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Lords of Fyre – Konzertbericht vom 10. Oktober 2025 aus der Swiss Life Hall, Hannover

Aktualisiert: 16. Okt.

"Feuer und Finsternis in Hannover".. wenn Pyro auf Pathos trifft...


Tourplakat Lords of Fyre 2025

Wer an Feuerschwanz denkt, hat sofort trinkfreudige Mittelalter-Partys, Humor, Met und dudelsackgeschwängerte Folk-Metal-Hymnen im Kopf.


Wer an Lord Of The Lost denkt, sieht düstere Gothic-Ästhetik, schwarz-glitzernde Leder-Outfits und brachiale Industrial-Klänge vor sich.


Dass diese zwei Extreme gemeinsame Sache machen, klingt zunächst unwahrscheinlich – und genau das machte die Lords Of Fyre Co-Headliner-Tour so faszinierend.

Am 10. Oktober 2025 zog sie rund 5.000 Fans in die Swiss Life Hall Hannover.

Hier feierten Kettenhemden neben Nietenjacken, Wikinger neben Gothics,

eine Begegnung von Feuer und Finsternis.



The Dark Side of the Moon – Epischer Auftakt mit Glanz und Growl

Den Start in diesen besonderen Abend übernahm die multinationale Symphonic-Metal-Band The Dark Side Of The Moon


Moon 1

Frontfrau Melissa Bonny (Ad Infinitum) betrat im gewohnt düster-glamourösen Outfit die Bühne und wechselte mühelos zwischen klarem Gesang und grollenden Screams. An ihrer Seite glänzten Hans Platz (Gitarre) und Jenny Diehl (Harfe) – beide von Feuerschwanz –, Morten Løwe Sørensen (Amaranthe) am Schlagzeug

und Korbinian Benedict (Ad Infinitum) am Bass.


Moon 2

In ihrem halbstündigen Set präsentierte die Band symphonischen Metal der Extraklasse: episch, melodisch und mit filmreifer Dramaturgie. Schon beim Opener „The Gates of Time“ brandete Begeisterung auf. Stücke wie „Jenny of Oldstones“, „Can’t Catch Me Now“ oder „Legends Never Die“ entführten das Publikum in eine andere Welt.


Moon 3

Ein besonders sympathischer Moment: Als die Band Harfenistin Jenny zum Geburtstag gratulierte, sang die ganze Halle mit – ein schöner Beweis, dass sich Härte und Herzlichkeit im Metal keineswegs ausschließen.


Moon 4


Lord Of The Lost – Dunkelheit trifft Glitzer

Lost 1

Als erster Headliner des Abends betraten Lord Of The Lost unter düsterem, pulsierendem Licht die Bühne. Dichte Schatten tanzten über die Gesichter der Fans, Nebel wogte über den Boden, während aus den Lautsprechern das gewaltige Intro anschwoll. Dann, ein gleißender Funkenregen – und mitten darin trat Chris Harms hervor:eine Erscheinung irgendwo zwischen barocker Eleganz und Cyber-Goth-Ästhetik, gehüllt in Schwarz und Metall, seine Silhouette eingerahmt von Flammen und zischenden Funken.Ein Bild, das sich ins Gedächtnis brannte – theatralisch, düster, elektrisierend.


Der Auftakt war von einer Intensität, wie sie nur Lord Of The Lost inszenieren können: opulent und kompromisslos. Die Band nutzte jede Sekunde, um Atmosphäre zu schaffen – zwischen Mystik, Bedrohung und unwiderstehlicher Faszination. Schon mit den ersten Tönen lag eine Spannung in der Luft, die sich wie ein dunkler Strom durch die Menge zog.


Lost 2

Mit „Moonstruck“ vom aktuellen Album

Opus Noir Vol. 1 und dem groovenden

„I Will Die In It“ legten die Hamburger los.

Vom ersten Ton an war das Publikum voll dabei.

Lord Of The Lost verstehen es meisterhaft, Dunkelheit und Eingängigkeit zu verbinden, Musik, die zugleich zum Headbangen und Tanzen einlädt.

Die Setlist war perfekt ausbalanciert zwischen neuen Tracks und Fan-Favoriten.

„Loreley“, „La Bomba“, „Drag Me To Hell“ – jeder Song trieb die Stimmung höher.



Bei „Die Tomorrow“ übernahm das Publikum die Führung – tausende Stimmen hallten durch die Swiss Life Hall, lauter und entschlossener als Harms selbst. Für einen Augenblick wurde aus dem Konzert ein Gemeinschaftserlebnis, getragen von purer Hingabe und diesem typischen Lord-Of-The-Lost-Gefühl zwischen Melancholie und Euphorie.


Kaum verklangen die letzten Töne, explodierte die Stimmung bei „Blood for Blood“,

ein einziger, tobender Schub aus Energie. Mitten in der Menge entstand ein

„One-Man-Circle-Pit“, wie ihn wohl nur Chris Harms’ Humor und das Feingefühl

seiner Fans möglich machen.

Statt Chaos herrschte ausgelassene Freude; es wurde gelacht, getanzt und gefeiert.


