Konzertbericht: Beyond the Black - Rising High 2026 Tour
- Redaktion

- vor 2 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Support: Setyøursails und Seraina Telli aus dem Haus Auensee, Leipzig vom 31.01.2026

Draußen liegt die Stadt in winterlicher Kälte, drinnen füllt sich das Haus Auensee langsam mit Stimmen, Jacken rascheln, der Blick richtet sich zur Bühne.
Das Haus Auensee wird zum Treffpunkt für ein Publikum, das gekommen ist,
um modernen Metal in unterschiedlichen Facetten zu erleben.
Seraina Telli - Ein Wirbelsturm aus Rock, Glitzer und auch Gefühl
Punkt 19 Uhr richtet sich der Fokus im Haus Auensee auf eine einzelne Protagonistin und ihren Drummer. Seraina Telli betritt die Bühne ohne Umwege, präsent und konzentriert.
Sängerin, Songwriterin, Multi-Instrumentalistin –
die Rollen wechseln im Verlauf des Sets fast beiläufig.

Stilistisch bewegt sie sich zwischen Hard Rock, Metal und progressiven Elementen,
ohne diese Grenzen ausdrücklich zu markieren.
Schon das Bühnenbild setzt einen bewussten Kontrast. Leuchtende Riesenblumen,
grün umwundene Mikrofonständer und farbig illuminierte Drums brechen mit den üblichen Codes des Genres. Statt düsterer Reduktion entsteht ein fast verspielter Rahmen,
der die Musik nicht abschwächt, sondern anders rahmt.

Seraina Telli greift diese Bildsprache auf:
Perücke, Glitzerhut, eine Mischung aus Ironie und Selbstverständlichkeit
– ein Auftakt, der Haltung signalisiert, ohne erklärend zu wirken.

Musikalisch beginnt das Set mit „Let It All Out“.
Der Song fungiert als Türöffner, klar strukturiert, direkt gespielt.
Es folgen Stücke aus verschiedenen Phasen ihrer bisherigen Laufbahn.
„Wish You Well“ schlägt eine Brücke zum Debütalbum, während „17“ als Titel
aus ihrem aktuellen Album „Green“ frischer und kantiger wirkt.

Einen ruhigeren Moment gab dem Publikum der Song „Home“.
Der Song, ihrer Mutter gewidmet, reduziert Tempo und Lautstärke.
Zunächst am Keyboard, später mit Akustikgitarre, entsteht ein stillerer Abschnitt,
der den Raum hörbar verändert. Das Publikum reagiert zurückhaltend, aufmerksam.
Mit „Consequences“ kehrt Seraina Telli zur elektrischen Gitarre zurück
– kein Bruch, eher ein kontrollierter Übergang zurück zur vollen Banddynamik.

Mit „Song for the Girls“ verschiebt sich der Fokus erneut.
Der Titel funktioniert weniger als musikalischer Höhepunkt denn als kommunikatives Element. Viele im Saal stimmen ein, die Botschaft wird gemeinschaftlich getragen,
ohne pathetisch zu werden.

„I Dare To“ treibt das Set noch einmal nach vorne,
bevor mit „Love“ ein vergleichsweise offenes Ende gesetzt wird.

Kein großes Finale, keine überhöhte Geste.
Stattdessen ein klarer Gedanke, den Seraina Telli dem Publikum mitgibt:
„Mehr Musik, mehr Liebe!“

Als sie die Bühne verlässt, bleibt kein Nachhall von Lautstärke, sondern der Eindruck eines Auftritts, der bewusst zwischen Nähe, Ausdruck und Kontrolle balanciert.
Fazit:
Der Auftritt von Seraina Telli im Haus Auensee bewegte sich zwischen stilistischer Vielfalt, klarer Dramaturgie und bewusst gesetzten Brüchen.
Die Verbindung aus visueller Eigenständigkeit, musikalischer Kontrolle und
punktuell zugelassener Emotionalität wirkt durchdacht und geschlossen.
Am Ende steht kein lauter Höhepunkt, sondern ein stimmiges Gesamtbild
– konzentriert, eigenständig und konsequent umgesetzt.

