Konzertbericht: dArtagnan eröffneten in Dresden ihre Jubiläumstour
Zehn Jahre dArtagnan, sieben Alben und ein Abend zwischen vertrauten Hymnen, neuen Coverversionen und Erinnerungen an die ersten gemeinsamen Jahre. Doppelbock und Storm Seeker brachten den Alten Schlachthof zuvor mit Folk-Punk und Piraten-Metal auf Betriebstemperatur.

Dresden, 30. Oktober 2026 - Zehn Jahre waren vergangen, seit dArtagnan mit
„Seit an Seit“ ihr Debüt veröffentlicht hatten.
Auf ihrem kurz zuvor erschienenen siebten Album „Helden X Hymnen“ widmen sich dArtagnan ihren eigenen musikalischen Helden und interpretierten große Hymnen im ganz eigenen dArtagnan-Gewand.
Doppelbock eröffneten den Abend ohne Umwege
Pünktlich um 18:30 Uhr übernahmen Doppelbock die Bühne. Die Hessen verbanden Folk-Punk und Rock mit Texten, deren Humor selten einen Umweg nahm.

Bereits „33 vor der Tür“ und „Lecka Bierchen“ ließen erkennen, dass dieser Auftritt weder feierlich noch besonders zurückhaltend werden sollte.

Hinter den Musikern wankte eine riesige Luftfigur im Takt. Viel Platz blieb Doppelbock daneben nicht, denn das umfangreiche Equipment des Hauptacts belegte bereits einen großen Teil der Bühne. Die Band passte ihren Bewegungsradius den Verhältnissen an, ohne deshalb ruhiger zu spielen.

„Die Ballade vom Frankfurter Berg“ und „Dackel“ hielten das Tempo hoch. Schon nach wenigen Songs gingen die vorderen Reihen mit, während der Lufttänzer hinter der Band weiterhin alles gab, was sein Gebläse hergab.

Zwischendurch kündigte die Band für den 13. November ein neues Werk an.
Über frühere Veröffentlichungen musste nach eigener Einschätzung offenbar nicht lange diskutiert werden. Der angekündigte Titel „Das gute Album“ nahm die Bewertung bereits vorweg.

Mit „Die Nacht findet kein Ende“ näherte sich das Set seinem Abschluss.
„GGG – Getränkemarkt“ brachte anschließend einen Refrain mit,
für den niemand ein Textblatt benötigte.

Nach rund 30 Minuten verabschiedeten sich Doppelbock von einem Publikum, das nun wusste, wo der Getränkemarkt lag und weshalb ein Dackel problemlos in ein
Folk-Punk-Programm passte.
Storm Seeker verwandelten Dresden in ein Trockendock
Um 19:15 Uhr wurde es maritim.
Zwei gekreuzte Paddel und ein Fischernetz auf der Bühne gaben die Richtung vor, noch bevor Storm Seeker den ersten Ton gespielt hatten.

Mit „Set the Sails“ begann die Reise. „Governor of Coco Island“, „Old Maui“ und
„The Longing“ folgten. Der Fünfer verband Folk Metal mit Shantys und ausreichend Piratenromantik, um den Alten Schlachthof für 45 Minuten ein gutes Stück von Dresden wegzurücken.

Die Band prüfte früh, wie laut der Saal werden konnte. Anfangs blieb noch etwas Luft nach oben. Storm Seeker nahmen das Ergebnis zur Kenntnis und arbeiteten weiter daran.

Bei „Row Row Row“ wurde aus dem Konzert schließlich eine Trockenübung für angehende Seeleute. Das Publikum sollte sich auf den Boden setzen und gemeinsam rudern. Lediglich wirklich überzeugende Ausreden befreiten vom Dienst an den imaginären Riemen.

Erstaunlich viele Menschen folgten der Aufforderung.
Wenig später bewegte sich ein großer Teil des Saals gemeinsam vor und zurück. Ob dieses Manöver auf offener See funktioniert hätte, blieb ungeklärt.
Im Alten Schlachthof sah es immerhin eindrucksvoll aus.
Ughar hielt die Mannschaft bei Kräften
Auch auf der Bühne musste niemand auf dem Trockenen sitzen. Ughar kümmerte sich um die Keyboards und übernahm nebenbei die Getränkeversorgung der Besatzung.

Dieser zusätzlichen Verantwortung widmete er sich mit sichtbarer Sorgfalt.
Eine Piratenreise ließ sich schließlich nur schwer glaubwürdig verkaufen, wenn die Mannschaft bereits nach wenigen Liedern ohne Proviant dastand.

Mit mehreren Mitmachspielen traten die verschiedenen Seiten des Saals gegeneinander an. Die anfängliche Zurückhaltung verschwand dabei vollständig.

Storm Seeker nahmen das Dresdner Publikum anschließend feierlich in ihre Familie auf. Die Einladung brachte allerdings auch eine Verpflichtung mit sich:
Beim nächsten Familientreffen auf der eigenen Headlinertour sollte man sich wiedersehen.

