlung alter Erfolge.
Die heutige Sweet-Besetzung behandelt das Material als lebende Rockmusik und nicht als Museumsstück. Paul Manzi ist ein überzeugender Frontmann, Lee Small stabilisiert die hohen Harmonien und Tom Cory ergänzt Andy Scotts Gitarrenspiel
mit viel Gefühl für die Songs.
Die neuen Stücke passen erstaunlich selbstverständlich ins Programm.
Noch stärker sind jedoch die härteren Katalogtitel und die lange Fassung von
„Love Is Like Oxygen“. Sie geben dem Album mehr Substanz als eine einfache Abfolge
der üblichen Glam-Hits.
Kleine Abzüge gibt es für den stellenweise sehr kompakten Mix und die Kürzungen gegenüber dem vollständigen Konzert. Am starken Gesamteindruck ändert das wenig:
Sweet klingen auf „Live 25“ nicht wie ihre eigene Tributeband, sondern wie eine erfahrene Hardrock-Formation mit Geschichte und weiterhin spürbarem Hunger.
„Mit ‚Live 25‘ beweisen Sweet eindrucksvoll, dass ihre Klassiker nichts von ihrer Kraft verloren haben – energiegeladener Hardrock, starke Stimmen und eine Band, die auch nach Jahrzehnten voller Spielfreude steckt.“
Was bekommen wir auf die Ohren?
Sweet ohne Brian Connolly, Steve Priest und Mick Tucker bleibt für manche Fans ein schwieriges Thema. Andy Scott versucht auf „Live 25“ allerdings gar nicht erst, die Siebziger in möglichst unveränderter Form zu konservieren. Die aktuelle Besetzung spielt härter, kompakter und stellenweise deutlich metallischer als die klassische Band.
Die bekannten Melodien bleiben erhalten, bekommen aber ein anderes Gewicht.
Paul Manzi singt die Stücke nicht als Brian-Connolly-Kopie. Seine kräftige und leicht angeraute Stimme passt besonders gut zu den härteren Titeln. Bei den frühen Glam-Hits fehlt gelegentlich die elegante Leichtigkeit der Originale, dafür gewinnen Songs wie
„Lost Angels“, „Set Me Free“ und „Action“ spürbar an Druck.
Lee Smalls hohe Begleitstimmen bewahren einen wichtigen Teil des typischen Sweet-Klangs. Gitarrist und Keyboarder Tom Cory ergänzt Andy Scott, ohne ihm den Raum zu nehmen. Gemeinsam sorgen beide dafür, dass die Stücke nicht nur nachgespielt,
sondern tatsächlich neu belebt werden.
Ohne lange Anlaufphase
Nach dem kurzen Intro „Full Circle“ startet das Konzert mit „Action“ und „Hellraiser“ beinahe ohne Vorwarnung. Die Gitarren und die Rhythmusgruppe stehen weit vorne, während das Publikum im Mix etwas zurückhaltender wirkt.
Die Aufnahme ist laut und kompakt, aber nicht vollständig glattgezogen. Kleine Ansagen, Reaktionen aus dem Saal und die größere räumliche Tiefe der ruhigeren Passagen erhalten genügend Konzertatmosphäre.
Mit „Circus“ folgt früh ein Stück des 2024 veröffentlichten Albums „Full Circle“. Der Song beschreibt eine aus den Fugen geratene Welt, in der Wirklichkeit und Spektakel kaum noch voneinander zu trennen sind. Musikalisch verbindet er modernen Hard Rock mit den bekannten Sweet-Harmonien und behauptet sich problemlos neben den Klassikern.
Auch „Don’t Bring Me Water“ fügt sich gut ein. Der Song lebt von Trotz und der Weigerung, sich von anderen retten oder verändern zu lassen. Er klingt weniger verspielt als die alten Hits, passt aber hervorragend zur härteren Ausrichtung der heutigen Band.
Andy Scotts Rückkehr
Nach „Circus“ rückt Paul Manzi den Gründer und Gitarristen Andy Scott in den Mittelpunkt.
