VELVETEEN QUEEN – „The Greater Good“ Review: Schmutz, Glanz und ein bisschen Größenwahn
Die Schweden spielen Glam Rock nicht als Kostümparty, sondern als hungrige junge Band mit starken Refrains, alten Vorbildern und ein paar überraschend ernsten Momenten.

Tracklist:
1. Too Far Gone – 3:15
2. The Greater Good – 4:57
3. Talk or Walk – 3:17
4. Adrenaline – 3:14
5. Can’t Go Back In Time – 3:39
6. Chains – 3:28
7. It Ain’t Over – 3:14
8. Liar – 3:44
9. Best Of The Best – 3:14
10. Sorry – 3:43
11. Try (Try To Believe Me) – 5:42
Veröffentlichungsdatum: 18. September 2026
Label: Silver Lining Music
Genre: Hard Rock / Glam Rock / Sleaze Rock
Laufzeit: ca. 41:18 Min.
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Fazit der Redaktion:
„The Greater Good“ hat genug Schmutz, Melodie und Selbstbewusstsein, um mehr zu sein als nur die nächste junge Glam-Rock-Platte.
Velveteen Queen schreiben nicht jeden Song gleich stark.
„It Ain’t Over“ und „Best Of The Best“ bleiben näher an bekannten Mustern, als es nötig wäre. Dafür tragen „The Greater Good“, „Chains“, „Liar“ und „Sorry“
das Album deutlich nach oben.
Besonders interessant wird die Band dort, wo sie sich nicht nur auf Attitüde verlässt.
Weniger Pose, mehr Reibung – genau dann bekommt „The Greater Good“ sein eigenes Gesicht.
Keine Revolution. Aber eine Band, die hörbar lebt.
"Velveteen Queen verbinden auf „The Greater Good“ schmutzigen Glam Rock mit starken Hooks
und überraschend ernsten Momenten – besonders dann, wenn hinter der Pose Zweifel und Wut sichtbar werden, gewinnt das Album an Gewicht."
Was bekommen wir auf die Ohren?
Velveteen Queen machen keinen Hehl daraus, welche Art Rock sie mögen.
Große Gitarren, breite Refrains, etwas Dreck in der Stimme und dieses ständige Gefühl, dass der Song eigentlich noch größer werden müsste. Das sitzt.
Was „The Greater Good“ angenehm macht: Die Band versucht nicht, ihre Einflüsse zu verstecken, aber sie stellt sie auch nicht dauernd ins Schaufenster. Die Platte funktioniert am besten dort, wo man gar nicht mehr darüber nachdenkt, an wen etwas erinnert, sondern einfach beim Song bleibt.
Sören Andersen gibt dem Album dafür den passenden Rahmen.
Die Produktion ist klar und druckvoll, aber nicht steril.
Die Gitarren haben Biss, die Chöre sind groß genug, ohne jeden Refrain aufzublasen,
und Samuel Nilsson darf auch mal rauer oder fahriger klingen.
„Too Far Gone“ und „Adrenaline“ – Rock’n’Roll ohne Sicherheitsgurt
„Too Far Gone“ eröffnet mit genau der richtigen Mischung aus Exzess, Selbstironie und Übermut. Whiskey, Absturz, schlechte Entscheidungen – das ist alles nicht neu.
Aber Nilsson singt die Nummer mit genug Frechheit, dass sie nicht nach Pflichtübung klingt.
Der Song hat einen lockeren Groove, der Refrain sitzt sofort
und nach gut drei Minuten ist alles gesagt.
Ähnlich direkt geht „Adrenaline“ vor. Tourleben, zu wenig Schlaf, Bühne, immer weiter – hier geht es nicht um Tiefgang, sondern um Bewegung. Die Nummer ist kompakt gebaut und dürfte live noch besser funktionieren als auf Platte.
Beide Songs zeigen: Velveteen Queen können diese klassische Rock’n’Roll-Seite sehr gut. Interessanter wird es aber, sobald sie davon ein Stück weggehen.
Der Titeltrack trifft stärker
„The Greater Good“ ist einer der Songs, die dem Album Gewicht geben.
