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Konzertbericht: Universum25 - Die Maschinen wollen leben - Tourfinale

Konzert vom 28. Februar 2026 aus der Tante JU, Dresden (Support: SOAB)


Tourplakat Die Maschinen wollen leben - Universum25

Sechs Konzerte lagen bereits hinter Universum 25, als am 28. Februar 2026 in der ausverkauften Tante JU das Finale der Release-Tour über die Bühne ging.


Es war dieser besondere Moment, der nur am Ende einer Tour entsteht:

kein routiniertes Abspulen, kein Blick mehr auf die nächsten Termine im Kalender,

nur noch der eine Abend, der alles bündelt, was zuvor auf der Reise gewachsen ist.


Das Publikum erwartete Musiker, die jeder für sich längst ein eigenes Kapitel deutscher Musikgeschichte geschrieben haben:

Michael Robert Rhein (In Extremo), Gunnar Schroeder (Dritte Wahl),

Pat Prziwara (Fiddler’s Green), Rupert Keplinger (Eisbrecher) und Alex Schwers (Slime).


Gemeinsam stehen sie für Jahrzehnte musikalischer Erfahrung und für eine Formation,

die ihre Kräfte in Universum 25 bündelt.


Universum 1

Doch bevor es richtig losging, betraten die Rostocker Jungs von SOAB die Bühne,

um dem Publikum in der Tante JU ordentlich einzuheizen.



Support: SOAB – Alternativer-Nu-Metal-Punk aus Rostock

SOAB 1

Der Einstieg mit „Hausverbot“ war direkt, körperlich, ohne Aufwärmphase.


Sänger Georg Salomon ging beim Opener direkt in die Offensive und hielt der ersten Reihe das Mikrofon für kleine Textabfragen unter die Nase.



...die Auserwählten bestanden den Test mit Bravour.


Mit spürbarer Lautstärke und dem druckvollen „Scheißegal“ setzten SOAB ein

klares Zeichen. Der Song wirkte wie eine bewusste Ansage.


SOAB 4

...direkt, ohne Zwischentöne.


Dabei verfolgte die Band augenzwinkernd ein erklärtes Nebenziel:

Die Kollegen von Universum 25, die im Backstage eigentlich Fußball schauen wollten, sollten die Energie durchaus mitbekommen.


SOAB 5

...ein kurzer, humorvoller Moment inmitten der hohen Dezibelzahl.


Dass SOAB mehr können als nur Party liefern, stellte Frontmann Georg Salomon im Laufe des Sets klar. Mit einem Augenzwinkern griff er das gängige Klischee auf – man sei schließlich nur eine „Saufliedtruppe“ – um im nächsten Moment genau dieses Vorurteil gekonnt zu widerlegen.


SOAB 7

Mit „Gib mir Zeit“ veränderte sich die Atmosphäre im Raum spürbar.

Der Song nahm Tempo heraus, ließ die Lautstärke nicht verschwinden, aber rückte den Inhalt stärker in den Vordergrund.


SOAB 6

Die Zeilen wirkten persönlicher, weniger provokant, dafür direkter.


Es ging um Zweifel, um Überforderung, um das Eingeständnis, dass Stärke nicht bedeutet, alles allein tragen zu müssen. Die Performance wurde damit zu mehr als einem musikalischen Zwischenton – sie war ein klarer Hinweis darauf, dass hinter aller Energie und Ironie auch Ernsthaftigkeit steckt.


SOAB 8

Nach den ruhigeren Tönen kehrte die Leichtigkeit zurück. SOAB holten ihre Heimat klanglich mit in die Tante JU – ein Stück Ostsee mitten im Club.


Georg Salomon übernahm kurz die Rolle des Animateurs, zeigte mit vollem Körpereinsatz die Bewegungen vor, ließ Arme kreisen, Schultern wippen, bevor er wieder zur Gitarre griff.


SOAB 9

Die Reaktion kam sofort.


Nach und nach hoben sich die Handylichter, ein kleines, flackerndes Lichtermeer entstand.


