Kindred North – „Kindred North“ Review: Achtziger-DNA mit modernem Druck
- Redaktion

- vor 2 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Große Refrains, kräftige Gitarren und viel Melodic-Rock-Gefühl: Kindred North verbinden auf ihrem Debüt klassisches AOR-Handwerk mit einer Produktion, die deutlich im Hier und Jetzt steht.

Tracklist:
1. A Guiding Heart – 6:16
2. Natural High – 3:22
3. If This Is Love – 3:45
4. Learn To Love Again – 4:41
5. A Billion Miles Away – 5:35
6. Walk Through The Fire – 3:04
7. Dance The Night Away – 4:18
8. Runaway – 4:12
9. Divine – 4:02
10. Lose Control – 4:09
11. It’s Hard To Say Goodbye – 4:21
Veröffentlichung: 21. August 2026
Label: Pride & Joy Music
Genre: Melodic Hard Rock / AOR
Laufzeit: 47:45 Minuten
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Fazit der Redaktion:
„Kindred North“ ist ein überzeugendes Debüt für Melodic-Hard-Rock-Fans,
die große Refrains, kräftige Gitarren und Achtziger-Flair mögen,
aber keinen billigen Retro-Abklatsch brauchen.
Die Band bewegt sich hörbar in bekannten Genre-Bahnen und erfindet den AOR nicht neu. Das ist allerdings kaum ein Problem, weil die Umsetzung stimmt.
Andi Kravljaca überzeugt stimmlich, Andreas Nergard bringt das nötige Gespür für große Melodien mit und Simone Mularoni sorgt dafür, dass das Album modern,
druckvoll und klar klingt.
Am stärksten sind „Natural High“, „Learn To Love Again“, „A Billion Miles Away“ und „Lose Control“. Gerade dort zeigt sich, dass Kindred North mehr sind als ein nostalgischer Rückblick auf die Achtziger.
Ein Debüt mit viel Genreverständnis, starken Songs und genug eigener Energie,
um nicht im Retro-Regal zu verstauben.
"Achtziger-DNA ohne Staubschicht: Kindred North liefern Melodic Hard Rock mit ordentlich Druck."
Was bekommen wir auf die Ohren?
Kindred North ist das gemeinsame Projekt von Andi Kravljaca und Andreas Nergard. Kravljaca kennt man unter anderem von Seventh Wonder, Hydra und Find Me,
Nergard aus seinem eigenen Melodic-Rock-Umfeld.
Das erklärt den hohen musikalischen Standard des Albums, aber nicht vollständig seine Wirkung. „Kindred North“ klingt nicht wie ein Nebenprojekt, das zwischen zwei Terminen schnell fertiggestellt wurde. Hier wollten zwei Musiker hörbar ein Album bauen, das große Refrains, saubere Arrangements und Gitarrenarbeit wieder ernst nimmt.
Dabei bleibt die stilistische Richtung klar. Kindred North bewegen sich tief im
Melodic Hard Rock und AOR, greifen deutlich auf Achtziger-Einflüsse zurück und
vermeiden trotzdem, in bloßer Nostalgie stecken zu bleiben.
Ein selbstbewusster Auftakt
Mit „A Guiding Heart“ beginnt das Album ungewöhnlich ausladend. Mehr als sechs Minuten nimmt sich der Song Zeit für Spannungsaufbau, Gitarrenlinien und große Gesangsbögen.
Statt sofort auf einen schnellen Radio-Refrain zu setzen, entwickelt sich das Stück schrittweise. Der Einstieg ist fast schon demonstrativ selbstbewusst und zeigt, wo
Kindred North hinwollen:
Melodic Hard Rock mit Substanz und Gewicht, nicht nur mit Hochglanz.
„Natural High“ trifft genau ins Genreherz
„Natural High“ ist danach der offensichtlichere Türöffner.
Der Song besitzt mehr Tempo, mehr Leichtigkeit und diesen typischen Achtziger-Schub, der sofort an kommerziellen AOR und große Hard-Rock-Refrains erinnert.
Die Vorbilder sind hörbar. Europe, Winger und Dokken stehen gewissermaßen mit im Raum. Trotzdem wirkt „Natural High“ nicht wie eine bloße Stilübung.
Der Refrain sitzt, die Gitarren haben genügend Biss und die Keyboards bringen Farbe ins Arrangement, ohne alles weichzuspülen.
