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Harpyie spielten im Hellraiser Leipzig ihr letztes Headliner-Konzert

vor 7 Stunden
7 Min. Lesezeit

Beim Finale der Abschiedstour „Der letzte Flug“ verabschieden sich Harpyie von ihren Fans. Nur ein Auftritt steht noch aus: das endgültig letzte Konzert beim Krampusfest am 12. Dezember 2026 in Herford.


Konzertplakat Der Letzte Flug - Harpyie - Live Review

Leipzig, 11. Oktober 2026 – Abschied ist ein großes Wort. An diesem Sonntagabend hing es trotzdem schon beim Einlass über dem Hellraiser. Für Harpyie endete in Leipzig nicht einfach nur eine Tour. Die Band spielte hier ihr letztes eigenes Headliner-Konzert.

Danach bleibt nur noch das Krampusfest im Dezember, dann ist endgültig Schluss.


Das wusste jeder im Saal. Entsprechend festlich, ausgelassen und stellenweise herrlich albern ging es zu. Schließlich hatten Harpyie mit Vogelfrey eine Band eingeladen, die sie seit vielen Jahren begleitet. Dass sich beide Gruppen an diesem Abend gegenseitig überraschen, aufziehen und gemeinsam feiern würden, war deshalb fast zu erwarten.


Mit Bierkostümen, einem Plüschfisch, fragwürdigen Perücken und einem Hahn hatte dennoch kaum jemand gerechnet.


Vogelfrey übernehmen den Hellraiser

Pünktlich um 19 Uhr betraten Vogelfrey die Bühne. Lange brauchten die Hamburger nicht, um den Hellraiser auf ihre Seite zu ziehen. Mit „Make Mittelalter Great Again“ und einem hochgehaltenen „Döp Dö Döp“-Schild war die Marschrichtung schnell geklärt:


Heute wird gefeiert.


Vogelfrey 1

Schon beim zweiten Song „1000 Jahre Bier“ kam es zur ersten Überraschung.

Die Musiker von Harpyie stürmten in riesigen Bierkostümen auf die Bühne und feierten den Song gemeinsam mit Vogelfrey.


Vogelfrey 2

Wer als überdimensionale Bierflasche durch das Bühnenlicht hüpft, hat die übliche Trennung zwischen Hauptband und Support ohnehin aufgegeben.


Ab diesem Moment wirkte der Abend eher wie eine ziemlich laute Familienfeier.


Vogelfrey 3

Am Ende des Songs standen Harpyie in eigens bedruckten Shirts auf der Bühne. Darauf befanden sich mehrere Ankreuzkästchen, womit die Überleitung zu

„Magst du Mittelalter“ bereits vorbereitet war.


Vogelfrey 4

Sänger Jannik hielt den roten Stift in der Hand und tat sich ausgesprochen schwer mit der Entscheidung. Das Publikum half ihm lautstark auf die Sprünge. Für den Fall einer falschen Antwort stand vorsorglich die Drohung im Raum, ihn direkt aus der Halle zu werfen.


Vogelfrey 5

Natürlich setzte er das Kreuz am richtigen Platz. Die frisch bemalten Shirts flogen anschließend ins Publikum und wurden dort begeistert als Erinnerungsstücke entgegengenommen.


Met, fliegende Haare und ein ratloser Sänger

Nach den wuchtigen Riffs von „Stahlhammer“ genügten einige eingesungene Schlagworte, damit der Saal wusste, wer als Nächstes Sprechstunde hatte.

Der Besuch bei „Dr. Met“ wurde entsprechend laut begrüßt.


Vogelfrey 6

Bei „Schüttel dein Haupt“ und „Trollwut“ wurde der jeweilige Arbeitsauftrag ebenfalls ernst genommen. Vor der Bühne flogen Haare, Köpfe nickten im Takt, und der Hellraiser wurde allmählich zu jenem heißen, verschwitzten Raum, den man nach einem solchen Konzert zufrieden und leicht zerzaust verlässt.


