GARY JOHN BARDEN – „Empowered Emotions“ Review: Erfahrung ohne Staubschicht
Der frühere MSG-Sänger muss auf „Empowered Emotions“ niemandem mehr etwas beweisen. Gemeinsam mit Michael Voss entsteht klassischer Hard Rock, der seine Vergangenheit kennt, aber nicht versucht, sie künstlich nachzustellen.

Tracklist:
1. Barden’s Overture – 0:24
2. Maasai Enkai – 4:15
3. Hit The Ground Running – 3:47
4. Empowered Emotions – 4:05
5. Burning Wind – 3:52
6. Dark Water – 4:59
7. Ride Horsemen Ride – 5:32
8. This Phoenix’s Gonna Burn Ya – 3:41
9. Let The Children Play – 1:30
10. The Ruling Class – 3:43
11. Walk Away – 3:56
12. We’ll Meet Again – 1:50
Veröffentlichungsdatum: 18. September 2026
Label: Frontiers Music Srl
Genre: Melodic Hard Rock / Classic Rock / AOR
Laufzeit: ca. 41:34 Min.
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Fazit der Redaktion:
„Empowered Emotions“ ist ein reifes Hard-Rock-Album – und „reif“ ist hier ausdrücklich nicht als höfliches Wort für alt gemeint.
Gary John Barden und Michael Voss versuchen weder die frühen MSG-Jahre wiederzubeleben noch den Sänger mit moderner Produktion künstlich zu verjüngen. Stattdessen bauen sie ein Album um die Stimme, die Barden heute hat.
Warm, rauchig, manchmal rau und gerade deshalb voller Charakter.
Mit „Maasai Enkai“, „Empowered Emotions“, „Dark Water“ und „Walk Away“ gibt es mehrere Songs, die weit über solide Genrekost hinausgehen. Besonders „Dark Water“ zeigt, wie gut dieses Album funktioniert, wenn Atmosphäre, Bardens Stimme und ein Gast wie Michael Schenker wirklich demselben Song dienen.
Nicht jede Nummer besitzt dieses Gewicht. „Burning Wind“ oder „The Ruling Class“ bleiben stärker im vertrauten Hard-Rock-Rahmen, und die beiden kurzen Stücke sind eher verbindende Momente als eigenständige Höhepunkte.
Das schmälert den Gesamteindruck kaum.
„Empowered Emotions“ lebt nicht von Nostalgie.
Es lebt von Erfahrung – und die hat hier erfreulich wenig Staub angesetzt.
"Gary John Barden versucht auf „Empowered Emotions“ nicht, seine Vergangenheit nachzustellen: Gemeinsam mit Michael Voss macht er aus Erfahrung, einer gereiften Stimme und starken Songs ein überraschend lebendiges Hard-Rock-Album."
Was bekommen wir auf die Ohren?
Gary John Barden muss 2026 niemandem mehr beweisen, dass seine Stimme Rockgeschichte geschrieben hat.
Interessanter ist ohnehin die Frage, was davon heute übrig ist.
Eine ganze Menge – nur eben anders.
Barden klingt auf „Empowered Emotions“ nicht wie der Sänger, der Anfang der Achtziger bei der Michael Schenker Group am Mikrofon stand. Warum sollte er auch? Die Stimme ist dunkler und rauchiger geworden, manche Kante bleibt bewusst stehen.
Gerade darin liegt der Reiz. Hier versucht niemand, mit Studiotechnik ein paar Jahrzehnte verschwinden zu lassen.
Michael Voss versteht das offenbar ziemlich genau. Die beiden arbeiten seit rund 25 Jahren miteinander, und diese Vertrautheit hört man. Voss baut die Songs um Bardens heutige Stimme herum, statt ihn in Arrangements zu zwängen, die nur mit der Vergangenheit funktionieren würden.
Auch die prominente Gästeliste wird erfreulich beiläufig behandelt.
Michael Schenker, Don Airey, Tommy Denander, Barry Sparks oder Brian Tichy tauchen nicht auf, damit ihre Namen möglichst groß auf dem Aufkleber stehen.
Sie bekommen ihren Moment – danach gehört der Song wieder Barden.
Das macht „Empowered Emotions“ erstaunlich geschlossen.
Nach 24 Sekunden öffnet sich die Landschaft
„Barden’s Overture“ braucht gerade einmal 24 Sekunden.
Mehr als ein kurzes Öffnen der Tür ist das nicht, doch anschließend steht man mit
„Maasai Enkai“ plötzlich mitten in einer anderen Landschaft.
