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Where Angels Fear To Tread von HÄVEN im Review: Starkes Debüt

Autorenbild: Stephan Sieger
Stephan Sieger
vor 9 Stunden
7 Min. Lesezeit

Gabrielle de Val und ihre Mitstreiter verlassen den vertrauten AOR-Rahmen und öffnen die Tür zu härterem, stellenweise symphonischem Metal. Vierzehn Songs zeigen viel Eigenständigkeit, verlangen dem Album aber auch einen langen Atem ab.


Albumcover Where Angels Fear To Tread - Häven - Review

Tracklist:

1. The Hunger Inside – 4:50

2. Struck Out – 4:29

3. Dust – 3:45

4. Frozen In Time – 4:40

5. Believe In Love – 4:00

6. Where Angels Fear To Tread – 4:15

7. The Politics Of Envy – 5:56

8. Skies Of Destiny – 4:26

9. Ghosted – 3:59

10. I Love The Rain – 4:08

11. Scarlet Letter – 5:25

12. The Grass Is Always Greener – 4:29

13. Dancing Rainbows – 4:42

14. The Light Brigade – 5:44


Veröffentlichung: 13. November 2026

Label: Pride & Joy Music

Genre: Melodic Metal / Hard Rock / Symphonic Rock

Spieldauer: 64:47 Minuten



Das Album bei JPC bestellen:




Fazit der Redaktion:


„Where Angels Fear To Tread“ zeigt, dass HÄVEN genügend Eigenständigkeit für eine Zukunft neben Gabrielle de Vals Solokarriere besitzen.

Tommy Denander und Gustavo Martín geben den Songs mehr Härte, die feste Rhythmusgruppe hält das Material zusammen, und Isabel Fernández erweitert den Sound mit Klavier und orchestralen Farben.


Gabrielle de Val bewältigt den Schritt in härtere Gefilde überzeugend. Ihre Stärke liegt weiterhin in der melodischen Kontrolle und in den ruhigeren emotionalen Zwischentönen. „Dust“, der Titelsong, „I Love The Rain“, „Scarlet Letter“ und

„The Light Brigade“ zeigen die Band von ihrer besten Seite.


Vierzehn Songs sind zu viel. „The Politics Of Envy“ bleibt in seiner Argumentation grob, und die dichte Produktion nimmt mehreren schnellen Titeln etwas Luft. Diese Schwächen ändern wenig daran, dass HÄVEN ein vielseitiges und

musikalisch starkes Debüt vorlegen.


Die Band muss für das nächste Album nicht noch mehr Stile hinzufügen.

Sie muss lediglich genauer auswählen, welche ihrer vielen Ideen

wirklich unverzichtbar sind.



„HÄVEN überzeugen mit einem vielseitigen Hardrock-Debüt voller kraftvoller Gitarren, starker Melodien und Gabrielle de Vals markanter Stimme.“



Was bekommen wir auf die Ohren?


´Where Angels Fear To Tread von HÄVEN entstand aus Musik, die nicht mehr recht zu Gabrielle de Vals bisherigem Solomaterial passen wollte. Während der Arbeit an ihrem kommenden Album „Revolution“ wurden einige gemeinsam mit Bruce Mee und Tommy Denander geschriebene Songs zunehmend härter. Statt diese Stücke in den bekannten AOR-Rahmen zu drücken, machten die Beteiligten daraus ein eigenes Bandprojekt.


Diese Entscheidung ist nachvollziehbar. „Where Angels Fear To Tread“ klingt schwerer und dunkler als ein typisches Gabrielle-de-Val-Album. Die Grenzen bleiben bewusst offen: „The Hunger Inside“, „Struck Out“ und „Ghosted“ stehen dem melodischen Hard Rock nahe, „Skies Of Destiny“ und „The Light Brigade“ greifen Power-Metal-Elemente auf. „Scarlet Letter“ und „Dancing Rainbows“ geben Klavier, Atmosphäre und langsameren Entwicklungen mehr Raum.