Vogelfrey beließen es allerdings nicht bei Vollgas. Zu „Unsterblich“ wurde es plötzlich ruhig. Die Klavierbegleitung nahm dem Saal für einige Minuten die Härte, zahlreiche Handylichter leuchteten in der Dunkelheit.


Vogelfrey 7

In diesem Moment war der bevorstehende Abschied wieder deutlich zu spüren.


Die Stimmung kippt dabei nicht ins Schwere. Dafür sorgen Vogelfrey selbst.

Mit „Mittelalter Dance Metal“ und „How Much Is the Fish?“ geht es zurück in Richtung Party. Passend zum Song schwimmt ein großer Plüschfisch über die Köpfe der Menge.


Vogelfrey 8

Jannik braucht einen Moment, um das Tier als Fisch zu erkennen. Vielleicht liegt es am Bühnenlicht. Vielleicht hat der Fisch einfach keine überzeugende Körpersprache.


Felix spielt einfach beide Shows

Achja, am Schlagzeug sitzt Felix von Harpyie, der an diesem Abend gleich doppelt gefordert ist. Er spielt das komplette Set von Vogelfrey und wird später auch bei Harpyie hinter den Kesseln Platz nehmen.


Vogelfrey 9

Zwischendurch äußert er die Sorge, Leipzig könne dieses Tempo unmöglich bis zum Hauptact durchhalten.


Die Menschen vor der Bühne nehmen diese Warnung offenbar als persönliche Herausforderung. Statt ihre Kräfte für Harpyie zu sparen, legen sie erst recht nach.


Vogelfrey 10

Es wird weitergesprungen, gesungen und getanzt, als gäbe es an diesem Abend weder müde Beine noch einen nächsten Morgen.


Vogelfrey 11

Mit „Mittelalter Rockstar“, „Alle sagen das“ und „Nicht A“ setzen Vogelfrey nach mehr als 75 Minuten den vermeintlichen Schlusspunkt. Als Heidi Kabel mit „In Hamburg sagt man Tschüß“ aus den Lautsprechern erklingt, wäre das eigentlich ein passendes Ende.


Eigentlich.


Ein letztes Geschenk von Vogelfrey

Vogelfrey kehren noch einmal zurück.

Als Geschenk für Harpyie und diesen Abend spielen sie „Walhalla“ in einer Klavierversion.


Vogelfrey12

Nach all den Kostümen, Scherzen und fliegenden Plüschfischen trifft dieser ruhige Moment umso stärker. Der Abschied, den beide Bands bis dahin immer wieder mit Humor auf Abstand gehalten haben, ist plötzlich ganz nah. Im Applaus liegt Freude, aber auch die Traurigkeit darüber, dass gemeinsame Abende wie dieser künftig fehlen werden.


Vogelfrey 13

Vogelfrey verabschieden sich mit einem Set, das weit über die übliche Rolle einer Vorband hinausgeht. Das passt. Schließlich stehen hier keine zufällig gebuchten Musiker gemeinsam auf dem Programm, sondern langjährige Weggefährten.


„The Final Countdown“ kann auch leise


Um 20:45 Uhr erklingen die ersten Töne von Europes „The Final Countdown“.

Subtil ist das nicht. Aber für Zurückhaltung ist an diesem Abend ohnehin keine Zeit mehr.


Harpyie betreten zu „Freakshow“ die Bühne.


Harpyie 1

Als Sänger Aello mit seiner Maske im Scheinwerferlicht erscheint, geht ein spürbarer Ruck durch den Hellraiser. Handys werden hochgehalten, die ersten Stimmen setzen ein, und viele versuchen, möglichst viel von diesem Augenblick festzuhalten.


Für manche Fans ist es nicht nur das letzte Konzert von Harpyie,

sondern für einige auch das erste...


Harpyie 2

Mit „Nimmerland“ lassen Harpyie keine lange Nachdenkpause zu.


Harpyie 3

Aello spricht den Abschied früh an, macht dem Publikum aber eine klare Ansage:

Die Tränen sollen bis nach dem Konzert warten.

Für die nächsten anderthalb Stunden wird gefeiert.