Weite, Natur, Ursprung und Spiritualität bestimmen den Song. Das könnte schnell nach bemühtem Exotismus klingen, doch musikalisch bleibt die Nummer fest im klassischen Hard Rock verwurzelt. Die zusätzlichen Farben erweitern den Song,
ohne ihn in Weltmusik umzubauen.
Barden singt ruhig und würdevoll. Er muss hier nicht gegen die Gitarren antreten, sondern darf die Melodie tragen. Tommy Denander und Barry Sparks setzen ihre Akzente ebenfalls eher dort, wo sie gebraucht werden.
„Maasai Enkai“ ist damit ein ungewöhnlicher, aber sehr guter erster richtiger Song.
Statt sofort die alte MSG-Karte auszuspielen, eröffnet das Album mit etwas Eigenem.
„Hit The Ground Running“ darf einfach Rocksong sein
„Hit The Ground Running“ hat Groove, ein direktes Riff und einen Refrain, der deutlich schneller zündet. Hier ist Barden bissiger, die Band spielt kompakter und der ganze Song besitzt diesen leicht amerikanischen Hard-Rock-Schub, der keine vier Minuten braucht,
um seine Geschichte zu erzählen.
Genau solche Nummern tun dem Album gut.
Nicht jeder Song muss über Spiritualität, gesellschaftliche Zustände
oder dunkle Seelenlandschaften nachdenken.
Manchmal darf ein guter Hard-Rock-Song einfach loslaufen.
Der Titelsong gehört Don Airey – ein bisschen
„Empowered Emotions“ wird anschließend wieder dichter.
Innere Bilder, Erinnerungen und emotionale Kraft stehen im Mittelpunkt,
während die Musik stärker mit Atmosphäre arbeitet.
Don Aireys Keyboards sind dabei sofort zu erkennen, drängen sich aber nicht vor.
Sie geben dem Song Größe und diese leicht klassische Hard-Rock-Farbe,
die zu Bardens Stimme hervorragend passt.
Der Sänger selbst klingt hier dramatischer als zuvor.
Nicht übertrieben, eher so, als würde er bewusst mit den Unebenheiten seiner Stimme arbeiten. Gerade die raueren Stellen machen die Nummer glaubwürdiger.
Der Titelsong braucht keinen riesigen Mitsingrefrain.
Er bleibt etwas sperriger und gewinnt dadurch mit mehreren Durchläufen.
Nicht alles muss ein Höhepunkt sein
„Burning Wind“ hält die dunklere Stimmung aufrecht.
Bedrohung, Flucht und etwas, das immer näherkommt, geben dem Song
einen beschwörenden Unterton.
Musikalisch rollt die Nummer angenehm im klassischen Rockmodus vor sich hin.
Das Riff sitzt, Barden klingt rau und die Produktion hat genügend Gewicht.
Trotzdem fehlt im Vergleich zu „Maasai Enkai“ oder dem Titelsong ein Moment, der wirklich hängen bleibt. „Burning Wind“ ist einer jener Songs, die innerhalb eines Albums gut funktionieren, die man später aber nicht unbedingt zuerst anwählt.
„Dark Water“ – und plötzlich ist Michael Schenker da
Bei „Dark Water“ passt dagegen fast alles zusammen.
Der Song beschäftigt sich mit Verlust, Sog und dem Gefühl, keinen festen Boden mehr unter den Füßen zu haben. Barden singt entsprechend zurückgenommen und gleichzeitig intensiv. Seine Stimme klingt hier nicht trotz ihres Alters gut, sondern gerade deshalb.
Dann kommt Michael Schenker.
Das Entscheidende an seinem Solo ist nicht, dass man sofort erkennt, wer spielt.
Viel wichtiger: Es wirkt nicht wie ein nachträglich eingeklebter Prominentenmoment.
Die Gitarre wächst aus dem Song heraus und übernimmt genau dort, wo Worte ohnehin nicht mehr viel hinzufügen würden.
Auch die Produktion lässt der Nummer genügend Raum.
Kein permanenter Gitarrendruck, keine übergroßen Chöre. „Dark Water“ darf dunkel bleiben.
Für mich ist das der stärkste Song des Albums.
Apokalypse darf etwas länger dauern
„Ride Horsemen Ride“ denkt anschließend größer.
Apokalyptische Bilder, Macht, Schuld und Untergang bestimmen die gut fünfeinhalb Minuten.
Alen Brentini bringt zusätzliche Schärfe in die Gitarrenarbeit, während Barden deutlich theatralischer singt. Der Song nimmt sich Zeit und möchte hörbar mehr sein als ein kompakter Hard-Rock-Rocker.
