Elli Berlin & Brunhilde - Die „Bang Bang Tour“ eroberte das Hellraiser Leipzig
- Redaktion

- vor 4 Tagen
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Aktualisiert: vor 3 Tagen
Zwei starke Frontfrauen, zwei musikalische Extreme – und ein Abend, der kompromisslos zwischen brachialer Power und intensiver Emotionalität pendelte.

Es war als Kollision angekündigt
– als „kontrollierter Zusammenstoß zweier musikalischer Welten“.
Und genau so fühlte sich der 30. April 2026 im Leipziger Hellraiser auch an.
Auf der einen Seite Brunhilde mit dreckigem Punk-Metal-Punch, auf der anderen
Elli Berlin mit emotional aufgeladenem Industrial- und Metal-Sound.
Die Ruhe vor dem Sturm
Bereits lange vor der offiziellen Toröffnung herrschte auf dem Vorplatz jene besondere Atmosphäre, die man nur bei Acts findet, die eine tiefgreifende Verbindung zu ihrem Publikum pflegen. Es ist die Zeit für Gespräche, für das Wiedersehen alter Bekannter und das Kennenlernen neuer Gesichter.

Auch bei Elli Berlin & Brunhilde versammelten sich früh die ersten treuen Anhänger –
einige davon weitgereist, andere mit einer Hingabe, die bis zum kunstvoll umgestalteten Auto reichte, das vor der Halle als echter Hingucker fungierte.
Für uns sind diese Momente vor der Show unverzichtbar.
Im Gespräch mit Fans, denen die Musik spürbar unter die Haut geht, erfuhren wir wieder einmal spannende Geschichten darüber, wie der Einzelne seinen ganz persönlichen Zugang zu dieser Mucke gefunden hat.
Diese Treue, die oft über viele Jahre gewachsen ist, macht ein solches Event
erst zu einem runden Ganzen.
Brunhilde: Dreckiger Punk-Rock-Spirit und Fan-Nähe im Hellraiser

Den Auftakt des Abends machten Brunhilde, die vierköpfige Formation aus dem mittelfränkischen Fürth. Seit 2013 wirbelt die Band die Punk- und Metalszene ordentlich auf und hat sich längst einen Namen als hochenergetischer Live-Act gemacht. Mit im Gepäck hatten sie die unter anderem Kracher ihres mittlerweile fünften Studioalbums
„In Love Yours Hate“, das im Juli 2025 veröffentlicht wurde.
Der Einstieg: Volle Kraft voraus

Ohne langes Fackeln stürmte die Band die Bühne und eröffnete ihr Set mit „Are You Blind“, direkt gefolgt vom peitschenden „Girl With 1000 Scars“. Erst nach diesem ersten Doppelschlag nahm sich Frontfrau Caro die Zeit für eine kurze, aber herzliche Begrüßung des Leipziger Publikums, bevor es mit „Go with the Flow“ nahtlos weiterging.

Energieaustausch und klare Kante
Beim Titeltrack des aktuellen Albums, „In Love Yours Hate“, zeigte sich die besondere Verbindung zwischen Bühne und Graben: Das Publikum saugte die Energie der Band förmlich auf und feuerte sie mit kraftvollen „AhhHu“-Rufen postwendend zurück.

Dass Brunhilde auch eine Band mit klarer Haltung ist, bewiesen sie mit „Eye for an Eye and Tit for Tat“. Ein Song voller Wut und Widerstand – oder, wie es die Band kurz und knapp formulierte: der ultimative „Mittelfingersong“.
Grenzüberschreitungen: Bühne trifft Tanzfläche
Ein echtes Highlight des Sets war „Running Away“, das in zwei völlig unterschiedliche Phasen zerfiel. Während der erste Teil noch klassisch und sauber von der Bühne aus performt wurde, brachen im zweiten Teil alle Dämme.
Frontfrau Caro und Bassistin Marisa mischten sich direkt unter die Fans, schafften sich im Zentrum Platz und ließen die gesamte Menge in die Hocke gehen.