Harpyie 4

Die Halle hält sich daran. Zumindest versucht sie es.


Zwischen den Songs erinnern Harpyie an frühere Konzerte und Geschichten, die über die Jahre Teil der gemeinsamen Erinnerung geworden sind. Dazu gehört auch die Anekdote von rauchender Technik in einem kleinen Saal. Nicht jeder Rückblick muss feierlich sein.


Harpyie 5

Manche Geschichten werden gerade deshalb weitererzählt,

weil damals vermutlich niemand darüber lachen konnte.


Harpyie 6

Zu „Voodoo“ wird getanzt. Beim „Blutadler“ schnellen die Hände nach oben, und „Ikarus“ steigt ein letztes Mal bei einer eigenen Harpyie-Show in Richtung Hallendecke.


Leipzigwissen mit Brian

Für kurze Verschnaufpausen sorgt Brian. Er versorgt das Publikum mit Leipziger Fun-Facts und einer bemerkenswerten Folge von Wortspielen über Messe, Laib Brot, Keks, Mönch und Eierkuchen.


Wie hoch der tatsächliche Bildungswert dieser Ausführungen liegt, muss jede Person im Saal für sich entscheiden. Als Erholung für Nacken und Beine funktionieren sie ausgezeichnet.


Harpyie 7

Lange ruhig bleibt es ohnehin nicht. Bei „Ikonoklast“ und „Schildmaid“ singt der Hellraiser so laut mit, dass sich ein eigener Chor vor der Bühne bildet.


Harpyie 8

Zahlreiche Frauen feiern auf den Schultern anderer Fans.

So viele auf einmal habe er bei einem Harpyie-Konzert noch nie gesehen, stellt Aello fest.


Harpyie 9

Vogelfrey kommen noch einmal in Bier

Bei „Rasputin“ schlagen Vogelfrey erneut zu. Wieder betreten sie in den inzwischen bestens bekannten Bierkostümen die Bühne. Wer geglaubt hat, diese Garderobe sei nur für einen einzigen Auftritt gedacht, hat die Investitionsbereitschaft der Band deutlich unterschätzt.


Harpyie 10

Diesmal bringen Vogelfrey ein Abschiedsgeschenk mit: eine symbolische goldene Schallplatte für Harpyie. Für ihren Wert braucht es keine Verkaufszahlen. In diesem Moment zählt allein die gemeinsame Geschichte.


Harpyie 11

Aello erzählt von den Anfängen Harpyies und davon, welche Rolle Vogelfrey dabei spielten. Plötzlich ergibt es noch mehr Sinn, dass ausgerechnet diese beiden Bands die letzte Tour gemeinsam beenden.


Der Kreis schließt sich nicht in einer großen inszenierten Geste, sondern zwischen Bierkostümen, alten Geschichten und einer goldenen Platte,

die von Freunden überreicht wird.


Ein Sturm und ein langes Dankeschön

Bei „Berserker“ öffnet sich vor der Bühne ein kleiner Moshpit. Er ist nicht besonders groß, dafür umso hartnäckiger. Während „Seemann Ahoi“ wird die Halle zum stürmischen Meer. Hunderte Hände bewegen sich wie Wellen durch den Saal.


Harpyie 12

Am Ende ertönt ein tiefes Nebelhorn. Welcher Ton das genau sein soll, kann selbst Aello nicht abschließend klären. Für eine musikalische Fachdebatte bleibt allerdings keine Zeit, denn das Publikum antwortet mit langen „Harpyie!“-Rufen.


Harpyie 13

Aello steht auf der Bühne und lässt diesen Moment sichtbar an sich heran. Dann bedankt er sich. Bei den Fans, beim Team und bei den Menschen, die dafür gesorgt haben, dass Harpyie all die Jahre auf Tour gehen konnten.


Stellvertretend nennt er Alex von der Technik und Joel, der als Backliner offenbar so viele Aufgaben übernimmt, dass die Bezeichnung „Mutter des Regiments“ erstaunlich passend wirkt.


