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EUROPE – „Come This Madness“ Review: Reife, Wut und große Refrains

vor 4 Stunden
4 Min. Lesezeit

Neun Jahre nach „Walk The Earth“ klingen Europe nicht wie eine Band, die ihr Erbe verwaltet. Die Schweden verbinden klassischen Hard Rock mit dunkleren Tönen, gesellschaftlicher Unruhe und genau jenen großen Melodien, die seit Jahrzehnten zu ihrer DNA gehören.


Albumcover Come This Madness - Europe - Review

Tracklist:

1. One On One – 3:41

2. The Cult Of Ignorance – 3:31

3. Come This Madness – 4:02

4. This Time Of Year – 4:05

5. In A Different World – 3:45

6. Scandinavian Eyes – 4:51

7. Takin’ It Back – 3:46

8. In The Absence Of Grace – 1:28

9. The Angels Must Have Flown – 3:45

10. The Devil’s Back – 3:48

11. Nothing Can Follow This – 4:38



Veröffentlichungsdatum: 25. September 2026

Label: Hell & Back Recordings / Silver Lining Music

Genre: Hard Rock / Classic Rock / Melodic Rock

Laufzeit: ca. 41:14 Min.



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oder alternativ im Silver Lining Shop



Fazit der Redaktion:

„Come This Madness“ ist ein starkes Spätwerk einer Band, die ihre Vergangenheit kennt, aber offensichtlich keine Lust hat, ausschließlich von ihr zu leben.


Besonders „The Cult Of Ignorance“ und „Takin’ It Back“ zeigen Europe mit erstaunlich viel Wut und Biss. Der Titeltrack bringt gesellschaftliche Unruhe in einen schweren Midtempo-Rocker, während „This Time Of Year“ und „Nothing Can Follow This“ beweisen, dass die Band auch in den ruhigeren Momenten noch genau weiß, wann eine Melodie trifft.


Nicht jeder Song erreicht dieses Niveau.

„In A Different World“ und „The Angels Must Have Flown“ sind gute Albumtracks,

stehen aber etwas im Schatten der Höhepunkte.

Das fällt bei elf Songs und gut 41 Minuten aber kaum ins Gewicht.


Europe klingen auf „Come This Madness“ reif, ohne gemütlich geworden zu sein.

Dunkler als früher, stellenweise wütend, immer noch melodisch

– und vor allem erstaunlich hungrig.



"Dunkler, kantiger und stellenweise überraschend wütend – Europe zeigen auf „Come This Madness“, dass Reife und musikalischer Hunger hervorragend zusammenpassen können."



Was bekommen wir auf die Ohren?


Europe könnten es sich längst bequem machen. Ein paar Klassiker spielen, den übermächtigen Welthit pflegen und sich darauf verlassen, dass die Hallen trotzdem voll werden. Genau diesen Weg gehen die Schweden seit ihrer Rückkehr aber nicht.


„Come This Madness“ klingt nicht nach Nostalgieveranstaltung.

Die Platte ist schwerer, stellenweise überraschend wütend und textlich auffällig häufig mit der Gegenwart beschäftigt.



Produzent Tom Dalgety gibt der Band dafür einen modernen Rahmen, Mike Frasers Mix lässt John Norums Gitarren ordentlich drücken, ohne Mic Michaelis Keyboards an den Rand zu schieben. Joey Tempest wiederum singt nicht gegen sein Alter an. Seine Stimme ist kontrollierter geworden, besitzt aber immer noch genügend Kraft und vor allem Charakter.


Von Erinnerung direkt in die Wut

„One On One“ eröffnet das Album mit einem persönlichen Blick auf Nähe und Erinnerung.

Nach einem orchestralen Auftakt kommt schnell jener melodische Hard Rock zum Vorschein, den Europe immer noch hervorragend beherrschen.

Tempest singt warm, der Refrain wird groß, ohne überladen zu wirken.



Direkt danach zeigt „The Cult Of Ignorance“, dass diese Platte auch anders kann.

