Kai Hansen - „Born With A Hammer“ Review
Der Power-Metal-Pionier gönnt sich ein Soloalbum ohne Denkmalpflege: rau, gitarrenlastig und angenehm unverkopft.

Tracklist:
1. Feeding The Beast - 4:58
2. Welcome To Life - 4:17
3. Don’t Care - 4:02
4. Wait And See - 3:32
5. Born With A Hammer - 8:05
6. I.D.G.A.F. - 4:29
7. End Of The Road - 3:37
8. Triple Trouble - 3:17
9. Invaders - 5:36
10. Wonderland - 3:51
Veröffentlichungsdatum: 18. September 2026
Label: earMUSIC
Genre: Heavy Metal / Power Metal / Hard Rock
Laufzeit: ca. 45:44 Min.
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Fazit der Redaktion:
Natürlich ist „Born With A Hammer“ keine Revolution.
Einige Riffs, Wendungen und Refrainideen kennt man in ähnlicher Form aus Hansens langer Laufbahn. Wer bei seinem Namen automatisch einen neuen Genre-Meilenstein erwartet, setzt die Messlatte wahrscheinlich an der falschen Stelle an.
Die Stärke dieses Albums liegt woanders.
Kai Hansen überanalysiert die eigenen Zutaten nicht, sondern spielt Heavy Metal,
Power Metal und Hard Rock so, wie er sie offenbar gerade hören will:
laut, direkt, mit Ecken, mit viel Gitarre und mit spürbarer Spielfreude.
Genau dadurch wirkt „Born With A Hammer“ frischer, als man es nach so vielen Jahren selbstverständlich erwarten dürfte.
Besonders „Feeding The Beast“, „Welcome To Life“, „Born With A Hammer“, „I.D.G.A.F.“ und „Invaders“ zeigen einen Musiker, der seine Vergangenheit nicht verleugnen muss, sie aber auch nicht museal behandelt.
Kein nostalgischer Pflichttermin, sondern ein richtig gutes Metal-Album mit Charakter.
"Born With A Hammer zeigt Kai Hansen laut, kantig und mit einer Spielfreude,
die auch nach Jahrzehnten noch ansteckt."
Was bekommen wir auf die Ohren?
Kai Hansen muss niemandem mehr erklären, warum sein Name Gewicht hat.
Helloween, Gamma Ray, europäischer Power Metal: Diese Geschichte ist geschrieben.
Umso interessanter ist, dass „Born With A Hammer“ nicht wie der Versuch klingt, dieses Erbe noch einmal feierlich auszuleuchten. Das Album wirkt eher so, als habe Hansen einfach wieder Lust gehabt, die Gitarren laut zu drehen und Songs zu schreiben, die nicht erst durch fünf Konzeptfilter müssen.
Genau das macht die Platte so sympathisch.
„Born With A Hammer“ ist rau, direkt und gitarrenlastig, ohne beliebig zu werden.
Die Refrains haben Wiedererkennungswert, die Riffs stehen weit vorne, und immer wieder blitzt diese Mischung aus Power-Metal-DNA, Hard-Rock-Schmutz und leichter Punk-Laune auf. Hansens Stimme bleibt natürlich Geschmackssache, aber sie ist sofort da, sofort zuzuordnen und passt genau zu dieser Art von Musik: nicht makellos, dafür voller Charakter.
Der Start packt sofort zu
„Feeding The Beast“ eröffnet kräftig und ziemlich typisch Hansen.
Schnelle Gitarren, melodischer Zug, viel Bewegung:
Das hat genug Power-Metal-Blut für die alten Fans, klingt aber nicht einfach wie ein vergessener Gamma-Ray-Song aus der Schublade. Der Track wirkt frisch genug, um als Einstieg zu funktionieren, und vertraut genug, um sofort die richtige Tür zu öffnen.
„Welcome To Life“ nimmt die Sache danach lockerer.
Da steckt mehr Rock’n’Roll drin, fast ein bisschen Straßenstaub statt Fantasy-Himmel. Gerade diese weniger heroische Seite steht Hansen gut.