Die Menge imitierte gemeinsam das Wellenreiten – kein chaotisches Durcheinander, sondern ein gleichmäßiges Auf und Ab aus Lichtpunkten.


SOAB 10

Für einen Moment wirkte der Raum weiter, offener, fast maritim.

Ein spielerischer Abschnitt, der zeigte, wie schnell sich die Energie

eines Clubs verwandeln kann.


SOAB 12

Die Stimmung in der Tante JU war inzwischen so dicht, dass selbst überraschende Momente nicht mehr aus dem Gleichgewicht brachten.


Beim Song „Überfall“ reagierte das Publikum geschlossen auf das Zeichen von SOAB:


SOAB 13

Reihenweise gingen die Leute in die Knie, warteten auf den Einsatz und sprangen im richtigen Moment wieder hoch. Die Bewegung wirkte koordiniert, fast selbstverständlich,

als hätte man das gemeinsam geprobt.


SOAB 14

Mit „Get the Fuck up“ setzte Georg Salomon noch einen drauf.

Ohne lange Ankündigung wagte er den Sprung ins Publikum. Der Stagedive geriet weniger spektakulär als impulsiv – der Weg zurück auf die Bühne zog sich sichtbar.


SOAB 15

Doch gerade diese kleine Unwägbarkeit machte die Szene glaubwürdig.

.

Es war kein perfekt kalkulierter Effekt, sondern ein Ausdruck der Energie dieses Moments. Und genau diese Unmittelbarkeit trug den Auftritt bis in die letzten Reihen.


SOAB 16

Zum Ende ihres Sets bündelten SOAB noch einmal alle Reserven.

Beim Cover von Nina Chuba – „Ich hass dich“ – erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt.


Der Refrain wurde laut mitgetragen, die Bewegungen vor der Bühne wurden intensiver, die Distanz zwischen Band und Publikum war längst aufgehoben.


SOAB 17

Mit „Dinos aus dem All“ setzten die vier Rostocker schließlich einen klaren Ausblick auf ihr kommendes Album. Der neue Song wirkte selbstbewusst und ließ erkennen, wohin die Reise gehen könnte – energiegeladen, kantig und mit einem Augenzwinkern.


SOAB 18

Unterm Strich blieb ein Auftritt, der laut war, stellenweise nachdenklich und

in seiner Haltung bewusst unangepasst.


Ein Support-Set, das nicht nur aufwärmte, sondern eigene Akzente setzte.


SOAB 19

Fazit:

SOAB nutzten ihre Support-Zeit nicht als bloße Einstimmung, sondern als eigenständige Visitenkarte. Zwischen provokanter Direktheit, humorvollen Seitenhieben und inhaltlich ernsteren Momenten zeigten sie ein breiteres Spektrum, als es das Etikett „Partybands“ vermuten ließe. Die Energie blieb roh und stellenweise ungeschliffen, wirkte gerade dadurch glaubwürdig. Am Ende stand kein reines Warm-up, sondern ein kompaktes Set mit klarer Haltung – laut, nahbar und bewusst unangepasst.




Universum 25: Zwischen Apokalypse und Euphorie

Kurz vor 21:00 Uhr senkte sich das Licht in der Tante JU erneut. Gespräche verebbten, die Bühne lag für einen Moment im Halbdunkel. Dann setzte „Wenn Roboter träumen“ ein,

der Opener des neuen Albums, das erst wenige Tage zuvor erschienen war.


U25 1

Der Sound wirkte kontrolliert, beinahe mechanisch. Elektronische Elemente legten ein kühles Fundament, über das sich Gitarren und Stimme schichteten. Gerade dieser sachliche, fast technische Klang stand im

deutlichen Kontrast zur aufgeheizten Clubatmosphäre.


U25 2

Während im Raum Körper dicht an dicht standen und die Luft spürbar warm war, erzählte die Musik von Maschinen, Algorithmen und einer Welt zwischen Fortschritt

und Kontrollverlust.