Verblendung, Angst und eine Wahrheit, die zunehmend unter Druck gerät, treffen auf einen pumpenden Bass, bissige Gitarren und einen der stärksten Refrains des Albums. Europe klingen hier nicht routiniert, sondern tatsächlich angefasst.



Der Titeltrack „Come This Madness“ bleibt bei dieser gesellschaftlichen Unruhe,

geht musikalisch aber schwerer vor. Chaos, Extreme und Müdigkeit stehen dem Wunsch gegenüber, diesem Lärm irgendwann einfach zu entkommen. John Norums Solo kommt genau zur richtigen Zeit und trägt den Song, statt ihn nur auszuschmücken.

Die Nummer braucht etwas länger als „The Cult Of Ignorance“,

wächst dafür aber mit jedem Durchlauf.


Wenn Europe leiser werden

Mit „This Time Of Year“ folgt einer der emotionalsten Songs.

Winter, Erinnerung, Einsamkeit und die Hoffnung auf bessere Tage hätten leicht in eine kitschige Ballade führen können. Stattdessen halten Europe die Nummer angenehm zurück. Piano und Keyboards übernehmen viel, Tempest singt verletzlich,

ohne auf die große Tränendrüse zu drücken.


„In A Different World“ bleibt melodisch und beschäftigt sich mit der Sehnsucht nach einem anderen, vielleicht besseren Leben. Ein guter Europe-Song, der allerdings etwas im Schatten der stärkeren Stücke steht.


Spannender wird es mit „Scandinavian Eyes“.

Herkunft, nordisches Licht und Dunkelheit treffen auf starke Keyboards und längere Gitarrenlinien. Hier arbeiten Michaeli und Norum besonders schön miteinander.

Die Nummer trägt hörbar etwas Siebziger-Hard-Rock in sich,

ohne plötzlich rückwärtsgewandt zu klingen.



„Takin’ It Back“ hat richtig Wut im Bauch

„Takin’ It Back“ ist der zweite große Energietreffer der Platte.

Freiheit, Widerstand und Selbstbehauptung werden nicht als

freundliche Motivationsbotschaft verkauft.


Das Riff besitzt Schärfe, die Rhythmusgruppe schiebt und Joey Tempest

klingt so wütend wie lange nicht.


Trotzdem bleibt der Refrain typisch Europe:

melodisch, sofort greifbar und groß genug für die Bühne. Genau diese Balance zwischen Härte und Melodie macht den Song zu einem der Höhepunkte.


Das nur 88 Sekunden lange „In The Absence Of Grace“ funktioniert danach als bewusste Pause. Piano und Streicher begleiten Gedanken über verlorene Unschuld, fehlende Gnade und Wahrheit. Kein vollwertiger Song, aber an dieser Stelle ein sinnvoller Übergang.


Dunkle Nächte und etwas Rock’n’Roll-Dreck

„The Angels Must Have Flown“ hält die melancholische Stimmung aufrecht. Erinnerungsorte, Einsamkeit und das Gefühl, dass Schutz und Licht verschwunden sind, bestimmen die Nummer. Der Refrain ist weniger unmittelbar als bei den Höhepunkten, dafür lebt der Song stärker von seiner dunklen Atmosphäre.


Mit „The Devil’s Back“ kommt anschließend wieder Dreck in die Gitarren.

Bluesiger Hard Rock, Versuchung und eine gefährliche letzte Fahrt sorgen dafür, dass das Album kurz vor Schluss nicht zu schwer wird. Tempest klingt lässiger, Norum darf sich austoben und die Band wirkt für knapp vier Minuten angenehm unbeschwert.


Den Abschluss übernimmt „Nothing Can Follow This“.

Statt eines großen Bombastfinales erzählen Europe von Flucht, Stadt, Liebe und diesem einen Moment, nach dem eigentlich nichts mehr kommen muss. Der Song wächst langsam, Tempest erzählt mehr, als dass er sich in den Vordergrund singt, und die Band lässt das Album überraschend warm auslaufen.



Kontakt:



(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von Another Dimension PR Agentur)

 

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