Scott bedankt sich beim Londoner Publikum für die Unterstützung während seiner mehrmonatigen krankheitsbedingten Pause.
Dieser Moment verleiht dem Konzert eine persönliche Ebene, ohne künstlich aufgeblasen zu werden. Man spürt, dass seine Rückkehr für Band und Publikum mehr bedeutet als eine gewöhnliche Tourstation.
Die härtere Seite von Sweet
Die stärkste Phase des Albums beginnt mit „Lost Angels“.
Der Song erinnert daran, wie nah Sweet in den Siebzigern stellenweise bereits am späteren Heavy Metal lagen. Manzis Stimme passt hervorragend zum schweren Riff und gibt dem Stück eine dunklere Note.
„Windy City“ wächst auf fast sieben Minuten an und bietet Gitarren, Keyboards und dem Publikum mehr Raum. Die Fassung wirkt ausgedehnt, aber nicht unnötig verlängert.
Direkt danach wird „Set Me Free“ zu einem der aggressivsten Momente des Abends. Der Refrain wird beinahe herausgeschleudert, während Scotts kantiges Solospiel
die Wirkung zusätzlich verschärft.
Das Medley aus „Wig Wam Bam“ und „Little Willy“ führt zurück zur leichteren Glam-Pop-Seite der frühen Siebziger. Musikalisch sind diese Songs einfacher und textlich stark von Flirt, Übertreibung und jugendlichem Klamauk geprägt. Als gemeinsamer Moment mit dem Publikum funktionieren sie weiterhin, auch wenn die heutige Band bei den härteren Stücken überzeugender klingt.
„Love Is Like Oxygen“ als Höhepunkt
Der klare Höhepunkt ist die knapp achtminütige Fassung von „Love Is Like Oxygen“.
Nach dem bekannten Refrain öffnet sich das Arrangement und lässt den progressiven Charakter der Komposition stärker hervortreten.
Lautstärke und Dynamik nehmen zu und wieder ab, während Scott und Cory ihre unterschiedlichen Gitarrenfarben ausspielen können. Manzi überzeugt auch in den ruhigeren Passagen. Hier wirkt „Live 25“ am wenigsten wie eine reine Hitparade und am stärksten wie das Konzert einer Band, die ihren Katalog weiterhin ernst nimmt.
Mit „Fox On The Run“, „Blockbuster“ und „Ballroom Blitz“ folgt das erwartete Finale. Trotzdem werden die großen Hits nicht beiläufig abgearbeitet. „Blockbuster“ besitzt durch Sirene und schweres Riff noch immer etwas Bedrohliches, während „Ballroom Blitz“ vom Wechselspiel zwischen Manzi, Band und Publikum lebt.
Nicht das vollständige Konzert
„Live 25“ bildet den Londoner Auftritt nicht komplett ab.
„Burn On The Flame“ sowie ein Medley aus „Co-Co“, „Funny Funny“ und „Poppa Joe“ gehörten zum Programm, sind auf dem Album jedoch nicht enthalten.
Vor allem „Burn On The Flame“ hätte gut zu den härteren Teilen der Veröffentlichung gepasst. Bei einer Laufzeit von bereits 72 Minuten wäre auf einer einzelnen CD allerdings kaum noch Platz geblieben.
Sound und Produktion
Das Master ist kräftig und direkt. Gitarren, Bass und Schlagzeug stehen klar im Mittelpunkt, während das Publikum gelegentlich etwas stärker hörbar sein dürfte. Die einzelnen Stücke besitzen dennoch unterschiedliche Dynamik. Besonders „Circus“ und „Love Is Like Oxygen“ bekommen mehr Luft als die kompakter gemischten Hardrock-Songs.
Insgesamt bewahrt die Aufnahme ihren Livecharakter. Sie klingt nicht wie eine sterile Studioproduktion mit nachträglich ergänztem Applaus, sondern nach einer Band, die tatsächlich gemeinsam auf einer Bühne steht.
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(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von Flying Dolphin Entertainment UG)
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