U25 3

Universum 25 nahmen sich keine Anlaufzeit. Mit dem ersten Song zogen sie das Publikum unmittelbar in ihr thematisches Spannungsfeld. Die dystopische Bildsprache blieb dabei nicht abstrakt, sondern wirkte greifbar – als würde man direkt in dieses klangliche Universum hineingezogen, das gleichermaßen kühl konstruiert

und emotional aufgeladen war.


U25 4

Mit den ersten Takten von „Irgendwann“ gewann der Abend weiter an Dynamik.

Universum 25 spielten den Song nicht als nostalgische Reminiszenz, sondern in ihrer eigenen, deutlich druckvolleren Lesart. Die Version löste sich hörbar vom Original von Fiddler's Green und fügte sich nahtlos in das klangliche Konzept des Abends ein.


U25 5

Bevor es weiterging, nahmen sich Pat, Micha und Gunnar in der ersten Reihe der Bühne einen Moment für ihr Publikum. Gut gelaunt, mit sichtbarer Spielfreude und dem augenzwinkernden Hinweis, man sei „frisch frisiert und geduscht“, lockerten sie die Atmosphäre auf. Es war dieser kurze, menschliche Einschub, der den Kontrast zur inhaltlichen Schwere des Materials noch deutlicher machte.


U25 6

Denn thematisch bewegte sich das neue Album zwischen Apokalypse, künstlicher Intelligenz und den Schattenseiten einer hochtechnisierten Welt. Die Texte zeichneten düstere Szenarien, doch die Energie im Raum war alles andere als resigniert.


...das Publikum wirkte wach, aufmerksam und spürbar verbunden.


U25 7

Mit „Ich geb dir mehr“ verschob sich der Schwerpunkt des Abends deutlich.

Universum 25 zogen das Tempo an, der Sound wurde kompakter, direkter. Gitarren und Rhythmussektion arbeiteten enger zusammen, die elektronischen Elemente

traten einen Schritt zurück.


U25 8

Auch das Debütalbum von 2023 bekam seinen Raum.

„Das ist die neue Zeit“ und „Harte Kost“ wirkten live noch entschlossener als auf Platte. Die Songs entfalteten ihre Wirkung weniger durch Lautstärke als durch Klarheit.


U25 9

Bei „Wir warten“ verlagerte sich das Gewicht schließlich vollständig ins Publikum.

Der Refrain wurde nahezu geschlossen mitgesungen, laut und getragen, sodass die Stimmen zeitweise über der Band lagen.


Dann folgte ein bewusster Bruch im Ablauf.


U25 10

Mit „Einsamkeit“ nahm die Band das Tempo zurück, ohne die Intensität zu verlieren.

Der Song richtete den Blick weg von der kollektiven Euphorie und hin zu den stilleren Momenten.


Während im Club Schulter an Schulter gefeiert wurde, erzählte der Text

von Isolation und innerer Distanz.


U25 11

Die Musik blieb kraftvoll, aber konzentrierter. Es entstand kein leiser, sondern ein verdichteter Moment. Man spürte die Spannung im Raum – nicht als Traurigkeit, sondern als Nachhall der Worte. Genau in diesem Wechsel zwischen Härte und Nachdenklichkeit zeigte sich die Stärke des Sets.


Bei Universum 25 wird schnell deutlich, dass hier keine zufällige Konstellation auf der Bühne steht. Die individuellen Wurzeln der Musiker blitzen immer wieder auf

– nicht dominant, sondern wie kleine Verweise auf das, was sie mitgebracht haben.


U25 12

Als sie „Mit Ebbe und Flut“ von Slime anstimmten, kippte die Atmosphäre spürbar in Richtung Punk-Attitüde. Der Song brachte Bewegung in die vorderen Reihen,

trieb Staub aus den Gedanken und setzte einen raueren Akzent

im ansonsten elektronisch geprägten Set.


Dass Universum 25 mehr sind als eine lose Zusammenkunft bekannter Namen, zeigte sich vor allem in den Zwischenräumen der Songs. Es wurde gescherzt, kommentiert, gelobt.


U25 13

Die Dynamik wirkte vertraut, nicht einstudiert. Besonders deutlich wurde das, als Gunnar mit einem augenzwinkernden „Opa, erzähl mal…“ die Hintergrundgeschichte zu

„Manchmal frag ich mich“ einleitete.