Where Angels Fear To Tread von HÄVEN sucht die eigene Identität


Gabrielle de Val bleibt der Mittelpunkt, wirkt innerhalb der festen Band aber anders als auf ihren Soloveröffentlichungen. Ihre klare Stimme steht nun über deutlich schwereren Gitarren und einem kräftigeren rhythmischen Fundament.

Dabei verliert sie weder Wärme noch Verständlichkeit.


Besonders „Frozen In Time“, „I Love The Rain“ und „Scarlet Letter“ profitieren von ihrer melodischen Kontrolle. De Val kann verletzlich klingen, ohne in eine zerbrechliche Rolle zu wechseln. Bei schnelleren Titeln dürfte ihre Phrasierung gelegentlich aggressiver ausfallen. Die Stimme bleibt dort eher elegant als angriffslustig, was einen spannenden Kontrast zu den Gitarren erzeugt, aber nicht jeden Power-Metal-Moment vollständig ausfüllt.


Tommy Denander und Gustavo Martín teilen sich die Gitarrenarbeit. Die Riffs besitzen deutlich mehr Gewicht als auf de Vals Solomaterial, während die Soli überwiegend melodisch bleiben. Isabel Fernández nutzt ihre Keyboards für Flächen, Klavier und orchestrale Farben. José Luis Gallera und Robert van der Laar geben dem Album ein kompaktes Fundament und halten gerade die schnelleren Stücke zuverlässig zusammen.


HÄVEN klingen dadurch nicht wie eine Sängerin mit wechselnden Studiogästen.

Die Instrumente reagieren aufeinander, und selbst bei stilistischen Sprüngen bleibt eine erkennbare Bandhandschrift erhalten.


Verlangen, Trennung und ein erster Höhepunkt


„The Hunger Inside“ eröffnet das Album mit einer ungewöhnlich dunklen Bildsprache. Sexuelles Verlangen erscheint als hungrige, beinahe parasitäre Kraft.

De Val singt kontrolliert, während der Refrain die animalische Seite des Textes

stärker hervortreten lässt.


Schnelles Schlagzeug, schwere Gitarren und orchestrale Akzente sorgen für einen druckvollen Einstieg. Der Mix ist allerdings so dicht, dass die Spannungswechsel kleiner ausfallen, als es das Arrangement vermuten lässt.


„Struck Out“ beschreibt eine gescheiterte Beziehung als Spiel, in dem alle Chancen vergeben wurden. Hinter der Baseballmetapher stehen Reue, verletzter Stolz

und das Gefühl, innerlich nur noch eine leere Hülle zu sein.

Der Refrain sitzt schnell, Gitarren und Bass klingen auffallend schwer.

Gegen Ende nutzt sich die Spielmetapher etwas ab.


Mit „Dust“ folgt der erste klare Höhepunkt.

Gabrielle de Val teilt sich den Gesang mit Chris Dando, dessen dunklere Stimme einen wirkungsvollen Gegenpol bildet. Erst nachdem sich der Staub gelegt hat, werden Entscheidungen und ihre Folgen sichtbar. Dieser Gedanke wird nicht übererklärt.


Die Stimmen begegnen sich wie zwei Perspektiven auf dieselbe Situation.

Das Arrangement bleibt kompakt, lässt aber mehr Dynamik zu als die beiden vorangegangenen Stücke. „Dust“ zeigt früh, wie gut HÄVEN klingen können,

wenn Härte und Melodie nicht um denselben Raum kämpfen.


Erinnerungen, Hoffnung und der Schritt ins Unbekannte


„Frozen In Time“ blickt auf eine Erinnerung zurück, die Jahre später noch an einen schmerzhaften Ort führt. De Val singt die Strophen nach innen gekehrt und öffnet ihre Stimme erst im Refrain. Gitarrenharmonien und Keyboards erzeugen eine melancholische Weite.


Der Song verbindet den härteren Bandsound besonders gut mit ihrer melodischen Herkunft. Hier wirkt der Übergang vom AOR zum Metal weder erzwungen noch demonstrativ.


