Anthrax live in Dresden: Im Glutofen des Thrash Metal
- Redaktion

- 13. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Fateful Finality und Anthrax bringen die Reithalle Dresden am 09. Juni 2026 zum Kochen

Zwei Deutschlandshows, eine davon in Dresden
Wenn Anthrax in einer vergleichsweise kompakten Halle zum Tanz bitten, ist ein schweißtreibender Abend praktisch vorprogrammiert. Gemeinsam mit Fateful Finality verwandelten die New Yorker Thrash-Veteranen die Reithalle in einen Glutofen, in dem neue Songs, alte Klassiker und jede Menge Spielfreude aufeinandertrafen.
Schon beim Einlass um 19 Uhr ist zu spüren, wie groß die Vorfreude ist.
Die Halle füllt sich schnell, Kutten und Bandshirts bestimmen das Bild. Viel Platz bleibt am Ende weder im Saal noch später zum Durchatmen.
Fateful Finality: Heute fällt die Bandprobe etwas größer aus
Pünktlich um 20 Uhr gehört die Bühne Fateful Finality. Die Stuttgarter brauchen keine lange Anlaufzeit. Mit „Fire and Brimstone“ legt das Quartett einen druckvollen Start hin und macht sofort klar, dass es hier nicht bloß die Wartezeit bis zum Headliner verwalten will.

Die seit 2007 aktive Band lebt von einer besonderen Chemie.
Simon Schwarzer, Patrick Prochiner und Philipp Mürder kennen sich seit Kindergartentagen;
gemeinsam mit Schlagzeuger Mischa Wittek wirkt das Zusammenspiel entsprechend eingespielt.

Vor allem der Kontrast im Gesang gibt den Songs Kontur:
Schwarzers raue, aggressive Vocals treffen auf Prochiners klare melodische Linien.
Das klingt nicht nach aufgesetztem Gegensatz, sondern nach einem Stilmittel, das die Stücke griffig und eigenständig macht.

Auch zwischen den Songs stimmt die Verbindung zum Publikum. Eigentlich, erzählt die Band augenzwinkernd, hätte an diesem Dienstag ihre reguläre Probe angestanden. Diese kurzerhand in eine ausverkaufte Reithalle zu verlegen und als Support für ein Mitglied der „Big Four“ aufzutreten, sei eine besondere Ehre. Die Ansage kommt ehrlich und sehr sympathisch herüber. Wer Fateful Finality vorher noch nicht kannte, wird kurzerhand in die stetig wachsende Bandfamilie aufgenommen.

Neues Material mit Nackenschlag
Im Mittelpunkt des rund 40-minütigen Sets steht das neue Album
„Desolation“ (VÖ: 08.Mai 2026).

Mit „Hostile Invader“, „All of Us Lost“, „Watch Them Suffer“ und „Downside“ feuern
Fateful Finality gleich mehrere neue Stücke in die Halle. Besonders bei „Downside“ geht der Plan auf: In den vorderen Reihen sind die ersten Headbanger längst im Dauerbetrieb, und die Band bekommt genau die körperliche Reaktion, auf die Thrash Metal zielt.

Mit „Hate, Kill and Death“ folgt noch ein Ausflug zum Vorgängeralbum. Danach ist die Aufgabe eines Supports mustergültig erfüllt: Die Halle ist warm, das Publikum laut und die Spannung auf den Headliner noch einmal gestiegen.

Fateful Finality verlassen die Bühne nicht als bloße Vorgruppe, sondern als Band, die an diesem Abend neue Hörer gewonnen haben dürfte.
Anthrax: Erst Verwirrung, dann Vollgas
Kurz nach 21 Uhr wird es zunächst eigentümlich.
Aus den Boxen erklingt erst Iron Maidens „The Number of the Beast“, danach
„I Can’t Turn You Loose“ von Otis Redding.
Heavy Metal und Soul direkt hintereinander: ein bewusst schräges Doppel-Intro,
das die Ungeduld im Saal noch ein wenig weiter aufdrehte.
Als Anthrax schließlich die Bühne betreten, entlädt sich diese Spannung schlagartig.

Scott Ian ist mit Bart, breitbeinigem Stand und messerscharfer Rhythmusarbeit ohnehin nicht zu übersehen.

Neben ihm treiben Frank Bello am Bass und Charlie Benante am Schlagzeug die Songs mit enormer Wucht nach vorn. Jonathan Donais setzt die Soli präzise darüber, während Joey Belladonna zeigt, dass seine Stimme auch nach Jahrzehnten noch Kraft, Höhe und Wiedererkennungswert besitzt.

Die Besetzung wirkt nicht wie eine Band, die ihr Erbe routiniert verwaltet.
Sie spielt, als müsse sie sich den Platz auf dieser Bühne an diesem Abend erneut verdienen.

Klassiker, Hitze und ein Blick nach vorn
Binnen weniger Minuten wird die Reithalle zum Glutofen. Die Luft steht, der Schweiß läuft, und vor der Bühne gerät die Menge zuverlässig in Bewegung.

Gerade die Klassiker zeigen, warum Anthrax ihren festen Platz in der Thrash-Geschichte haben. „Among the Living“ eröffnet die Klassikerphase mit maximalem Druck,
„Keep It in the Family“ lässt die Halle unter seinen tonnenschweren Riffs beben, und bei
„I Am the Law“ wird in den ersten Reihen kollektiv geheadbangt.

Auch „Medusa“, „Indians“ und „I’m the Man“ markieren unterschiedliche Stationen einer Karriere, in der Anthrax Thrash, Hardcore-Energie und Crossover-Humor immer wieder miteinander verbunden haben. Das 1987 erschienene „Among the Living“ bleibt dabei ein zentrales Fundament. Fast vier Jahrzehnte später besitzen diese Songs live noch immer genügend Biss, um nicht wie Museumstücke zu wirken.

Der Abend bleibt allerdings nicht in der Vergangenheit stehen.
Nach zehn Jahren ohne neues Studioalbum erscheint am
18. September 2026 „Cursum Perficio“ (siehe Artikel).

Mit der aktuellen Single „It’s for the Kids“ geben Anthrax in Dresden einen Vorgeschmack darauf. Der Song fügt sich mit seinem aggressiven Riffing und dem großen Refrain erstaunlich selbstverständlich zwischen die Klassiker. Das Publikum nimmt ihn nicht als Pflichtblock für neues Material hin, sondern reagiert hörbar begeistert.

Ein Dienstagabend ohne angezogene Handbremse (Fazit)
Die Crowdsurfer gleiten über die Köpfe, die vorderen Reihen bleiben in Bewegung, und auf der Bühne ist keine Spur von Dienst nach Vorschrift zu erkennen.
Anthrax liefern genau jene Mischung aus Präzision, Wucht und ansteckender Spielfreude, die ein Clubkonzert dieser Größenordnung besonders macht.

Fateful Finality haben den Abend mit einem selbstbewussten, nahbaren Auftritt eröffnet; Anthrax führen ihn mit einem Set zu Ende, das Vergangenheit und Gegenwart sinnvoll verbindet. Am Ende bleiben verschwitzte Shirts, beanspruchte Nacken und das Gefühl, eine der prägenden Bands des Genres in einer selten unmittelbaren Umgebung erlebt zu haben.
Dresden hat an diesem Dienstag nicht nur zugesehen. Dresden war mittendrin.
©Text: Saskia Giedow-Luboch
©Fotos: Stephan Sieger
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Bernd Aust Kulturmanagement GmbH
für die Akkreditierung und die sehr gute Organisation...





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