Harpyie 14

Es ist keine glatte Abschiedsrede. Die Worte kommen teilweise zögernd, und die nächste Überleitung fällt schwerer als sonst. Genau deshalb berührt dieser Dank.


Niemand auf der Bühne tut so, als wäre dies nur ein weiterer Tourabend.


Perücken, ein Hahn und der letzte Abriss

Mit „Atreju“ und „Vendetta“ geht es weiter.

Die Show nähert sich ihrem Ende, hält aber noch einige Überraschungen bereit.


Bei „Zombiemann“ kommt ein weiterer Gast hinzu. Zur zweiten Strophe betritt

Mythemia-Sänger Rodrigo die Bühne.


Harpyie 15

Während „Omen“ setzen sich Aello und Vogelfrey-Frontmann Jannik Perücken auf.

Ihre optische Qualität lässt sich höflich als gewöhnungsbedürftig beschreiben.

Vergessen wird diesen Anblick vermutlich trotzdem niemand.


Harpyie 16

Nach „Wenn ich tot bin“ nimmt der Abend noch einmal ordentlich Fahrt auf. Bei der „Vogelhochzeit“ flattert Joel als Hahn verkleidet über die Bühne.


Harpyie 17

Kurz darauf folgt Stagediving. Im Saal wird gesprungen, gedrängelt und gesungen, als hätte Aello die Ansage vom Beginn noch einmal erneuert: Tränen später.


Harpyie 18

Mit „Sturmvögel“ wird es erneut emotional.

Kaum ein anderer Song steht so deutlich für die Verbindung zwischen Harpyie und ihrer Fangemeinde. Viele Stimmen aus dem Publikum begleiten die Band.


Auf das übliche Zugabenspiel verzichten Harpyie.

Niemand muss so tun, als sei unklar, welcher Song noch fehlt.


„Löwenherz“ zum letzten Mal als Headliner

Mit „Löwenherz“ beginnt der endgültige Schluss dieser letzten Headliner-Show.


Harpyie 19

Im Hellraiser gehen weiße Zettel nach oben.

Darauf bedanken sich die Fans für 15 gemeinsame Jahre.


Auf der Bühne schwingt Aello die große Regenbogenfahne, während auch im Publikum zahlreiche kleinere Fahnen auftauchen.


Harpyie 20

Nach all dem Lärm wirkt dieses Bild beinahe still.

Natürlich wird weitergesungen. Natürlich läuft die Musik.


Trotzdem ist allen bewusst, dass gerade etwas endet, das sich nicht wiederholen lässt.


Harpyie 21

Als der letzte Ton verklingt, ist der Auftrag vom Beginn des Sets endgültig nicht mehr einzuhalten. Jetzt dürfen die Tränen kommen.


Fazit: Ein Abschied, der lachen durfte


Das letzte Headliner-Konzert von Harpyie wurde nicht zur großen Trauerfeier. Dafür sorgten Vogelfrey mit Bierkostümen, einem fliegenden Plüschfisch und einer symbolischen goldenen Schallplatte. Harpyie hielten mit alten Geschichten, gewöhnungsbedürftigen Perücken und einem Hahn auf der Bühne dagegen. Gerade dieser Humor machte die emotionalen Augenblicke umso stärker.


Als während „Löwenherz“ die weißen Dankeszettel und Regenbogenfahnen im Hellraiser auftauchten, war der Abschied endgültig angekommen. Manche Ansage stockte, einige Tränen ließen sich nicht länger zurückhalten. Genau deshalb wirkte der Abend ehrlich und nicht wie ein einstudiertes Abschiedsprogramm.


Danke, Harpyie.



©Text: Saskia Giedow-Luboch

©Fotos: Stephan Sieger


Die NoRush-Redaktion bedankt sich herzlich bei der Band Harpyie und Metalville für die Akkreditierung, die reibungslose Organisation und die freundliche Betreuung vor Ort.


Solche partnerschaftlichen Zusammenarbeiten tragen maßgeblich dazu bei,

Konzerterlebnisse journalistisch begleiten und mit unseren Leserinnen und Lesern teilen zu können.

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