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MICHAEL BORMANN’S JADED HARD – „South West“ Review: Starke Songs, gebremster Sound

vor 12 Stunden
4 Min. Lesezeit

Michael Bormann bleibt ein Sänger mit hohem Wiedererkennungswert. „South West“ verbindet melodischen Hard Rock, AOR und persönliche Rückblicke – starke Songs treffen allerdings auf eine Produktion, die gerade den Rocknummern etwas Druck nimmt.


Albumcover South West - Jaded Hard - Review

Tracklist:

1. Country Boy

2. Love, Touch And Trouble

3. Stop Those Rainy Days (30 Years Later)

4. That’s The Only Truth

5. In The Shadows Of The Night

6. I’ll Always Remember You

7. Kissed By You

8. There’s No Living Without You

9. I’m A Liar (That’s No Fantasy)

10. One Step Back

11. Cheers To (dedicated to Holger Bussler)



Veröffentlichungsdatum: 2. Oktober 2026

Label: RMB Records

Genre: Melodic Hard Rock / Hard Rock


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Fazit der Redaktion:

„South West“ besitzt eigentlich fast alles, was ein sehr gutes Melodic-Rock-Album braucht: starke Melodien, große Refrains und

vor allem Michael Bormanns unverwechselbare Stimme.


Die besten Stücke liegen deutlich auf der persönlicheren Seite.

„I’ll Always Remember You“, „Kissed By You“, „One Step Back“ und

„Cheers To“ erzählen von Verlust, Erinnerung, Liebe und Freundschaft, ohne komplett in den üblichen Genreformeln zu verschwinden.

Auch die Neuaufnahme von „Stop Those Rainy Days“ funktioniert, weil Bormanns gereifte Stimme dem alten Song eine andere Perspektive gibt.


Der größte Kritikpunkt bleibt der Sound. Bei mehreren härteren Nummern fehlt dem Schlagzeug der nötige Druck, während die Gitarren gelegentlich mehr Raum vertragen könnten. Gerade deshalb wirkt die zweite, emotionalere Albumhälfte oft stärker als die rockigeren Momente.


Trotzdem überwiegt klar die Qualität der Songs.



„I’ll Always Remember You“, „Kissed By You“ und „Cheers To“ zeigen, wie stark Michael Bormann klingt, wenn Erinnerungen und Verlust wichtiger werden als bloße AOR-Routine."



Was bekommen wir auf die Ohren?


Michael Bormann muss niemandem mehr beweisen, dass er große Melodien schreiben kann. Seine leicht heisere Stimme gehört seit den Jaded-Heart-Jahren zu den markantesten im deutschen Melodic Rock, und genau sie trägt auch „South West“.


„Country Boy“ eröffnet überraschend amerikanisch.


Heimat, Herkunft und der Gegensatz zwischen Land und Stadt treffen auf einen breiten Groove mit leichter Southern-Rock-Färbung. Mit über fünf Minuten ist die Nummer etwas großzügig bemessen, als Einstieg funktioniert sie trotzdem.



Direkter wird „Love, Touch And Trouble“.


Der Refrain sitzt schnell, Gitarren und Tempo passen

– hier zeigt sich allerdings auch das größte Problem des Albums.

Das Schlagzeug klingt trocken und relativ klein, die Gitarren könnten mehr Raum vertragen.


Alte Songs, neue Perspektive

Besonders interessant ist „Stop Those Rainy Days (30 Years Later)“.


Die Neuaufnahme des Jaded-Heart-Songs von 1996 gewinnt vor allem durch Bormanns heutige Stimme. Einsamkeit, fehlender Halt und die Suche nach einem Platz im Leben wirken drei Jahrzehnte später automatisch anders.


Akustische Passagen und kräftigere Ausbrüche greifen gut ineinander.

Hier wird Vergangenheit nicht einfach reproduziert, sondern neu betrachtet.



Auch „That’s The Only Truth“ profitiert davon, dass die Produktion etwas mehr Luft lässt. Der Song beginnt ruhig und wächst zur klassischen Powerballade über Dankbarkeit und einen Menschen, der auch Fehler und schwierige Zeiten ausgehalten hat.

