Konzertbericht: Nachtblut - Todschick Tour Part II - Manchmal kommen Sie wieder
- Redaktion

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
vom 28. Februar 2026 aus der Essigfabrik, Köln (Support: Asenblut)

Am Freitagabend, dem 27. Februar, versammelte sich die dunkle Szene
in der Essigfabrik in Köln, um den vorletzten Tourtermin der
„Todschick Tour Part II - Manchmal kommen sie wieder“ von Nachtblut zu erleben.
Schon vor Beginn war klar, dass dieser Abend ganz im Zeichen schwarzer Ästhetik stehen würde: schwarze Kleidung, Corpse Paint und eine Atmosphäre, die zwischen düsterer Theatralik und ausgelassener Konzertstimmung pendelte.
Auftakt: Asenblut bringen die Halle in Bewegung
Bevor Nachtblut die Bühne übernahmen, eröffnete Asenblut den Abend mit einer kraftvollen Mischung aus Viking- und Melodic-Death-Metal. Schon mit den ersten Songs „Das Ende der Götter“, „Unbesiegbar“ und „Seite an Seite“ wurde deutlich, dass die Band nicht gekommen war, um sich vorsichtig einzuführen.

Die Gitarren setzten klare Akzente, während das Schlagzeug den Rhythmus
kompromisslos vorantrieb.

Thematisch blieb die Band ihrer nordischen und germanischen Bildwelt treu.
Helden, Berserker, Wölfe und Schlachten ziehen sich wie ein roter Faden durch ihre Texte. Songs wie „Entfesselt“ und „Bruderschaft“ griffen diese Motive auf und wurden vom Publikum mit erhobenen Fäusten begleitet.

Auch visuell unterstrich die Band ihre Ästhetik.

Felle, Schilde und der markante Mikrofonständer in Axtform von
Sänger Tim „Tetzel“ Schmidt gehörten zum Bühnenbild ebenso selbstverständlich wie die martialische Bühnenpräsenz der Musiker.

Zum Abschluss ihres Sets legten Asenblut mit „Wie ein Berserker“, „Wölfe des Meeres“ und „Berserkerzorn“ noch einmal nach. Die Refrains wurden laut mitgetragen, und spätestens jetzt war die Essigfabrik vollständig auf Temperatur gebracht.

Ein Support-Auftritt, der seine Aufgabe erfüllte:
Die Menge war bereit für den Hauptact.
Nachtblut: Zwischen Blasphemie, Gesellschaftskritik und düsterer Ästhetik
Nach einer kurzen Umbaupause wurde es dunkel in der Halle.
Nachtblut betraten die Bühne und eröffneten ihr Set mit „Von Hass getrieben“, dem Opener ihres Albums Todschick aus dem Jahr 2025. Der Song setzte sofort den Ton für den Abend: düster, intensiv und thematisch geprägt von gesellschaftlichen Abgründen.

Die Band wird häufig als blasphemisch oder provokant wahrgenommen, doch Sänger Askeroth machte im Verlauf des Konzerts deutlich, dass hinter vielen Texten
eine klare gesellschaftliche Botschaft steckt. Kritik an religiösen Dogmen und sozialen Missständen zieht sich durch zahlreiche Stücke des Sets.

Mit „Nachtgeweiht“, „Kaltes Herz“ und „Manchmal kommen sie wieder“
blieb das Tempo hoch. Die Bühne wurde dabei zur dunklen Theaterkulisse:
schwarze Kleidung mit Nieten und Verzierungen, geschminkte Oberkörper
und markantes Corpse Paint bestimmten das Bild.

Der Titelsong „Todschick“ griff die zentrale Idee des Albums auf – den Tod als unausweichlichen, fast stilisierten Begleiter des Lebens.

Danach folgten Songs wie „Kalt wie Grab“, „Amok“ und „Mein ist die Hölle“,
die musikalisch zwischen Dark Metal und harschen Black-Metal-Einflüssen pendelten.

Die stimmliche Leistung von Askeroth, sein Wechsel zwischen tiefen, düsteren Passagen und hohen, kratzigen Schreien funktionierte live erstaunlich nahtlos
und verlieh vielen Songs zusätzliche Intensität.

Zwischen Provokation und Party
Mit „Der Tod ist meine Nutte“ griff die Band erneut eine provokante Bildsprache auf.
Der Song stellt den Tod nicht als etwas Bedrohliches dar, sondern als etwas, das kontrolliert oder sogar beherrscht werden kann.

Ganz andere Energie brachte „Stirb langsam“. Der Song wirkt zunächst wie ein klassisches Trinklied, entpuppt sich aber als ironische Kritik am Alkoholkonsum. Passend dazu verteilte die Band ihren legendären Shot „Panzerschreck“ in den ersten Reihen.

Vor der Zugabe folgten weitere Fan-Favoriten wie „Leierkinder“, „Apostasie“,
„Gegen die Götter“ und „Die Toten vergessen nicht“,
die den regulären Teil des Sets abschlossen.
Zugabe und überraschende Momente
Die Zugabe begann mit „Multikulturell“, einem Song, der sich auf provokante Weise gegen Rassismus richtet. Auch hier blieb Nachtblut ihrer direkten und oft drastischen Sprache treu.

Mit „Fürchtet was geschrieben steht“, „Antik“ und „Lied für die Götter“ folgten weitere bekannte Titel, bevor es zu einem ungewöhnlichen Moment kam.

Gemeinsam mit Asenblut-Sänger Tetzel präsentierte die Band – gekleidet in NWO-Wrestling-Shirts – ein überraschendes Cover: „Wat is’ denn los mit dir“ von Kollegah und Majoe. Die Mischung aus Rap und Metal sorgte für sichtliche Begeisterung im Publikum.

Zum Abschluss wurde es noch einmal nachdenklich. Askeroth setzte sich zu Beginn des letzten Songs allein in einen Lichtspot. Mit „Das Leben der Anderen“ thematisierte die Band den Druck sozialer Medien, Schönheitsideale und die verzerrte Wahrnehmung digitaler Realität. Ein ruhigerer, aber eindringlicher Schlusspunkt.
Fazit
Der Abend in der Essigfabrik war geprägt von intensiver Energie und klaren Botschaften.

Asenblut lieferten einen kraftvollen Auftakt und brachten die Menge früh in Bewegung.

Nachtblut wiederum präsentierten ihre Mischung aus düsterer Ästhetik, provokanten Texten und gesellschaftlicher Kritik mit großer Bühnenpräsenz. Zwischen schwarzem Humor, ernsten Themen und ausgelassener Stimmung entstand ein Konzert, das sowohl zum Feiern als auch zum Nachdenken einlud.
Ein Abend, der die Essigfabrik in eine eindrucksvolle Kulisse für Dark Metal verwandelte.
Text (redaktionell überarbeitet): Jan Haller
Fotos: ©loewenzahn_media
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Napalm Records für die Akkreditierung
und die sehr gute Organisation und Betreuung vor Ort.





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