„Believe In Love“ setzt anschließend auf eine deutlich allgemeinere Botschaft. Liebe erscheint als heilende Kraft, die selbst durch dunkle Zeiten führt. Der Text wiederholt diesen Gedanken häufig, dafür besitzt der Refrain eine klare Hymnenstruktur. Schnelle Gitarren, Chöre und Keyboards bringen Schwung in die erste Albumhälfte.


Im Titelsong stellt die Band die Frage, ob langes Abwägen oder entschlossenes Handeln in einer Krise weiterführt. Die bekannte Redewendung von Narren, die sich dorthin wagen, wo Engel zurückschrecken, wird dabei nicht einfach bestätigt.


De Vals Refrain besitzt Größe, Denanders Gitarren bleiben kantig und melodisch.

„Where Angels Fear To Tread“ gehört zu den Stücken, in denen die neue Bandidentität am deutlichsten greift. Melodischer Hard Rock, symphonische Farben und Metal-Schwere stehen hier in einem überzeugenden Verhältnis.


Wenn die Zuspitzung zu einfach wird


„The Politics Of Envy“ gehört zu den umstritteneren Momenten der Platte. Der Text kritisiert staatliche Unterstützung und den Wunsch, am Wohlstand anderer teilzuhaben, ohne selbst dafür gearbeitet zu haben. Seine Position ist klar, die Gegenüberstellung bleibt jedoch sehr grob.


Musikalisch handelt es sich um einen sorgfältig aufgebauten Midtempo-Song. Der Refrain besitzt Schärfe, lange Gitarrenlinien geben dem Arrangement Raum, und der Mix wirkt dynamischer als bei vielen anderen Titeln. Knapp sechs Minuten sind für die begrenzte inhaltliche Perspektive trotzdem viel.


„Skies Of Destiny“ führt danach in eine klassische Fantasywelt. Brennende Himmel, Schwerter und ein Kampf um Freiheit liefern den Rahmen für eine schnelle Power-Metal-Nummer. De Val singt entschlossen, doppelte Gitarren und orchestrale Flächen sorgen für viel Bewegung.


Die Produktion wird hier erneut zum Problem. Schlagzeug, Gitarren, Stimme und Keyboards liegen sehr eng beieinander. Die Energie bleibt erhalten, einzelne Details verschwimmen jedoch im dichten Klangbild.


Verletzung hinter modernen Begriffen


„Ghosted“ greift einen zeitgenössischen Begriff auf, erzählt aber mehr als eine gewöhnliche Geschichte über plötzlich abgebrochenen Kontakt. Nach einer langen Beziehung wird die Erzählerin aus dem Leben des anderen gelöscht, während Lügen und idealisierte Erzählungen öffentlich bestehen bleiben.


De Val klingt verletzt und wütend. Der Refrain bleibt sofort hängen, die Gitarren treten rhythmisch härter auf. Hier passt die moderne Sprache gut zu einem Gefühl, das keineswegs neu ist: Ein Mensch verliert nicht nur eine Beziehung, sondern auch die Kontrolle über die Geschichte, die andere darüber erzählen.


„I Love The Rain“ schlägt anschließend leisere Töne an. Regen wird zu einem Schutzraum, in dem Tränen und zurückgehaltene Gefühle nicht länger verborgen werden müssen. De Val findet einen persönlichen Ton und lässt die Melodie ohne übermäßiges Pathos wirken.



Das Arrangement beginnt zurückgenommen und wächst langsam über Gitarren und Keyboards. Die größere Dynamik unterstützt die emotionale Entwicklung. Gerade nach den beiden sehr dichten Stücken davor fühlt sich dieser Raum wohltuend an.


Öffentliche Urteile und private Zweifel


„Scarlet Letter“ gehört zu den stärksten Songs des Albums. Eine Frau trägt den Makel vergangener Entscheidungen weiter, weil Gerüchte und moralische Verurteilung ihren Ruf dauerhaft bestimmen. Das Bild des scharlachroten Buchstabens steht für öffentliche Beschämung, aber auch für die Unmöglichkeit, einer einmal festgelegten Rolle zu entkommen.


