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Konzertbericht: Manntra - Titans Tour 2026 (Support: Wisborg)

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Bericht vom 09.Februar 2026 aus der Tante JU in Dresden...


Tourplakat Titans Tour 2026 - Manntra

Am 9. Februar 2026 war es noch ziemlich winterlich in Dresden.

Klare Luft, kalte Straßen, etwas Nieselregen in der Warteschlange. Was solls...


Pünktlich um 19 Uhr öffnete sich die Eingangstür der Tante JU.

Drinnen sammelte sich langsam Wärme – Gespräche an der Bar, schwarze Mäntel, erwartungsvolle Blicke Richtung Bühne.


Zwei Bands standen auf dem Plan, zwei sehr unterschiedliche Klangwelten.



Wisborg: Düstere Intensität und greifbare Nähe


Es begann früher, als viele erwartet hatten. Um 19:45 Uhr erlosch das Licht abrupt.

Kein langes Intro, keine Verzögerung.

Wisborg betraten die Bühne mit ruhiger Selbstverständlichkeit.


Der erste Akkord von „I Believe in Nothing“ durchschnitt das Stimmengewirr

im Raum wie ein klares Signal.


Wisborg 1

Die „Hey Hey“-Rufe waren kein Showtrick. Sie wirkten wie ein gemeinsames Atmen vor dem Sprung. Das Publikum brauchte nur Sekunden, um sich darauf einzulassen.


Bei „Kreatur der Nacht“ ging die Menge geschlossen in die Hocke

– ein starkes, fast stilles Bild, bevor sich alles wieder aufrichtete und in Bewegung geriet.


Wisborg 2

Man spürte, dass sich in der Band etwas verändert hatte. Mit Niko (der neue) an der Rhythmusgitarre wirkte das Klangbild kompakter, während Peter an der Leadgitarre neue Akzente setzte.


Wisborg 3

Besonders die Stücke des aktuellen Albums Phantomschmerz –

Totentanz“ und „Schmerz Vereint“ – trugen eine andere Schwere in sich.

Sie wirkten persönlicher, dichter, weniger verspielt.


Wisborg 4

Der emotionalste Moment entstand bei „Vampyre“.

Konstantin stieg von der Bühne, suchte Blickkontakt, sang einzelnen Fans direkt ins Gesicht. Kein Pathos, keine Distanz.

Für einen Moment war es egal, wo Bühne und wo Publikum begann.


Wisborg 5

Zum Ende hin verdichtete sich alles noch einmal. „The Bitter End“ (Cover von Placebo) brachte eine rauere Kante ins Set, bevor „Spirits That I Called“ den Kreis schloss.

Als Niko schließlich ins Publikum ging und das Finale mitten in der Menge spielte, war klar: Dieser Auftritt lebte nicht von Größe, sondern von Nähe.


Wisborg 6


Fazit:

Wisborg eröffneten den Abend ohne Inszenierung, sondern mit einem direkten, wirkungsorientierten Einstieg. In der aktuellen Besetzung wirkte das Klangbild kompakter und fokussierter; die Songs gewannen an Kontur und innerer Geschlossenheit.


Wisborg 7

Statt auf dramatische Effekte setzte die Band auf Präsenz, textliche Dichte und

die Nähe zum Publikum.


Gerade diese Reduktion verlieh dem Auftritt Nachhaltigkeit

– leise im Auftakt, aber klar in der Wirkung.




Manntra: Rhythmus, Ritual und Bewegung


Um 21:00 Uhr verschob sich die Atmosphäre in der Tante JU deutlich. Die Luft war inzwischen warm, der Raum verdichtet von Erwartung. Nach der düsteren Intensität zuvor wirkte der erste Ton von Manntra wie ein bewusst gesetzter Kontrast.


Manntra 1

Mit "Titans" fanden sie einen klaren Einstieg. Feurig-rhythmisch

Der Sound war erdig, direkt, weniger verspielt als zwingend. „Morana“ folgte nahtlos.


Spätestens hier war der Übergang vollzogen:


Die Menge bewegte sich geschlossener,

die Energie verlagerte sich vom Zuhören ins Mitgehen.


Manntra 2

Frontmann Marko nahm sich früh einen Moment für Worte. Er sprach über Erwartungen an Dresden, über die Reise, über das Gefühl, wieder hier zu sein.

Die Reaktion kam unmittelbar – laut, aber nicht schrill.


Manntra 3

Bei „Yelena“ hoben sich die Arme fast geschlossen.

Es wirkte nicht choreografiert, sondern wie eine natürliche Antwort auf den Rhythmus.

„In the Shadows“ wurde anschließend breit mitgesungen.


Kein einzelner Chor, eher viele Stimmen, die sich zu einer gemeinsamen Linie verbanden.


Manntra 4

Zwischen den Songs ließen Manntra bewusst Luft.