Auf Kommando sprangen alle gleichzeitig auf.
ein kollektiver Befreiungsschlag, der die Wildheit des Abends perfekt entfachte

Nach dem treibenden „Snafu“ suchte auch Gitarrist Kurt Bauereiss den direkten Kontakt. Bei „Hell or High Water“ verließ er kurzzeitig sein Podest,
um sein Solo inmitten der Menge zu spielen.
Über „Gossip Girl“ und „Souls unchained“ steuerte das Set
unaufhaltsam auf das Finale zu.
Ein Blick in die Zukunft und ein Klassiker zum Schluss
Das Leipziger Publikum bewies, dass es nicht nur die alten Hits feiert, sondern hungrig auf neues Material ist. Zur Freude der Fans gab es mit der Single „Rising from the Ashes“ bereits einen brandneuen Ausblick auf das kommende Schaffen der Band live zu hören.

Den krönenden Abschluss bildete der traditionelle Cover-Song
„The House of the Rising Sun“.
In der Brunhilde-Interpretation mutierte der Klassiker zum ultimativen Mitmach- und Mitsing-Moment. Das Publikum zeigte sich dabei absolut textsicher :
Caro erkannte ihre „Pappenheimer“ in der ersten Reihe sofort wieder
– treue Seelen, die nicht nur ein Konzert der Tour besuchten und genügend Zeit hatten,
an der Textsicherheit zu feilen.
Zum Finale wurde sogar noch eine Wall of Death initiiert, die Energiereserven freisetzte.

Nach ordentlichen 50 Minuten Spielzeit verabschiedeten sich Brunhilde unter großem Applaus. Auch wenn es im Rahmen des straffen Doppel-Headline-Zeitplans keine Zugabe gab, blieb das Gefühl zurück, gerade eine Band auf ihrem Zenit erlebt zu haben.
Elli Berlin: Düstere Ästhetik und emotionale Urgewalt
Um 21:30 Uhr übernahm Elli Berlin das Zepter im Hellraiser.

Die Frontfrau von Null Positiv beschreitet seit 2021 konsequent ihren eigenen Weg und präsentiert seit 2024 ihr Solomaterial auch live. Als eine der markantesten Stimmen der modernen deutschen Metal-Szene hat sie einen unverkennbaren Stil kreiert:
Eine fesselnde Mischung aus düsterem Metal, melancholischen Klanglandschaften und Texten, die manchmal auch tief unter die Haut gehen.
Ein kraftvoller Auftakt und persönliche Einblicke
Mit dem Doppelpack „Hall of Fame“ und „Mutterherz“ setzte Elli direkt zu Beginn ein Ausrufezeichen. Bei „Lieder unserer Zeit“ forderte sie das Publikum zum Mitwirken auf, was in lautstarken „Ahhu“-Rufen mündete.

Besonders emotional wurde es bei „Fuck You Hollywood“. Mit diesem Song gedachten
Elli und ihre Band jenen Künstlern, die nicht mehr unter uns sind. In einer persönlichen Moderation gab sie Einblicke in ihre Motivation und die gedanklichen Verknüpfungen,
die sie mit diesem Titel verbindet.

„Jekyll und Hyde“, erst vor Kurzem als Hörprobe bei patreon.com erschienen,
entfaltete live eine unmittelbare Wucht und ließ bereits klar erkennen,
wohin die Reise noch geht – ein intensiver, greifbarer Vorgeschmack...

Interaktion und kleine Bühnenpannen
Bei „Sandmann“ wurde das Publikum in zwei Gruppen geteilt, um im Lautstärke-Duell den Songnamen in die Halle zu brüllen.
Diese Aufteilung behielt die Band auch konsequent bei „Heiss Kalt“ bei.

Ein organisatorisches Intermezzo gab es beim Drumsolo von Flo:
Während er die Felle bearbeitete, versuchten sich die restlichen Musiker von der Bühne zurückzuziehen. Dass ein Traversenfuß allerdings nicht automatisch unsichtbar macht, sorgte für ein sympathisches Schmunzeln bei einigen im Publikum.

Von Dominanz zu Spiritualität
Mit funkelnder Peitsche, Ledermantel und Hut kehrte Elli für „Lieb mich“ auf die Bühne zurück – eine optisch wie akustisch dominante Performance.