Michael Rhein, sonst gewohnt wortgewandt und souverän, fehlten für einen Augenblick die Worte – und gerade dieser spontane Moment ließ die besondere Verbindung innerhalb der Band spürbar werden.


Doch immer wieder war es Michael Rhein, der ins Zentrum des Geschehens rückte und den emotionalen Momenten des Abends ein Gesicht gab.


U25 14

Mit seiner unverwechselbaren Stimme und seiner selbstverständlichen Bühnenpräsenz ließ er das Publikum kaum einen Moment los.


Bei „Genug“ wurde es laut. Die Menge übernahm weite Teile des Refrains, sang mit einer Intensität, die den Club vibrieren ließ. Doch Universum 25 beschränkten sich nicht auf Härte. Auch die leisen, persönlichen Töne fanden ihren Platz.


U25 15

Besonders aufmerksam wurde es, als Gunnar auf die Dramaturgie der Setlist hinwies.

Mit „Vor deiner Tür“ und „Nur wegen Dir“ folgten zwei Liebeslieder direkt aufeinander – thematisch verwandt, sogar klanglich im Titel gereimt. Das Publikum honorierte diese bewusste Platzierung mit zusätzlichem Applaus für die Idee hinter der Reihenfolge.


U25 16

Überhaupt wirkte die Setlist wie ein kontrolliertes Auf und Ab: neue Stücke neben älteren, härtere Passagen neben emotionaleren Momenten, Tempo gegen Nachdenklichkeit.


Mit „Horizont in Flammen“ setzte Universum 25 ein hoffnungsvolles Zeichen.

Inmitten der oft dystopischen Themen klang hier Zuversicht durch.


U25 17

...kein naiver Optimismus, sondern ein bewusst gesetzter Lichtpunkt.


„Gardinen zu“ markierte das Ende des regulären Sets.

Der Song ist eine klare Aufforderung, nicht wegzusehen, sondern Haltung zu zeigen.

Die Energie entlud sich noch einmal konzentriert, bevor die Bühne kurz dunkel wurde.


U25 18

Die Zugaberufe ließen nicht lange auf sich warten.

Mit „Am Morgen danach“ und „Der Traum ist aus“ schloss die Band den Abend.

Zwei Stücke vom Debütalbum, kraftvoll vorgetragen, ohne übertriebene Geste.


U25 19

Als die letzten Töne verklangen, blieb kein abruptes Ende zurück, sondern das Gefühl eines sauber gesetzten Schlusspunktes.


...ein Tourfinale, das seine Dramaturgie bis zum letzten Akkord durchhielt.


U25 20


Fazit:

Universum25 gelang in der Tante JU ein Konzert, das inhaltliche Schwere und kollektive Energie präzise austarierte. Zwischen dystopischen Entwürfen und persönlicher Ansprache entwickelte sich ein Set, das nicht auf Dauerintensität setzte, sondern auf kontrollierte Dynamik. Elektronische Kühle, druckvolle Gitarren und bewusst platzierte Ruhepunkte griffen ineinander und hielten die Dramaturgie bis zum Schluss geschlossen.


U25 21

Gerade der Wechsel aus gesellschaftskritischer Zuspitzung, ironischen Zwischenmomenten und emotionaler Offenheit verlieh dem Abend Tiefe. Die Band wirkt nicht wie ein Projekt, sondern wie eine gewachsene Einheit mit klarer Haltung. Am Ende blieb kein Gefühl der Überwältigung, sondern eines bewusst gesetzten Schlusspunktes.


U25 22

...konsequent durchdacht, thematisch fokussiert und getragen von einem Publikum,

das den Spannungsbogen bis zum letzten Akkord mitging.




©Text: Saskia Giedow-Luboch

©Fotos: Stephan Sieger


Wir bedanken uns an dieser Stelle bei

Headline Concerts für die Akkreditierung und Organisation

sowie bei LSC Security für die nette Betreuung vor Ort.


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