„How to Be a Pirate“ und „Miles & Miles“ sorgten für weitere Bewegung.
Als Zugaben folgten das Proclaimers-Cover „I’m Gonna Be (500 Miles)“
und „Homeward Bound“.

Nach rund 45 Minuten verließen Storm Seeker die Bühne. Ughar klemmte sich das kleine Fässchen unter den Arm und nahm es vorsichtshalber mit. Wertvolles Arbeitsmaterial ließ man schließlich nicht unbeaufsichtigt zurück.
dArtagnan in Dresden: Zehn Jahre in einem Konzert
Gegen 20:30 Uhr war die Bühne für dArtagnan bereit. Schwarze Erhöhungen mit goldenen Kordeln verliehen ihr eine schlichte, dem Musketier-Thema angepasste Optik. Die Dekoration ließ den Musikern ausreichend Raum und gab der Show dennoch einen eigenen Rahmen.

Mit „Helden X Hymnen“ begann der Abend passend zur Jubiläumstour und zum aktuellen Album. Der am 24. Juli 2026 veröffentlichte Longplayer versammelte neu arrangierte Coverversionen aus verschiedenen Jahrzehnten.

„Crazy Train“ wurde darauf zum Folk-Jig, während Stücke wie „Wake Me Up“, „Holding Out for a Hero“ und „My Heart Will Go On“ in den Musketier-Rock
der Band übertragen wurden.

Nach dem Titelsong folgte „Flucht nach vorn“.
Ben Metzner beschrieb die Atmosphäre im Saal als einen eigenen kleinen Kosmos. Alltag und Wirklichkeit sollten für einige Stunden draußen bleiben. „Feste feiern“ lieferte unmittelbar danach den passenden Soundtrack für diesen Gedanken.

Gustavo spielte seine Geige dabei nicht einfach an der Bühnenkante. In einer akrobatischen Pyramide fand er sich plötzlich über den Köpfen seiner Mitmusiker wieder und spielte dort weiter, als gehöre diese Position zu seinem üblichen Arbeitsplatz.

Weil Dresden die erste Show der Tour war, stellte Ben das Publikum auf die Probe.
Er fragte die bisher erschienenen dArtagnan-Alben ab. Die Antworten kamen schnell und weitgehend geschlossen. Dresden bestand den kleinen Wissenstest, anschließend folgte dann „Feuer & Flamme“.
Luzi L. verstärkte die Musketiere
Für die Jubiläumstour hatten dArtagnan zusätzliche Unterstützung mitgebracht.

Ben begrüßte Luzi L. als siebtes Musketier. Mit seiner Sackpfeife erweiterte er den ohnehin dichten Folk-Rock-Sound und verschaffte Ben zwischendurch etwas Luft zwischen Gesang und Instrumenten.

Mit „Wake Me Up“ stand eine der Coverversionen des aktuellen Albums auf dem Programm. Der Avicii-Song bekam bei dArtagnan Geige, Sackpfeife und kräftigere Gitarren. Live half der bekannte Refrain dabei, dass große Teile des Publikums sofort einsteigen konnten.

Für „Klingen kreuzen“ übergab Ben das Mikrofon an Tim Bernard.
Während sich die Aufmerksamkeit auf die Hauptbühne richtete, verschwand der Frontmann fast unbemerkt aus dem Blickfeld.
Auf der B-Stage rückten die frühen Lieder näher
Ben tauchte wenig später auf einer kleinen B-Stage am FOH-Pult wieder auf.
Dort setzte er sich ans Keyboard und blickte auf die Anfänge von dArtagnan zurück.

Mit „Seit an Seit“ erklang der Song, mit dem die Geschichte der Band für viele Fans begonnen hatte. Aus der Mitte des Saals wirkte das Stück persönlicher als auf der großen Bühne. Zwischen Ben und den Menschen um ihn herum lag kaum Abstand. Der Song brauchte an diesem Punkt keine aufwendige Inszenierung.
Auch „Komm mit“ stimmte Ben dort an. Das Publikum übernahm bereitwillig große Teile des Gesangs. „Für immer Dein“ beendete diesen ruhigeren Rückblick.

Für einige Minuten traten die großen Gesten und die ausgelassene Feier in den Hintergrund. Im Mittelpunkt standen die Lieder, die dArtagnan und ihr Publikum durch die ersten Jahre begleitet hatten. Gerade deshalb gehörte die B-Stage zu den stärksten Momenten des Abends.

Zurück auf der Hauptbühne schlug „Herzblut“ den Bogen zur jüngeren Bandgeschichte.
Helden, Gäste und Konfettischlangen
Mit „Holding Out for a Hero“ widmeten sich dArtagnan anschließend Bonnie Tylers Rockklassiker. Das bekannte Pathos des Originals passte erstaunlich gut zu Geigen, Sackpfeifen und Musketiergestus. Die Version lebte vor allem davon, dass der Refrain längst im kollektiven Gedächtnis angekommen war.

