Queensrÿche und Rivers of Nihil in der Markthalle Hamburg
- Redaktion

- vor 2 Stunden
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Queensrÿche und Rivers of Nihil sorgten am 16. Juni 2026 in Hamburg für einen starken Konzertabend.

Vor der Markthalle
Schon eine Viertelstunde vor Einlass zieht sich eine Menschenschlange vom Eingang der Markthalle in Richtung Hauptbahnhof. Die Stimmung ist entspannt, fast schon angenehm gelassen. In kleinen Gruppen wird geplaudert, verglichen, worauf man sich am meisten freut, und langsam baut sich diese typische Vorfreude auf, die einen Konzertabend schon vor dem ersten Ton trägt.
Um 19 Uhr öffnet die Markthalle ihre Türen. Gemächlich bewegt sich die Schlange die Treppe hinauf. Kein hektisches Drängeln, kein Stress, eher dieses ruhige Ankommen unter Leuten, die ziemlich genau wissen, warum sie heute hier sind.
Am Merchtable hat sich früh eine kleine Traube interessierter Fans gebildet.
Shirts, Tonträger, ein kurzer Blick aufs Angebot, dann geht es weiter über die Bar in Richtung Saal. Noch ist alles übersichtlich.
Einzelne Gruppen stehen an den Rändern, vor der Bühne und an der Bar.
Nach und nach verschmelzen diese Inseln zu einem echten Publikum.
Die Hintergrundmusik ist rockig, aber nicht zu laut. Gespräche bei einem Getränk sind problemlos möglich. Ausverkauft wirkt der Abend zu diesem Zeitpunkt noch nicht, doch die Markthalle füllt sich stetig.
Rivers of Nihil: Mehr als nur ein harter Kontrast
Um 20 Uhr wird das Licht gedimmt, und Rivers of Nihil betreten zum Intro die Bühne. Inzwischen ist der Saal deutlich voller, was man nicht nur sieht, sondern auch sofort spürt. Die Temperatur steigt, die Luft wird dichter, die Aufmerksamkeit richtet sich nach vorn.

Auf dem Papier wirken Rivers of Nihil zunächst wie ein ziemlich harter Kontrast zum Headliner. Progressive Death Metal vor Queensrÿche, das kann man mutig nennen.
Rivers of Nihil bringen technische Härte, progressive Strukturen, bluesige Einschübe, mehrere Stimmen und ein markantes Saxophon zusammen.
Gerade dadurch rückt ihre Musik näher an die Welt von Queensrÿche heran, als es die Genre-Schubladen vermuten lassen.

Saxophon, Druck und starke Reaktionen
Für eine Death-Metal-Band spielen Rivers of Nihil vergleichsweise kontrolliert.
Es geht nicht permanent um Höchstgeschwindigkeit oder reine Brutalität. Die Songs leben von ihrer Dynamik, von technisch anspruchsvollen Passagen und immer wieder von Momenten, die überraschend eingängig sind.

Das Saxophon ist dabei kein Gimmick, das kurz aufleuchtet und wieder verschwindet.
Es sitzt genau dort, wo es den Songs zusätzliche Farbe gibt.
Mal öffnet es den Sound, mal verstärkt es die melancholische Seite, mal wirkt es fast wie ein kurzer Blick aus dem dichten Gitarrengewitter heraus.

Der Sound von der Bühne ist kräftig. Die Tribüne vibriert dauerhaft, trotzdem bleiben Details hörbar. Genau diese Mischung macht den Auftritt stark: wuchtig genug, um körperlich zu wirken, aber nicht so matschig, dass die Feinheiten verloren gehen.
Auch das Publikum geht gut mit. Es wird nicht nur höflich genickt, sondern viel mitgesungen. Das spricht dafür, dass etliche Rivers-of-Nihil-Fans im Saal stehen.
Für einen Opener ist das alles andere als selbstverständlich.

Die Band wirkt an diesem Abend nicht wie eine Vorgruppe, die man mitnimmt, sondern wie ein eigener Grund, früh da zu sein.
Queensrÿche übernehmen
Nach einem kurzen Changeover wird es wieder dunkel.
Um 21:15 Uhr legen Queensrÿche los. Die Markthalle ist inzwischen gut gefüllt, komplett ausverkauft wirkt sie aber weiterhin nicht. Das dürfte eher am Dienstagabend als an den beteiligten Bands liegen.
Wie schon auf den letzten Touren setzen Queensrÿche vor allem auf ihre Klassiker.
Für Fans ist das natürlich ein Geschenk. Nicht jede etablierte Band mit neueren Veröffentlichungen geht so deutlich auf die eigenen großen Momente ein.

Hier gibt es früh starke Songs wie „Walk in the Shadows“, „Queen of the Reich“
und „Operation: Mindcrime“.
Das Publikum nimmt diese Einladung dankbar an. Man merkt sofort, dass viele wegen genau dieser Stücke gekommen sind. Die ersten Reihen sind aufmerksam, textsicher
und schnell in Bewegung, während weiter hinten eher genossen, beobachtet
und mitgesungen wird.
Eine Zeitreise ohne Staub
Queensrÿche sind lange im Geschäft, und genau das merkt man ihnen auf die beste Weise an. Die Abläufe sitzen, die Übergänge wirken sicher, die Band weiß, wie sie diese Songs tragen muss. Trotzdem fühlt sich der Auftritt nicht nach Pflichtprogramm an.

Die Show lebt von Spielfreude. Hit reiht sich an Hit, und die Stimmung im Saal wächst mit jedem bekannten Refrain. Ein neuerer Song vom letzten Album „Digital Noise Alliance“ bildet zeitlich eine Ausnahme in dieser Reihe aus Klassikern, fällt aber nicht negativ heraus. Er zeigt eher, dass Queensryche nicht nur von der Vergangenheit sprechen müssen, auch wenn diese an diesem Abend klar im Mittelpunkt steht.

Besonders Sänger Todd La Torre ist anzumerken, wie viel Emotion in seiner Performance steckt. Er singt nicht einfach die erwarteten Linien ab, sondern arbeitet mit Ausdruck, Gestik und Präsenz. Gerade bei einer Band mit einer so prägenden Vergangenheit ist das wichtig.
Die Songs sollen vertraut klingen, aber nicht wie Nachstellungen wirken.
Starker Abschluss in Hamburg
Eine Zugabe aus drei Songs beendet schließlich eine gelungene Show und einen starken Konzertabend in der Markthalle. Rivers of Nihil haben zuvor bewiesen, dass ein mutig gebuchter Opener ein Publikum nicht nur aufwärmen, sondern wirklich abholen kann.
Queensrÿche setzen danach auf Erfahrung, Klassiker und spürbare Freude
am eigenen Material.

Am Ende bleibt ein Abend, der gerade durch seine Kombination funktioniert.
Erst progressive Death-Metal-Wucht mit Saxophon und technischer Finesse, danach melodische Prog-Metal-Geschichte mit vielen Songs, auf die das Publikum offensichtlich gewartet hat.

Hamburg bringt trotz Dienstagabend genug Energie für beide Bands mit.
Und genau deshalb fühlt sich der Abend nicht wie eine bloße Tourstation an, sondern wie eines dieser Konzerte, bei denen ein ungewöhnliches Package plötzlich völlig logisch wirkt.
Text: Thomas Junker & Jan Jacobsen
Fotos: Jan Jacobsen
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei STP Hamburg Konzerte GmbH für die Akkreditierung
und die tolle Betreuung vor Ort.





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