Setyøursails - Das Beben aus Köln gegen den Rest der Welt
Nach einem kurzen, kaum 15-minütigen Umbau ist von der vorherigen Szenerie nichts mehr übrig. Die Bühne wirkt reduziert, dunkler, funktionaler.
Wo zuvor Farben dominierten, übernimmt nun eine klar ausgerichtete Energie.
Setyøursails aus Köln nutzen diesen Moment ohne Zögern.
Der Einstieg ist direkt, das Set von Beginn an auf Spannung ausgelegt.
Die Melodie der „Sendung mit der Maus“, in eine Metal-Version überführt,
sorgt für ein kurzes Innehalten im Publikum.
Ein ironischer Bruch, der jedoch nur wenige Sekunden anhält.

Mit „Bad Blood“ kippt die Stimmung schlagartig. Die ersten Reihen kommen in Bewegung, Körper und Rhythmus finden zueinander. Spätestens bei „Nightfall“ ist der Raum vollständig wach – gleichmäßiges Headbangen ersetzt das zuvor noch abwartende Stehen.

Im weiteren Verlauf steigert die Band das Tempo kontrolliert.
„Why“ dient weniger als Aufforderung denn als Ventil. Der Moshpit öffnet sich,
ohne chaotisch zu werden.

Bei „Mirror“ entsteht ein gemeinsamer Moment:
Auf Zeichen der Band geht das Publikum geschlossen in die Knie, um im nächsten Takt gemeinsam nach oben zu springen.
Für einen kurzen Augenblick verschwimmen Bühne und Saal.

„Bad Company“ bringt eine andere Dynamik ins Set. Der treibende Groove wirkt fast gleichförmig, zieht das Publikum nach vorne, ohne zusätzliche Erklärungen zu benötigen. Es ist ein Stück, das weniger durch Härte als durch Beharrlichkeit wirkt.

Zwischen den Songs wird deutlich, dass hinter der physischen Wucht eine klare inhaltliche Ebene liegt. Frontfrau Jules Mitch spricht offen über innere Kämpfe, über Unsicherheiten, über das Gefühl, nicht dazuzugehören. Besonders bei „T.F.M.F.“ verdichtet sich diese Haltung. Eine schwarze Fahne wird geschwenkt, das Statement bleibt unmissverständlich: klare Abgrenzung gegen Rassismus, Faschismus und Queerfeindlichkeit.

Keine Parolen, sondern eine eindeutige Position.
Zum Ende hin zieht das Set noch einmal an.
„Eternally“ leitet den Schlussteil ein, bevor bei „Fckoff“ der Chor aus dem Publikum übernimmt. Der wiederholte Ruf wird nicht angeleitet, sondern getragen.
Als Zugabe folgen „Halo“ und „Best Of Me“.
Danach endet der Auftritt so abrupt, wie er begonnen hat.

Fazit:
Der Auftritt von Setyøursails verdichtet Energie, Haltung und körperliche Präsenz zu einem kompakten Set ohne Umwege. Zwischen kontrollierter Eskalation und klar formulierter Position entsteht ein Spannungsbogen, der das Publikum konsequent einbindet, ohne ins Spektakelhafte zu kippen. Musikalischer Druck und inhaltliche Klarheit greifen ineinander.

Am Ende steht kein Überschwang, sondern ein Auftritt, der Wirkung entfaltet...

...weil er fokussiert bleibt.
Beyond The Black - Eine triumphale Show gegen alle Widerstände
Während das Publikum gespannt wartete, blieb das Geschehen auf der Bühne zunächst ein Geheimnis. Ein riesiger schwarzer Vorhang mit dem Bandnamen in markantem Weiß schirmte den Umbau ab. Erst um 21:00 Uhr, untermalt von den Klängen der Rolling Stones, fiel der Vorhang und gab den Blick auf eine spektakuläre Kulisse frei.
Die Szenerie wirkt aufgeräumt und gleichzeitig vielschichtig.
Das Schlagzeug ist erhöht positioniert, eingerahmt von LED-Flächen, die den gesamten Auftritt über visuelle Akzente setzen. Keine Überfrachtung, sondern begleitende Bilder,
die Songs und Stimmungen aufnehmen.
Im Zentrum steht Beyond The Black, die den Abend mit „Break the Silence“ eröffnen, gefolgt von „Hysteria“. Der Einstieg ist konzentriert, die Band wirkt von Beginn an präsent.