Für „Farewell“ kehrte Storm Seeker noch einmal zurück. Fabi unterstützte Ben beim Duett und brachte damit Support und Hauptact unmittelbar zusammen.

Danach wandte sich die Band wieder einem Thema zu, das im Musketier-Rock traditionell reichlich Platz bekam. Bei „Trink mein Freund“ und „Was wollen wir trinken?“ war körperlicher Einsatz gefragt. Das Publikum ging gemeinsam in die Knie und sprang auf Kommando wieder auf.

Über den Köpfen entfaltete sich ein Regen aus bunten Konfettischlangen. Wer bis dahin gehofft hatte, den Abend bequem am Rand verfolgen zu können, wurde spätestens jetzt in die gemeinsame Feier hineingezogen.
Ben Metzner im Zentrum des Circle Pits
Ben verließ erneut die Hauptbühne und begab sich mitten ins Publikum. Auf einer Kiste stehend, ließ er einen Circle Pit direkt um sich herum entstehen. Die Menschen kreisten nur wenige Schritte von ihm entfernt, während er weitersang.

Auf dem Rückweg zur Bühne übernahm Gustavo. Mit einem Geigen-Loop hielt er die Musik in Bewegung und bekam dafür lautstarken Applaus. Dieser kurze Solomoment wirkte weniger wie eine geplante Überleitung als wie ein lebendiges Zusammenspiel zwischen Bühne und Saal.

In Freibeutermänteln und mit Dreispitz ging es anschließend mit „Wallenstein“ weiter. „Coeur de la mer“ und „Westwind“ eröffneten den maritimen Teil des Sets.

Beim gemeinsamen Rudern zeigte sich, dass Storm Seeker gute Vorarbeit geleistet hatten. Die Bewegungen saßen inzwischen deutlich sicherer. Ein kräftiges „Huagh!“ rollte durch den Alten Schlachthof, während sich der Saal erneut im gemeinsamen Takt bewegte.

Schließlich wanderte die große Tourfahne über die Köpfe des Publikums. Das Ritual gehörte auch beim Jubiläumsauftakt zu jenen Bildern, die den Abend sichtbar zusammenfassten: viele Hände, wenig Abstand und eine Band, die ihre Feier nicht allein auf der Bühne stattfinden ließ.
Mit „Mosqueteros“ endete der reguläre Teil. Zu diesem Zeitpunkt rechnete ohnehin niemand mehr ernsthaft mit einem ruhigen Ausklang.
Freiheit, Hymnen und der letzte Tanz
Für „Ruf der Freiheit“ kehrten dArtagnan zurück. Vor der Bühne öffnete sich erneut ein Circle Pit. Nach mehr als zwei Stunden mit drei Bands war die Energie im Saal noch immer erstaunlich hoch.

Ein Medley führte durch weitere Stücke aus „Helden X Hymnen“ und rückte das aktuelle Album noch einmal in den Mittelpunkt. Mit „C’est la vie“ näherte sich der Dresdner Tourauftakt schließlich seinem Ende.

Die Band hatte das Publikum zuvor durch mehrere Phasen ihrer Geschichte geführt. Frühe Stücke, aktuelle Songs und neu arrangierte Coverversionen standen nebeneinander, ohne dass der Abend zu einer pflichtbewussten Rückschau geriet. Erinnerungen spielten eine wichtige Rolle, doch die Show lebte im Augenblick.

Fazit: Eine Jubiläumsfeier mit Nähe zum Publikum
Doppelbock, Storm Seeker und dArtagnan sorgten im Alten Schlachthof für einen langen Konzertabend, der trotz dreier Bands kaum Leerlauf entwickelte.
Doppelbock nutzten ihre kurze Spielzeit für hessischen Folk-Punk, Bierlieder und einen Lufttänzer mit beachtlicher Ausdauer.

Storm Seeker brachten den Saal zum Rudern, Hüpfen und Mitsingen. Ughar bewies nebenbei, dass eine verlässliche Getränkeversorgung durchaus zu den tragenden Aufgaben einer Piratenbesatzung gehörte.

dArtagnan verbanden ihre Jubiläumsfeier anschließend mit einer Reise durch zehn Jahre Bandgeschichte. Die B-Stage brachte Ben Metzner nah an das Publikum und gab den frühen Liedern den passenden Raum. Auf der Hauptbühne bestimmten Geige, Sackpfeife, Circle Pits und große Refrains das Bild.

Der Tourauftakt wirkte lebendig und stellenweise angenehm spontan. Es wurde gelacht, gemeinsam gesungen und immer wieder die räumliche Grenze zwischen Bühne und Publikum aufgelöst. dArtagnan schauten auf ihre Anfänge zurück, ohne den Abend in Nostalgie erstarren zu lassen.
Dresden verließ den Alten Schlachthof schließlich mit müden Beinen, Konfetti in den Haaren und vermutlich mehreren Refrains, die sich auf dem Heimweg hartnäckig im Kopf hielten.
©Text: Saskia Giedow-Luboch
©Fotos: Stephan Sieger
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