Joanne Shaw Taylor – „The Trouble With Love“ im Review
Liebe ohne Schonwaschgang: Joanne Shaw Taylor schreibt über Abhängigkeit, Betrug, Selbstannahme und eine Freundschaft, die Jahre und Entfernungen überdauert. Musikalisch reicht ihr elftes Studioalbum vom kantigen Bluesrock bis zum orchestrierten Soul.

Tracklist:
1. The Trouble With Love feat. Joe Bonamassa
2. Hell Or High Water
3. This Is Who I Am
4. Tired Of Being Right
5. Bad Boy
6. What Good Is My Love? feat. Orianthi
7. The Girl That You Loved Before
8. Never Gonna Please ‘Em All
9. You And Me (Rachel’s Song)
10. Death Wish
Veröffentlichungsdatum: 23. Oktober 2026
Label: Journeyman Records
Genre: Bluesrock / Soul / Americana / Pop-Rock
Laufzeit: 41:10 Minuten
Produktion: Kevin Shirley
oder bei JPC:
Fazit der Redaktion:
„The Trouble With Love“ lebt von kompakten Songs, einer markanten Stimme und Gitarrenparts, die aus den jeweiligen Texten heraus entstehen. Joanne Shaw Taylor nutzt Bluesrock als Grundlage und lässt Soul, Country, Gospel und Pop einfließen, ohne den Zusammenhang zu verlieren.
„Hell Or High Water“, „This Is Who I Am“, „Tired Of Being Right“ und „You And Me (Rachel’s Song)“ tragen das Album. Sie verbinden nachvollziehbare Situationen mit Arrangements, die ihnen genügend Raum geben. „Bad Boy“ und „Never Gonna Please ’Em All“ bleiben sprachlich einfacher, bringen dafür Tempo und Direktheit.
Der dichte Mix nimmt einzelnen Songs etwas von ihrer körperlichen Blueswirkung.
Die Stärke des Materials bleibt erhalten. „The Trouble With Love“ zeigt eine Sängerin und Gitarristin, die ihren Ausdruck längst nicht mehr allein über ausgedehnte Soli
definieren muss.
„Mit ‚The Trouble With Love‘ überzeugt Joanne Shaw Taylor durch ausdrucksstarken Gesang, gefühlvolle Gitarrenarbeit und eine mitreißende Mischung aus Bluesrock, Soul und Country – persönlich, vielseitig und voller musikalischer Klasse.“
Was bekommen wir auf die Ohren?
Die interessanteste Entscheidung auf „The Trouble With Love“ trifft Joanne Shaw Taylor
bei einem der stärksten Songs.
„This Is Who I Am“ beginnt mit Klavier, Streichern und ihrer tiefen, leicht angerauten Stimme. Die Gitarre hält sich zunächst zurück und übernimmt erst später
den aufgestauten Druck.
Der von Celeste gesungene Titel aus der Serie „The Day of the Jackal“ ist die einzige Fremdkomposition des Albums. Taylor macht daraus eine persönliche Erzählung über Selbstannahme und den Wunsch, ohne Verstellung erkannt zu werden. Sie behandelt den Song so selbstverständlich, als wäre er für ihre Stimme geschrieben worden.
Liebe als Abhängigkeit und offene Rechnung
Auch die übrigen Stücke zeigen Liebe selten als unbeschwerten Zustand. Im Titelsong wird sie zu einer Gewohnheit, von der die Erzählerin trotz schlechter Erfahrungen nicht loskommt. Ein abgehacktes Gitarrenmotiv treibt die Nummer an. Joe Bonamassa spielt das erste Solo, Taylor antwortet mit rauerem Ton und weniger Glätte.
„Tired Of Being Right“ beschreibt den Moment, in dem sich der Verdacht auf eine Affäre bestätigt. Das Rechtbehalten bringt keine Genugtuung. Taylor singt müde und endgültig, begleitet von Soul, Country und einer Spur Rolling-Stones-Lässigkeit. Die Gitarre kommentiert den Text mit wenigen, gut gesetzten Sätzen.