Das gelingt größtenteils. Ganz ohne Länge kommt die Nummer allerdings nicht aus.
Im letzten Drittel hätte etwas Straffung nicht geschadet.
Trotzdem funktioniert „Ride Horsemen Ride“, weil die große Geste zum Thema passt
und das Album an dieser Stelle auch einmal übertreiben darf.
Ein Phoenix mit Bad-Company-Gefühl
Nach all der Dunkelheit kommt „This Phoenix’s Gonna Burn Ya“ genau richtig.
Der Song hat mehr Bodenhaftung, mehr Blues im Groove und weniger Bedürfnis, irgendeine große Welt zu erklären. Karma, Stolz und verbrannte Brücken reichen als Thema völlig aus.
Barden klingt locker, beinahe schelmisch. Auch die Gitarren nehmen sich etwas zurück und arbeiten stärker für den Groove.
Hier zeigt sich eine weitere Stärke des Albums:
Es muss nicht ständig beweisen, wie bedeutungsvoll es ist.
„This Phoenix’s Gonna Burn Ya“ ist schlicht ein guter Classic-Rock-Song
mit einer gewissen Bad-Company-Schlagseite.
Eineinhalb Minuten Ruhe
„Let The Children Play“ dauert nur 90 Sekunden und ist eher Gedanke
als vollständiger Song.
Akustisch, ruhig und fast zerbrechlich bildet das Stück einen bewussten Gegenpol zur vorherigen Rocknummer. Inhaltlich geht es um Unschuld und den Freiraum,
den Kinder haben sollten.
Man könnte darüber streiten, ob daraus nicht ein vollständiger Song hätte werden können. Als kurzes Zwischenspiel funktioniert die Nummer aber erstaunlich gut.
Wenn Barden nach draußen schaut
Mit „The Ruling Class“ wird der Blick gesellschaftlicher.
Macht, Arroganz und die Schieflage zwischen denen, die entscheiden, und denen,
die die Folgen tragen, bilden den Kern.
Barden singt entsprechend kantiger.
Musikalisch bleibt die Nummer klassischer Hard Rock mit einem dunkleren Unterton.
Der Refrain hätte etwas markanter ausfallen dürfen. Dafür bringt der Song eine andere Perspektive ins Album und verhindert, dass „Empowered Emotions“ ausschließlich
um das eigene Innenleben kreist.
Noch stärker gelingt das bei „Walk Away“.
Hier geht es um Wegsehen, soziale Kälte und Menschen, an denen andere lieber vorbeigehen, als sich mit ihrer Realität zu beschäftigen.
Der Text ist nicht kompliziert gebaut, trifft sein Thema aber gerade deshalb.
Brian Tichy gibt dem Stück am Schlagzeug ordentlich Druck, ohne daraus einen stumpfen Rocker zu machen. Barden singt nah und glaubwürdig, der Refrain bleibt schlicht.
Das ist einer jener Songs, bei denen man merkt, dass Erfahrung nicht nur bedeutet, technisch routinierter zu werden. Manchmal bedeutet sie auch, bestimmte Dinge ohne unnötige Verpackung sagen zu können.
Kein großes Finale nötig
„We’ll Meet Again“ beendet das Album nach nicht einmal zwei Minuten.
Abschied und die Hoffnung auf ein Wiedersehen – mehr braucht der kleine Epilog nicht.
Barden singt zurückgenommen, das Arrangement bleibt minimal und niemand versucht, aus den letzten Sekunden noch eine große Feuerwerksshow zu machen.
Nach einem Album, das an vielen Stellen von Erfahrung, Verlust und Weitergehen handelt, ist das die richtige Entscheidung.
Die Gäste sind prominent – die Platte gehört trotzdem Barden
Es wäre leicht gewesen, „Empowered Emotions“ über seine Gästeliste zu verkaufen.
Michael Schenker. Don Airey. Tommy Denander. Barry Sparks. Brian Tichy. Alen Brentini.
Doch nach gut 40 Minuten bleiben nicht diese Namen als erstes hängen.
Es bleibt Gary John Barden.
Und genau das ist wahrscheinlich das größte Kompliment, das man diesem Album machen kann. Michael Voss hat die prominenten Mitspieler so eingebunden, dass sie einzelne Songs besser machen, ohne daraus eine All-Star-Veranstaltung zu bauen.
Vor allem aber zwingt die Produktion Barden nicht dazu, jünger zu klingen.
Seine Stimme hat Spuren. Man hört die Jahre. Man hört manchmal auch Grenzen.
Aber man hört eben auch einen Sänger, der längst weiß,
wie er genau daraus Ausdruck gewinnt.
(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von CMM)
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