Vor „Teuta“ entstand eine Bier-Challenge zwischen Dodo und einem Fan

(später musste der Bandfotograf "dran glauben").

Das Publikum reagierte mit Gelächter und Anfeuerungsrufen.

Es war ein Moment, der den Abend erdete, ihn greifbar machte.


Danach setzte die Band wieder an, als wäre nichts gewesen – konzentriert, rhythmisch.


Manntra 5

Bei „Barren King“ entwickelte sich einer der eindrucksvollsten Momente des Abends. „Barren King“ himself kletterte auf ein Surfbrett und wurde über die Köpfe der Menge gehoben. Kein hektisches Driften, kein Sturz – das Brett bewegte sich ruhig durch die Menge. Unter ihm ein Netz aus Armen, das ihn stabil hielt. Auf der Bühne lief der treibende Beat weiter, die schwarze Fahne wurde geschwenkt.


Manntra 6

Das Foto wirkt fast rituell:

ein Musiker, getragen von seinem Publikum, ohne Distanz, ohne Sicherungsleine.

Für einige Minuten entstand eine stille Übereinkunft zwischen Bühne und Saal.


Vertrauen statt Spektakel.


Mit „Unholy Water“ verließ Marko die Bühne. Er ging singend durch die Reihen, blieb stehen, sah einzelnen Fans direkt ins Gesicht. Hände berührten seine Schultern, manche sangen ihm die Zeilen entgegen. Es wirkte weniger wie eine geplante Aktion als wie eine logische Fortsetzung der Nähe, die sich über das Set aufgebaut hatte.


Manntra 7

Ein deutlicher Kontrast folgte mit „Nur das Leben“. Auf Deutsch gesungen, vorsichtig angekündigt. Marko sprach davon, dass er weiter an der Sprache arbeite, dass sich manche Worte noch fremd anfühlten. Als der Song begann, wurde es merklich ruhiger.

Bunte Knicklichter tauchten die Tante JU in ein weiches, fast sanftes Licht.

Die Bewegungen im Publikum verlangsamten sich, Stimmen wurden leiser.


Manntra 8

Für einen Moment stand nicht die Energie, sondern das Zuhören im Mittelpunkt.


Bei „Slave“ griff Marko zur Akustikgitarre. Die Instrumentierung wurde reduzierter, klarer. Seine Botschaft blieb schlicht: Zusammenhalt in einer Zeit, die von Unsicherheit geprägt ist.


Manntra 9

Kein langer Monolog – nur ein Satz, der Raum bekam.


Mit „Higher“, „Skal“ und „Ori Ori“ kehrte die Dynamik zurück.

Der Boden vibrierte spürbar, die Menge sprang geschlossen.


Manntra 10

Ein kleines Drumsolo an der Bühnenkante deutete das Ende an.


Doch die Rufe aus dem Saal ließen kaum Zweifel,

dass es nicht dabei bleiben würde.


Manntra 11

Die Zugaben fühlten sich wie ein zweiter Atem an. „Heathens“ setzte kraftvoll an.

Bei „Kiša“ entstand ein Circle Pit, angestoßen von Dodo selbst, der die Bewegung mit einer Handgeste dirigierte. „Domain“ wurde von lauten „Manntra“-Rufen getragen, die Band antwortete mit „Dresden“-Chören – ein Wechselspiel, das sich mehrfach wiederholte.


Manntra 12

„Nightmare“ hätte den Abend beschließen können. Die letzten Takte klangen bereits nach Abschied. Doch dann folgte mit „Naranča“ noch ein zusätzlicher Moment, fast festlich.


Manntra 13

Marko schoss mit der Konfetti-Kanone in den Saal, Konfetti stieg auf, fiel langsam in die noch immer springende Menge.


Manntra 14

Die Gesichter waren gerötet, die Stimmen rauer als zu Beginn.


Als das Licht schließlich anging, wirkte der Raum kleiner als zuvor.

Nicht, weil er geschrumpft war – sondern weil sich die Distanz zwischen Bühne und Publikum über den Abend hinweg spürbar verringert hatte.


Manntra 15

Fazit:

Der Auftritt von Manntra verwandelte die Tante JU Schritt für Schritt in einen gemeinsamen Resonanzraum. Aus einem klar rhythmisch geführten Einstieg entwickelte sich ein Set,

das Energie, Nähe und Vertrauen miteinander verband.


Manntra 16

Humor, Rituale und ruhige Momente standen gleichberechtigt nebeneinander

und verstärkten sich gegenseitig.


Am Ende blieb kein Gefühl von Überwältigung, sondern von Verbundenheit – ein Konzert, das weniger durch Lautstärke als durch gemeinsames Erleben nachwirkte.




©Text: Saskia Giedow-Luboch

©Fotos: Stephan Sieger


Wir bedanken uns an dieser Stelle bei

Headline Concerts für die Akkreditierung und Organisation

sowie bei LSC Security für die nette Betreuung vor Ort.


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