In „What Good Is My Love?“ fragt die Erzählerin, welchen Wert ihre Zuneigung besitzt, wenn sie für den anderen nie ausreicht. Die federnde Pop-Rock-Begleitung steht in einem wirkungsvollen Kontrast zum ernüchternden Text. Orianthi und Taylor tauschen kurze Gitarrenlinien aus, ohne daraus einen Wettbewerb zu machen.
Zwischen Gospel und Country
„Hell Or High Water“ beginnt mit Banjo und Gospelchor. Taylors Stimme klingt zunächst erschöpft, bevor Schlagzeug und Slide-Gitarre einsetzen. Der Refrain lebt von seiner beschwörenden Wiederholung und passt zu einem Text über Zweifel, innere Stimmen und die Angst vor einem erneuten Absturz.
„The Girl That You Loved Before“ verbindet Trennungsschmerz mit einer Identitätsfrage: Was bleibt von einem Menschen, wenn er nur noch als frühere Geliebte wahrgenommen wird? Country-Färbung, warme Gitarren und offene Fragen geben dem Song eine nachdenkliche Ruhe.
Geradliniger fällt „Bad Boy“ aus. Die gefährliche Beziehung, der schmutzige Gitarrenriff und der breit angelegte Refrain greifen vertraute Bilder auf. Taylors Vortrag hält den Song zusammen, auch wenn der Text weniger genau beobachtet ist als bei den stärkeren Stücken.
„Never Gonna Please ’Em All“ richtet sich gegen die Erwartung, freundlich zu lächeln, vorsichtig zu sprechen und in ein vorgegebenes Bild zu passen. Das klassische Bluesriff und die Hammondorgel sorgen für Tempo. Inhaltlich bleibt der Song näher an einer Losung, erfüllt seinen Zweck aber in gut drei Minuten.
Freundschaft statt Beziehungsdrama
„You And Me (Rachel’s Song)“ erweitert das Thema des Albums. Taylor widmet das Stück ihrer langjährigen Freundin Rachel und erinnert an scheinbar kleine gemeinsame Augenblicke, die erst im Rückblick ihre Größe zeigen.
Klavier und schwebende Gitarren schaffen einen warmen Hintergrund. Taylor verzichtet auf eine große dramatische Steigerung, auch das Solo bleibt eng an der Gesangsmelodie. Nach mehreren schwierigen Beziehungsgeschichten wirkt diese Freundschaft wie ein ruhiger Gegenpol.
Das abschließende „Death Wish“ führt zurück in dunkleres Gelände. Die Erzählerin warnt ihr Gegenüber vor ihrer eigenen komplizierten Art. Hinter der selbstbewussten Fassade liegen Abwehr und Unsicherheit. Das längere Gitarrensolo führt diesen Gedanken fort und beendet das Album ohne künstliche Versöhnung.
Stimme und Gitarre auf Augenhöhe
Kevin Shirley gibt dem Album einen kräftigen, modernen Klang. Taylors Stimme steht deutlich vor der Band, während die Gitarren ihren Platz behalten. „Hell Or High Water“ und „This Is Who I Am“ dürfen sich langsam entwickeln und besitzen hörbare Lautstärkeunterschiede.
Einige kürzere Pop-Rock-Songs sind stärker verdichtet. Ihre Refrains wirken unmittelbar, Schlagzeug und Gitarren verlieren dabei etwas von ihrer natürlichen Bewegung. Besonders „What Good Is My Love?“ hätte von mehr Raum profitiert.
Taylor setzt ihre Soli gezielt ein. Sie unterbrechen die Songs nicht, sondern führen deren Gedanken weiter. Auch die Gastbeiträge von Bonamassa und Orianthi bleiben in die Arrangements eingebunden.
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