Bormann singt das direkt und ohne unnötige Zurückhaltung.


Wenn der Sound den Songs etwas im Weg steht

Bei „In The Shadows Of The Night“ kehrt das Produktionsproblem zurück.

Der Song selbst besitzt Tempo und einen starken AOR-Refrain, doch die sehr präsenten Keyboards und das zurückhaltende Schlagzeug nehmen ihm etwas von der möglichen Härte.


Grundsätzlich ist „South West“ keineswegs schlecht produziert. Gerade die ruhigeren Stücke zeigen durchaus Dynamik. Es ist eher eine Frage der Gewichtung: Die Keyboards stehen häufig weit vorne, während Drums und Gitarren bei manchen Rocknummern mehr Biss vertragen hätten.


Das fällt umso stärker auf, weil das Songmaterial an diesen Stellen eigentlich genügend Energie besitzt.


„I’ll Always Remember You“ trifft am härtesten

Die stärkste Phase des Albums beginnt mit „I’ll Always Remember You“.


Verlust, eigene Fehler und eine Entschuldigung, die vielleicht zu spät kommt, bilden den emotionalen Kern. Bormanns Stimme klingt angeschlagen, aber nie übertrieben dramatisch. Der Refrain trägt die Melancholie, ohne daraus die nächste übergroße Powerballade zu machen.


Für mich ist das der stärkste Song der Platte.


„Kissed By You“ folgt mit einer völlig anderen Farbe.


Das elektronische Intro erinnert kurz an Synthwave und frühen Achtziger-AOR,

bevor Gitarren und Rhythmusgruppe übernehmen.

Textlich geht es nicht um riesige Liebesschwüre, sondern um gemeinsame Alltagsmomente:

aufwachen, reden, schlechtes Wetter miteinander verbringen.


Gerade diese Kleinigkeiten machen den Song sympathisch.

Dazu kommt ein warmer Refrain mit deutlicher Journey-Nähe.


Wenn Jaded Heart wieder etwas näher rückt

„There’s No Living Without You“ ist klassischer AOR über menschliche Nähe als Halt in schweren Zeiten. Gesang, Gitarren und Keyboards finden hier eine gute Balance, auch wenn musikalisch wenig überrascht.


Deutlich stärker ist „One Step Back“.


Fehler, Vergebung und die Einsicht, manchmal einen Schritt zurückgehen zu müssen, um überhaupt wieder voranzukommen, treffen auf einen der besten Refrains des Albums.


Hier ist die Verbindung zu Bormanns Jaded-Heart-Vergangenheit besonders deutlich hörbar – allerdings im positiven Sinn. Der Song klingt vertraut, ohne wie eine Kopie zu wirken.


Nicht jede Idee hält über die ganze Länge

„I’m A Liar (That’s No Fantasy)“ beginnt vielversprechend mit Piano und Stimme.


Später kommen Band und Gitarrensolo hinzu, während der Text eine Figur zeichnet, die mit Täuschung und emotionaler Kontrolle erstaunlich offen umgeht.

Atmosphäre ist vorhanden. Die häufige Wiederholung der Titelzeile schwächt den Song allerdings zunehmend. Etwas weniger wäre hier mehr gewesen.


Das gilt stellenweise auch für das Album insgesamt:

Bormann hat genügend gute Melodien, muss sie aber nicht immer

möglichst breit ausspielen.


„Cheers To“ beendet das Album persönlich

Der Abschluss gehört „Cheers To“, gewidmet Bormanns verstorbenem Weggefährten Holger Bussler.


Der Song blickt auf Fehler, schwierige Zeiten und Verlust zurück, richtet den Blick aber gleichzeitig auf Freundschaft, Liebe und jene Menschen, die geblieben sind.

Das halb-akustische Arrangement passt hervorragend dazu.


Der gemeinsame Trinkspruch im Refrain könnte leicht kitschig wirken, tut es hier aber nicht. Dafür ist der persönliche Hintergrund zu deutlich spürbar.

Ein leiserer, versöhnlicher Abschluss – und einer der Songs, die länger hängen bleiben.



Kontakt:


(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von GerMusica PR)

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