top of page

Konzertbericht – Hämatom – Dämonentänze 2025

(Support: Dymytry Paradox & Fernando Express) vom 29.12.2025 aus dem Carlswerk Victoria in Köln


Tourplakat Dämontänze - Hämatom

"DÄMONENTÄNZE 2025/26 – DIE HÄRTESTE WEIHNACHTSFEIER DER REPUBLIK!"



Schlager, Masken, Metal – und viel Herz


Zwischen den Jahren ist alles erlaubt. Genau dieses Gefühl lag am 29. Dezember über dem Carlswerk Victoria, als Hämatom ihre „Dämonentänze“ nach Köln brachten.


Es erwartete uns eine emotionale Achterbahnfahrt, als skurriles Gesamtkunstwerk und

ein sehr persönlicher Abschied an ein ereignisreiches Jahr.



Fernando Express – Schlager als Statement


Punkt 19 Uhr öffnete sich der Abend mit einer Szene,

die man in diesem Kontext kaum erwartet hätte:


Fernando Express 1

Fernando Express betraten die Bühne.


Schlager im Metal-Club (?)– zunächst irritierend, dann überraschend stimmig.

Die Hämatom-Fans nahmen das Trio mit offenen Armen auf, klatschten, sangen

und feierten den ungewohnten Sound mit sichtlicher Freude.


Fernando Express 2

Der Hintergrund dieses Auftritts verlieh dem Ganzen eine besondere Tiefe:

Der 2023 verstorbene Bassist Peter „West“ Haag war bekennender Fan von Fernando Express. Dass sie an diesem Abend als Opener auftreten durften, war weniger Gag als ehrliche Geste – ein Zeichen von Respekt und Verbundenheit.


Fernando Express 3

Der Moment eskalierte bei „Coconut & Calypso“:

Hämatom stürmten selbst die Bühne – geschmückt mit Blumen-BHs, improvisierten Instrumenten aus Pizzakartons, Kabelbrücken und Klebeband.


Ein Bild irgendwo zwischen Karneval, Wahnsinn und liebevoller Parodie.


Fernando Express 4

Danach überreichte Hämatom dem Schlagertrio eine Auszeichnung für

43 Jahre Bühnenarbeit – Metal-Attitüde trifft Demut.


Fernando Express 5

Ein Fan durfte bei „Mit dem Albatros nach Süden“ die handgeschriebenen Pappschilder hochhalten, die einst West selbst gestaltet hatte.


Spätestens hier wurde klar: Dieser Abend sollte mehr sein als nur Unterhaltung.

Klassiker wie „Der rote Mond von Agadir“ rundeten einen ungewöhnlichen,

aber berührenden Auftakt ab.


Fernando Express 6

Fazit:

Was zunächst einige Fans irritierte entwickelte sich zu

einem stillen, verbindenden Moment, getragen vom Publikum

und der spürbaren Wertschätzung auf und vor der Bühne.


Der Auftritt von Fernando Express als Opener stand für Respekt,

Erinnerung und Offenheit über Genregrenzen hinweg.



Dymytry Paradox – Maskierter Druck aus Tschechien


Um 20 Uhr übernahm die Prager Psy-Core Band Dymytry Paradox die Bühne

und setzten auf maximale Wirkung.


Dymytry Paradox 1

Weiße und beige Outfits, schwarze Streifen, Schnallen, dazu maskenhafte Alien- und Insekten-Optik: Schon visuell machten sie klar, dass hier kein halber Gang gefahren wird.


Dymytry Paradox 2

Musikalisch bewegte sich der Sound irgendwo zwischen der Wucht von Five Finger Death Punch und der Aggression von Slipknot, blieb dabei aber eigenständig und präzise.


Der Einstieg mit „Empire Of The Fallen“, „War Beneath My Skin“, „Revolt“ und

„Red Sky Remains“ war kompromisslos und druckvoll.


Dymytry Paradox 3

Ein absolutes Highlight folgte mit dem rund fünfminütigen Drum-Solo von Miloš „Mildor“ Meier – pure Energie, technisches Können und eine Intensität, die den Saal kollektiv mitriss.


Dymytry Paradox 4

Dymytry Paradox zeigten, dass dieses Projekt mehr ist als ein Ableger:

Mit Sänger Alen „Al Paradox“ Ljubic fungiert die Band als internationales Gegenstück zur tschechischsprachigen Hauptformation Dymytry – eine Band mit zwei Gesichtern.


Dymytry Paradox 5

Songs wie „Enemy List“, „Hope“, „Touchdown“ und „Chernobyl 2.0“ rundeten einen starken Auftritt ab, der dem Abend druckvolle Schärfe verlieh.