Nach einem kurzen Gitarrensolo von Martin Kotte folgte der Übergang zu „Oh Lord“. Die Atmosphäre wurde fast spirituell; wie eine Priesterin sprach Elli zu ihren Fans
und forderte sie auf, bereit zu sein, alles loszulassen.

Mit der Rockballade „Zu Wahr Um Schön Zu Sein“ bewies sie anschließend ihre stimmliche Varianz und sorgte für echte Gänsehautmomente.
Der Gipfel der Tour: „Bang Bang“
Der „Schmusekurs“ hielt jedoch nicht lange an: Mit „Führe mich“ zog das Tempo wieder massiv an. Ein weiteres Highlight war der Toursong „Bang Bang“, für den
Caro von Brunhilde erneut die Bühne betrat.

Die beiden Powerfrauen rockten gemeinsam durch harte Riffs und lieferten eine polarisierende Show ab, die die Stärke beider Stimmen perfekt vereinte.

Die Sprache der Musik
In einer Zeit, in der Worte oft verdreht werden, sieht Elli die Musik als ihr wichtigstes Ventil.
Vor „Krankes Paradies“ erklärte sie:
„Manchmal findet man nicht die richtigen Worte, aber über die Musik kann ich sprechen und Dinge sagen, die ich mich sonst nicht traue.“
Bei „Bitte Danke“ stand wieder die Interaktion im Vordergrund.

Ein weitere Überraschung war, als plötzlich Robin von Tanzwut auf der Bühne stand
und sich mit Martin ein kleines Gitarren - Battle lieferte.
(Für die Nicht Insider: Robin ist bei Elli der Chef im FOH...)

Finale und Aufruf zur Selbstachtung
Gegen Ende mobilisierte das Publikum bei „Aus der Asche“ mit „HeyHey“-Rufen ihre energetische Reserven. Zu „Lebensretter“ verwandelte sich das Hellraiser in ein kleines Lichtermeer aus Smartphones oder wenigen Feuerzeugen.
Mit dem nachdenklichen „Wer bist du“ schloss sich ein Appell an die Selbstachtung
und die Treue zu sich selbst an.
Die Zugaben: Ein Hoch auf die Freundschaft
Natürlich entließ Leipzig die Band nicht ohne Zugabe. Zuerst wurde „Sonne“ eingezählt. Da ein persönliches Treffen nach der Show nicht für jeden möglich war, gab es mit „Auf Uns - Prost Freunde“ ein allgemeines „Hoch die Tassen“ auf die Freundschaft.

Nachdem „Gefallene Engel“ die Menge noch einmal richtig packte, wollte dann auch keiner so richtig in Ellis „Einer geht noch“-Sprechgesang einstimmen, denn eigentlich wollte niemand, dass dieser Abend endet.
Den krönenden Abschluss bildete stattdessen „Tief in der Dunkelheit“, ein Song,
der das zentrale Thema des Abends perfekt auf den Punkt brachte: Zusammenhalt.

Mit dem eindringlichen Appell, wieder näher zusammenzurücken und einander zuzuhören, statt vorschnell zu verurteilen, schufen die Musiker einen ruhigen, aber tief beeindruckenden Ausklang. Dabei unterstrich Elli Berlin noch einmal ihre beeindruckende stimmliche Vielseitigkeit, die von brachialen Parts bis hin zu feinen, emotionalen Nuancen reicht.

Bevor das Licht wieder anging, war es Elli ein besonderes Anliegen, danke zu sagen: Neben den Bandkollegen und dem Team hinter den Kulissen wurde auch die Backgroundsängerin unter großem Applaus nach vorne ins Rampenlicht geholt.

Und so endete der intensive Konzertabend, der noch lange nachwirken
und uns sicherlich beschäftigen wird.

Bis bald, Elli... lass Dich nicht unterkriegen, wir stehen zu Dir!
©Text: Saskia Giedow-Luboch
©Fotos: Stephan Sieger
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei
International Touring and Management GmbH & Co KG & Flying Dolphin Entertainment UG
für die Akkreditierung und Organisation...









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