Gerade hier zeigt sich eine der großen Stärken des Albums:
Kindred North verstehen sehr genau, welche Elemente dieses Genre braucht
– und setzen sie kontrolliert ein.
Große Gefühle ohne völligen Zuckerguss
„If This Is Love“ hält die melodische Linie, bleibt dabei kompakter und etwas direkter.
Mit „Learn To Love Again“ folgt die erste große Ballade des Albums.
Andi Kravljacas Stimme funktioniert hier besonders gut.
Der Song lebt von klassischer Melodic-Rock-Dramatik:
Schmerz, Hoffnung und große Emotionen treffen auf einen Refrain,
der bewusst weit aufmacht.
Natürlich bewegt sich das nah am Genre-Kitsch. Doch Kindred North ziehen die Nummer mit genügend Überzeugung durch, sodass sie nicht zur bloßen Pflichtballade verkommt.
Wer große Melodic-Rock-Gesten mag, bekommt hier genau das, was er sucht.
Mehr Tiefe in „A Billion Miles Away“
Mit „A Billion Miles Away“ wird das Album etwas schwerer und nachdenklicher.
Die Gitarren besitzen mehr Gewicht, die Stimmung wirkt dunkler und
weniger sonnig als zuvor.
Gerade dieser Song zeigt, dass Kindred North mehr können als nur helle Hooklines und große Refrains. Die Band lässt mehr Raum für Atmosphäre und wirkt dabei deutlich ernster.
„Walk Through The Fire“ zieht anschließend wieder an und bringt das Album zurück auf die Straße. Der Song ist kompakter, direkter und stärker auf Vorwärtsbewegung ausgelegt.
Gute Laune mit Ansage
„Dance The Night Away“ ist der leichteste Song der Platte.
Vieles wirkt hier bewusst sonnig, eingängig und fast schon sorglos.
Man kann das charmant finden oder etwas vorhersehbar.
Handwerklich funktioniert der Song jedoch einwandfrei.
Der Refrain sitzt, die Produktion bleibt druckvoll und das Stück erfüllt genau
seine Rolle innerhalb des Albums.
Kindred North zeigen hier, dass sie sich nicht davor scheuen, einfach mal einen Song zu schreiben, der Spaß machen soll.
Klassischer Melodic Hard Rock mit modernem Fundament
„Runaway“ und „Divine“ liegen stärker im klassischen Melodic-Hard-Rock-Feld.
Vieles klingt vertraut, aber niemals altbacken.
Das liegt vor allem an der Produktion von Simone Mularoni.
Die Drums besitzen ordentlich Druck, die Gitarren stehen klar im Mix
und die Chöre sind breit, ohne steril zu wirken.
Gerade in einem Genre, das schnell in Plastikglanz oder
künstliche Retro-Ästhetik kippen kann, ist diese Balance wichtig.
Kindred North klingen modern genug, um nicht museal zu wirken, und klassisch genug,
um ihre Zielgruppe sofort abzuholen.
„Lose Control“ bringt noch einmal mehr Kante
Gegen Ende sorgt „Lose Control“ für einen willkommenen Schub.
Der Song besitzt mehr Härte, mehr Druck und eine etwas aggressivere Grundhaltung.
Natürlich bleibt auch hier alles kontrollierter Melodic Rock. Doch genau diese zusätzliche Kante verhindert, dass das Album auf den letzten Metern zu glatt wird.
„It’s Hard To Say Goodbye“ beendet die Platte schließlich erwartbar emotional.
Als Abschluss funktioniert die Ballade gut, weil sie nicht nur auf den
klassischen Feuerzeug-Moment setzt,
sondern das Album mit einer gewissen Wehmut auslaufen lässt.
Vertraut, aber nicht beliebig
Natürlich ist auf „Kindred North“ vieles nicht neu.
Die Schatten von Europe, Winger und Dokken sind deutlich sichtbar, und manche Wendung kennt man aus Jahrzehnten Melodic-Rock-Geschichte.
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Ausführung.
Kindred North spielen diese Musik nicht mit ironischer Distanz und auch nicht wie eine Coverband der eigenen Plattensammlung.
Die Songs sind ernst gemeint, stark gesungen, sauber arrangiert und oft genug
mit echtem Zug nach vorne versehen.
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