Klavier und dunkle Gitarren bauen den Song geduldig auf. De Val steigert ihre Stimme, ohne die innere Verletzung unter großer Dramatik zu begraben. Die Produktion lässt deutlich mehr Luft zu. Dadurch wirken selbst kleine Veränderungen im Arrangement.


„The Grass Is Always Greener“ beschäftigt sich ebenfalls mit Neid, wählt aber eine persönlichere Perspektive als „The Politics Of Envy“. Größere Häuser, teurere Autos und der sichtbare Wohlstand anderer führen zu Unzufriedenheit. Erst später erkennt die Erzählerin, dass der ständige Vergleich lediglich Leere erzeugt.


Der warme, bassreiche Klang passt zum nachdenklichen Ton. Der Refrain bleibt melodisch, ohne das Thema zu vereinfachen. Beide Songs behandeln gesellschaftliche Urteile und Vergleiche, doch die persönliche Sichtweise steht HÄVEN deutlich besser als die politische Anklage.


Ruhe vor dem historischen Finale


„Dancing Rainbows“ bringt vor dem Abschluss die nötige Ruhe. Nach einem Sturm führen Regenbögen zu Erinnerungen an Heimat, verlorene Träume und den Wunsch, die Zeit zurückzudrehen. Klavier und Gitarren teilen sich die Führung, das Arrangement wächst langsam.


De Val singt verletzlich, ohne in süßliche Sentimentalität abzugleiten. Der Song hätte im Albumablauf sogar etwas früher stehen dürfen. Nach mehreren ähnlich druckvollen Midtempo-Stücken öffnet er einen neuen Raum.


„The Light Brigade“ beendet das Album mit seinem ambitioniertesten Titel.

Der Song behandelt den Angriff der britischen Leichten Brigade bei Balaklava am

25. Oktober 1854. Ein missverstandener Befehl führte 673 Soldaten direkt gegen russische Geschütze; mehr als 260 Männer wurden getötet, verwundet oder

gerieten in Gefangenschaft.



Der Text verbindet die militärische Katastrophe mit dem Mut der Soldaten.

Klavier, galoppierendes Schlagzeug, orchestrale Passagen und schwere Gitarren bauen ein echtes Finale auf.


De Val erzählt zunächst ruhig und steigert sich bis zum großen Schluss.


Historische Metal-Songs laufen schnell Gefahr, Ereignisse in bloße Heldengeschichten zu verwandeln. „The Light Brigade“ wahrt genügend Distanz, um auch die Sinnlosigkeit des Angriffs spürbar zu machen.


Als musikalischer Abschluss ist der Song der Höhepunkt des Albums.


Vielseitigkeit mit einem Preis


Der Mix ist dunkel, bassreich und häufig sehr kompakt. „Dust“, „Struck Out“ und „The Grass Is Always Greener“ besitzen ein kräftiges Tieftonfundament.

Bei „Skies Of Destiny“ konkurrieren Schlagzeug, Gitarren und Orchesterflächen dagegen um denselben Raum.


„Scarlet Letter“, „I Love The Rain“ und „Dancing Rainbows“ atmen deutlich stärker. Diese Stücke überzeugen auch deshalb, weil ihre Arrangements nicht von Beginn an alles offenlegen.


Inhaltlich reicht das Album von persönlichen Verletzungen und Ghosting über gesellschaftliche Kritik bis zu Fantasy und historischen Stoffen. Diese Breite ist reizvoll, führt aber zu einem etwas unruhigen Gesamtbild. Ein klareres Verhältnis zwischen den persönlichen, politischen und erzählerischen Songs hätte der Platte noch mehr Geschlossenheit gegeben.


Das größte Problem bleibt die Länge. Knapp 65 Minuten sind für ein Album mit mehreren ähnlich aufgebauten Midtempo-Stücken viel. Zwei oder drei Titel weniger hätten die unterschiedlichen Seiten der Band deutlicher hervortreten lassen.

Ein wirklicher Ausfall findet sich trotzdem nicht.



Kontakt:



(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von GerMusica PR)



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