Der Song zeigt, dass „Born With A Hammer“ nicht nur auf Tempo und Metal-Tradition baut, sondern auch eine angenehm bodenständige Rockseite hat.
Rauheit als Stärke
„Don’t Care“ und „Wait And See“ halten das Album auf Kurs, ohne alles auf Geschwindigkeit zu trimmen. Beide Songs leben stark von Hansens rauer Direktheit. Er singt nicht glatt, manchmal fast trotzig, aber genau das gibt dem Material Persönlichkeit.
„Born With A Hammer“ wäre schwächer, wenn es zu sauber oder zu edel klingen würde.
Diese Songs zeigen auch, dass Hansen seine Musik nicht unnötig verkopft. Da wird nicht an jeder Ecke versucht, eine neue Genregrenze einzureißen. Stattdessen geht es um Energie, Gitarren und Songs, die ihren Punkt machen. Das klingt simpel, ist aber gar nicht so selbstverständlich, wenn jemand auf eine so lange Karriere zurückblickt.
Der große Mittelpunkt
Der Titeltrack „Born With A Hammer“ ist mit gut acht Minuten das Zentrum der Platte.
Hier wird aus dem eher kompakten Hard-Rock- und Metal-Zug ein größeres Stück mit mehr Raum für Gitarren, Dynamik und klassische Hansen-Melodieführung.
Der Song nimmt sich Zeit, ohne völlig auszufransen.
Nicht jede Minute ist zwingend, aber der Track hat genug Substanz, um nicht bloß aufgeblasen zu wirken. Gerade die Gitarrenarbeit trägt viel, und man merkt, dass Hansen hier bewusst etwas größer denkt.
Als Herzstück des Albums funktioniert „Born With A Hammer“ sehr ordentlich
und gibt der Platte einen spürbaren Schwerpunkt.
Rotziger Gegenpol
Nach dem langen Titelstück wirkt „I.D.G.A.F.“ fast wie die logische Gegenbewegung.
Kürzer, frecher, weniger edel.
Der Titel verrät die Richtung, und erfreulicherweise klingt diese Attitüde nicht bemüht jugendlich. Eher so, als hätte Hansen einfach Spaß daran, einen Song nicht
zu sehr zu zähmen.
Genau solche Momente geben dem Album Leben.
„Born With A Hammer“ ist nicht nur ehrwürdiger Metal eines bekannten Namens, sondern hat auch diesen kleinen, unpolierten Funken. Das tut der Platte gut, weil sie dadurch weniger wie ein kontrolliertes Soloprojekt und mehr wie eine echte Rockaufnahme wirkt.
Melodie, Tempo und alte DNA
„End Of The Road“ schlägt wieder melodischere Töne an und setzt nach dem
längeren Titelstück und dem Trotz von „I.D.G.A.F.“ einen guten Ruhepunkt.
Der Song ist kein kompletter Ausreißer, aber ein starker Moment,
weil er die Platte kurz durchatmen lässt.
„Triple Trouble“ bringt anschließend wieder mehr Tempo und Spaß zurück, bevor „Invaders“ noch einmal tiefer in Hansens alte Metal-DNA greift.
Hier ist der klassische Power-Metal-Einschlag der zweiten Albumhälfte am deutlichsten zu hören. Größerer Refrain, breiteres Gitarrenbild, mehr Dramatik:
„Invaders“ dürfte viele Fans ziemlich direkt abholen.
Ein lockerer Abschluss
„Wonderland“ beendet das Album nicht mit maximalem Bombast, sondern eher
melodisch und leicht verspielt. Das passt überraschend gut.
„Born With A Hammer“ inszeniert sich nicht als großes Alterswerk und braucht deshalb
auch keinen überdramatischen Schluss.
Der Song lässt die Platte mit einem offenen, fast lockeren Gefühl ausklingen.
Auch die beteiligten Musiker tragen viel dazu bei, dass das Album lebendig wirkt.
Eike Freese, Alexander Dietz, Dan Wilding und Tim Hansen geben den Songs genug Druck, Präzision und Bewegung, damit „Born With A Hammer“ nicht wie ein reines Soloarchiv klingt. Es ist klar Hansens Platte, aber sie fühlt sich nicht einsam an.
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