Im Fokus steht Sängerin Jennifer Haben, die das Geschehen ruhig führt.
Ihre Stimme setzt klare Akzente, ohne permanent im Vordergrund stehen zu müssen.
Zwischen den Songs nimmt sie sich Zeit, erklärt Hintergründe, spricht offen über die besondere Situation dieses Abends.
Denn der Auftritt steht unter ungewöhnlichen Umständen.

Der kurzfristige Ausfall von Stammdrummer Kai zwingt die Band zu einer Lösung innerhalb von 24 Stunden. Im ersten Teil übernimmt der Schlagzeuger von Setyøursails den Platz hinter dem Kit, später wird er von einem befreundeten Drummer namens Timmy abgelöst.
Beide agieren konzentriert, sichtbar fokussiert, und halten das komplexe Material stabil zusammen. Das Publikum reagiert aufmerksam, mit spürbarem Respekt für diese improvisierte Zusammenarbeit.

Musikalisch entfaltet sich das Set in Etappen.
Bei „Wounded Healer“ geht Jennifer Haben zum Synthesizer, der Song öffnet den Raum, ohne an Spannung zu verlieren. „Ravens“ wird visuell unterstützt, als sie mit goldenen Flügeln auf die Bühne zurückkehrt
– ein Bild, das weniger überwältigt als sich ruhig in die Gesamtästhetik einfügt.

Inhaltlich setzt „Let There Be Rain“ einen nachdenklichen Akzent.
Der Song thematisiert Zwischentöne und richtet sich gegen vereinfachte Sichtweisen
– eine Botschaft, die im Kontext des Abends bewusst platziert wirkt.

Mit „When Angels Fall“ und „Shine and Shade“ zieht das Tempo noch einmal an,
die Bewegung im Saal nimmt zu, bleibt jedoch kontrolliert.
„Shadows“ beschließt den regulären Teil des Sets ohne dramatische Zäsur,
eher als logischer Abschluss.

Für die Zugaben entscheidet sich die Band für einen pragmatischen, zugleich ungewöhnlichen Weg. Um die Belastung für die eingesprungenen Drummer zu reduzieren, laufen die letzten Songs ohne Live-Schlagzeug.
Der Drumsound kommt von der Tonspur, was der Atmosphäre kaum schadet.

Im Gegenteil: „The Art of Being Alone“ gewinnt durch die Videoeinblendungen an Intensität, wirkt reduziert und dicht.
„Running to the Edge“ und „Hallelujah“ schließen den Abend ab.

Fazit:
Der Auftritt von Beyond The Black entwickelt seine Wirkung weniger aus großen Gesten als aus der Summe vieler getragenen Entscheidungen. Unter Bedingungen, die den Abend leicht hätten kippen lassen können, entsteht ein Konzert, das von gegenseitigem Vertrauen, Ruhe und spürbarer Verantwortung füreinander geprägt ist.

Die Band spielt nicht gegen die Situation an, sondern integriert sie
– offen, transparent und ohne dramaturgische Überhöhung.
Gerade dadurch gewinnt der Abend an emotionaler Tiefe:
nicht als Ausnahmezustand, sondern als gemeinsamer Moment von Verletzlichkeit und Stabilität. Was bleibt, ist das Gefühl eines Konzerts, das nicht trotz, sondern wegen seiner Umstände lange nachwirkt.

In der Zwischenzeit erreichte uns die Nachricht, dass sich Chris aufgrund einer Netzhautablösung einer Notfall-Operation unterziehen musste. Der Eingriff ist gut verlaufen.
Aus dem Krankenhaus meldete er sich selbst mit einem kurzen Update und dankte für die überwältigende Unterstützung, die ihm in dieser ungewöhnlichen Situation viel bedeutet. Aktuell konzentriert er sich ganz auf seine Genesung – mit dem festen Versprechen, bald zurückzukehren.
"Wir wünschen Dir gute Besserung und das wir Dich bald wieder auf der Bühne sehen dürfen."

©Text: Saskia Giedow-Luboch
©Fotos: Stephan Sieger
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei
MPS Hanseatic GmbH für die Akkreditierung und Organisation
sowie bei LSC Security für die nette Betreuung vor Ort.





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