Dymytry Paradox 6

Fazit:

Dymytry Paradox lieferten einen konzentrierten, kompromisslosen Auftritt.

Masken, Ästhetik und Sound griffen präzise ineinander und erzeugten konstanten Druck, ohne überladen zu wirken. Besonders das Drum-Solo setzte ein klares Ausrufezeichen.


Ein Set, das nicht erklären wollte, wer Dymytry Paradox sind – sondern es schlicht zeigte.



Hämatom – Dämonen, Trauer und totale Eskalation


21 Uhr. Doch bevor Hämatom selbst die Bühne betraten, erschien zunächst das berüchtigte Warm-up-Einhorn. Vor dem Regenbogenbanner wurde gesungen, gelacht und mit dem obligatorischen „Gummibären-Intro“ die Crowd endgültig auf Betriebstemperatur gebracht.


Hämatom 1

Dann fiel das Banner – und Hämatom explodierten förmlich auf der Bühne.

Der Startschuss fiel mit „We Wish You a Metal Christmas (feat. Dominum)“, dem aktuellen Song, dessen Einnahmen vollständig an die West Music Foundation gehen.


Hämatom 2

Direkt danach folgte eine geballte Ladung Hämatom-Essenz: „Ich hasse dich zu lieben“, „Gaga“, „Ein’ auf das Leben – Zwei auf den Tod“ und „Lachend in den Untergang“.


Besonders bewegend wurde es bei „Gott muss ein Arschloch sein“.

Bilder von Peter „West“ Haag flimmerten über die LED-Wände, der Saal wurde spürbar stiller. Ein Moment, der nicht inszeniert wirkte, sondern ehrlich traf.


Hämatom 3

Nach der Reprise von „Erzähl es meinem Mittelfinger“ saß Frontmann Thorsten „Nord“ Scharf allein an einem Schminkspiegel, mit dem Rücken zum Publikum, rauchend, nachdenklich. Ein stiller Kontrast zur sonstigen Eskalation und einer der emotionalsten Augenblicke des Abends.


Hämatom 4

Es folgten „Scheiße kommt – Scheiße geht“, „Children of the Sun“ (gemeinsam mit

Heidi Schütz von Fernando Express), „Ficken unseren Kopf“ und „Diego Maradona“,

ein Song über Absturz und Legende zugleich.


Hämatom 5

Technisch und visuell wurde ebenfalls alles aufgefahren:

Drummer Frank „Süd“ Jooss ließ sich beim Marteria-Cover „Kids (2 Finger an den Kopf)“ mit einem Mini-Drumkit über die Crowd tragen – Drumsurfing par excellence.


Hämatom 6

Anschließend spielten Nord und Gitarrist Jacek „Ost“ Zyla „Alte Liebe rostet nicht“ und „Lichterloh“ mitten im Publikum, hautnah auf kleinen Podesten.


Hämatom 7

Mit „Tanz auf dem Vulkan“, „Bleibst du heute mit mir wach?“, „Wir sind keine Band“ und „Behind the Mask“ – letzteres gemeinsam mit Dymytry Paradox – steuerte der Abend unaufhaltsam auf das Finale zu.


Hämatom 8


Zugaben, Bierregen und Abschied

Die Zugaben ließen keine Wünsche offen:

„Wir sind Gott“, „Bleib in der Schule“ (Trailerpark-Cover) und natürlich „Es regnet Bier“. Und wie es sich gehört, regnete es auch tatsächlich Bier über dem Publikum – Grund genug, zum Schutz der Kameraausrüstung rechtzeitig den Rückzug anzutreten...


Hämatom 9


Fazit:

Hämatom verwandelten diesen Abend in mehr als ein klassisches Konzert.

Zwischen maximaler Eskalation, bewusst gesetzten Ruhepunkten und schwarzem Humor entstand ein Spannungsbogen, der das Publikum konstant mitnahm.


Hämatom 10

Die Erinnerung an Peter „West“ Haag war dabei jederzeit präsent,

als ehrlicher emotionaler Unterstrom des Sets.


Hämatom 11

Musikalisch und visuell schöpfte die Band aus dem Vollen, verlor dabei jedoch nie den Kontakt zum Publikum. Nähe, Wucht und Reflexion standen gleichberechtigt nebeneinander.


Hämatom 13

Hämatom präsentierten sich nicht nur als energiegeladene Liveband, sondern als Kollektiv, das Verlust annimmt und in gemeinschaftliche Kraft übersetzt.



Text (redaktionell überarbeitet): Jan Haller

Fotos: ©loewenzahn_media


Wir bedanken uns an dieser Stelle bei antialles.net für die Akkreditierung

und die sehr gute Organisation und Betreuung vor Ort.


Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page