Lügen, Apathie, Wahrheit, gesellschaftliche Müdigkeit – plötzlich geht es nicht mehr nur darum, wer lauter oder cooler ist. Auch musikalisch bekommt das Stück mehr Raum. Das Piano von Peter Keys bringt eine andere Farbe hinein, die Gitarren arbeiten dynamischer und Nilsson singt kontrollierter.
Der Refrain bleibt groß, aber er wirkt nicht einfach nur groß um seiner selbst willen.
Genau dadurch setzt sich der Song ab. Er zeigt, dass die Band nicht bei den üblichen Rock’n’Roll-Themen stehen bleiben muss.
Schnell, direkt und nicht immer gleich nachhaltig
„Talk or Walk“ ist danach die kurze Ansage.
Kein langes Vorgeplänkel, sondern Konfrontation, Tempo und ein Refrain, der sofort funktioniert. Das Stück hat eine leicht punkige Kante und hält die Platte in Bewegung.
„Can’t Go Back In Time“ geht anschließend melodischer vor.
Das Thema Vergangenheit und verpasste Chancen bringt etwas Ruhe hinein, die Chöre machen den Song breiter. Gut gemacht, aber nicht ganz so prägnant
wie die besten Stücke der Platte.
Und genau hier zeigt sich ein kleiner Schwachpunkt von „The Greater Good“:
Manche Songs funktionieren problemlos, verschwinden aber zwischen den
stärkeren Nummern ein wenig.
„Chains“ ist stärker, weil die Band weniger macht
„Chains“ gehört für mich klar zu den Höhepunkten.
Der Song nimmt Tempo und Lautstärke zurück und gewinnt gerade dadurch.
Schuld, innere Fesseln, der Wunsch nach Freiheit – das bekommt mehr Raum, weil die Band nicht versucht, jeden Moment mit Gitarren zuzudecken.
Auch Nilsson wirkt hier stärker. Seine Stimme verliert etwas von der Rockpose und klingt verletzlicher. Das passt zum Thema und macht den Song glaubwürdig.
„It Ain’t Over“ und „Best Of The Best“ bleiben etwas zu nah am Muster
Bei „It Ain’t Over“ sitzt zwar alles an der richtigen Stelle, aber genau das ist gleichzeitig das Problem. Beziehung, Streit, kein echter Schluss, griffiger Refrain – funktioniert.
Nur bleibt wenig hängen, sobald die Nummer vorbei ist.
„Best Of The Best“ hat dagegen mehr Tempo und eine punkigere Kante, bleibt textlich aber ziemlich geradeaus. Ruhm, Ehrgeiz, Durchbeißen – alles passend, nur eben
wenig überraschend.
„Liar“ bringt wieder Reibung
„Liar“ ist deutlich stärker.
Der Song wirkt härter und dichter, Nilsson singt aggressiver, die Gitarren bekommen mehr Druck. Thematisch geht es um Manipulation, Angst und Misstrauen – also um etwas, das im Albumkontext deutlich mehr Reibung erzeugt als die üblichen Selbstbehauptungsnummern.
Gerade deshalb bleibt „Liar“ hängen.
Der Song muss stilistisch gar nicht weit ausbrechen.
Es reicht schon, dass er etwas unangenehmer klingt.
„Sorry“ funktioniert ohne großes Drama
„Sorry“ ist einer der ruhigeren Momente und einer der besseren.
Die Nummer handelt von Abschied, Schuld und dem Wissen, dass man gehen muss, obwohl emotional noch nicht alles vorbei ist. Die Band hält sich zurück, die Gitarren lassen Raum und Nilsson singt deutlich reduzierter.
Genau das passt.
Ein großes Finale, das etwas kürzer sein dürfte
„Try (Try To Believe Me)“ nimmt sich mit fast sechs Minuten am meisten Zeit.
Das Thema Durchhalten, Selbstvertrauen und Zweifel passt gut an den Schluss.
Der Song baut sich langsam auf, wird größer und gibt Nilsson viel Raum.
Ganz straff bleibt das nicht. Gegen Ende zieht sich die Nummer etwas, und ein paar Minuten weniger hätten vermutlich nicht geschadet.
Trotzdem ist sie als Abschluss stimmig.
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