Dann erklang „Smalltown Boy“ – der 80er-Klassiker von Bronski Beat, neu geboren in einer düsteren, hypnotischen LOTL-Version. Melancholie und Energie verschmolzen, und die Halle verwandelte sich in eine pulsierende Gothic-Disco, durchzogen von Licht, Nebel und einem Meer aus tanzenden Schatten.


Ein Moment, der zeigte, warum Lord Of The Lost weit mehr sind als eine Band,

sie sind Grenzgänger, Geschichtenerzähler, Emotion pur.


Lost 3

Dann bewiesen Lord Of The Lost einmal mehr ihren Sinn für Humor und ihren Mut, Genregrenzen mit einem Augenzwinkern zu sprengen. Mit dem irrwitzigen „Cha Cha Cha“, dem Eurovision-Hit des Finnen Käärijä, brachten sie plötzlich grellgrüne finnische Party-Vibes in die dunkle Gothic-Höhle der Swiss Life Hall.


Chris Harms tänzelte im Rhythmus, die Band spielte mit übertriebener Theatralik – und das Publikum jubelte, klatschte und gröhlte, als hätte man kurzzeitig eine Metal-Version des ESC auf die Bühne geholt.


Doch direkt im Anschluss folgte ein Bruch, der saß.

Mit „Schrei nach Liebe“ von Die Ärzte setzten Lord Of The Lost ein deutliches Statement gegen Hass, gegen Intoleranz, für Zusammenhalt. Schon beim ersten „Arschloch!“ tobte die Menge, 5.000 Stimmen vereinten sich zu einem wütenden, lauten, ehrlichen Aufschrei. Man spürte, dass dieser Moment echt war – kein kalkuliertes Cover, sondern eine Botschaft mit Haltung. Und so verwandelte sich die Halle für wenige Minuten in ein Meer aus Fäusten, Herzblut und klarer Ansage: Hier ist kein Platz für Hass.


Lost 4

Die wohl größte Überraschung des Abends folgte ohne große Ansage – aber mit umso größerer Wucht: „Children of the Damned“ von Iron Maiden.

Schon die ersten Gitarrenakkorde ließen die Kenner im Publikum aufhorchen, und spätestens, als Chris Harms die ersten Zeilen anstimmte, war klar:


Das ist ein Tribut an die Wurzeln des Heavy Metal.


Lord Of The Lost interpretierten den Klassiker auf ihre ganz eigene Weise: kraftvoll, düster, fast sakral. Die Gitarren heulten mit ehrfurchtsvoller Präzision, die Drums donnerten schwer und getragen, während Harms’ Stimme zwischen Respekt und roher Leidenschaft schwankte. Es war, als würde die Band kurz den Vorhang lüften und zeigen, woher all das kommt – das Pathos, die Wucht, der Anspruch, Musik größer zu denken als bloß als Klang.


Das Publikum lauschte gebannt, viele sangen mit, andere standen einfach still, genossen diesen Moment zwischen Nostalgie und Neuerfindung.Ein stilles Nicken in Richtung Vergangenheit – und ein lautes Bekenntnis dazu, was Metal in seiner Essenz immer war: pure, ehrliche Leidenschaft.


Natürlich durfte „Blood & Glitter“ nicht fehlen. Der ESC-Song von 2023 krönte das Set und ließ die Swiss Life Hall in einem glitzernden Inferno aus Licht, Rauch und rotem Konfetti versinken. Mit einem letzten „Stay dark and glitter!“ verabschiedeten sich die Hamburger in die Umbaupause.


Lost 5

Feuerschwanz – Mittelalter in Flammen

Nach einer kurzen Verschnaufpause verdunkelte sich die Halle erneut.

Langsam kroch dichter Nebel über die Bühne, legte sich über die Lautsprecher und kroch in die ersten Reihen – wie der Atem eines erwachenden Drachen. Die Gespräche im Publikum verstummten, nur das leise Zischen der Nebelmaschinen war zu hören. Dann ein dumpfer Trommelschlag. Noch einer. Immer schneller folgten Fanfaren, Trommeln, erste Lichtblitze – der Pulsschlag des bevorstehenden Spektakels.


Feuerschwanz 1

Mit einem ohrenbetäubenden Knall, begleitet von einer Wand aus Feuer, stürmten Feuerschwanz die Bühne. Allen voran Hauptmann Feuerschwanz, gehüllt in eine funkelnde, goldene Rüstung, die das Licht der Flammen reflektierte und ihn wie einen Krieger aus einer anderen Zeit erscheinen ließ. Das Publikum jubelte, als die Band die ersten Akkorde anstimmte – und die Swiss Life Hall sich in eine tobende Taverne aus Klang, Feuer und Adrenalin verwandelte.



Schon beim Opener „SGFRD Dragonslayer“ schossen meterhohe Flammen im Takt der Musik empor. Wenn LOTL schon Pyro geliefert hatten, dann zündeten Feuerschwanz jetzt das ganze Arsenal: Feuerbälle, Funkenregen, Fackeln – eine Schlacht aus Licht und Lautstärke.


Feuerschwanz 2

Musikalisch boten sie ein Best-of ihrer Karriere.


Mit „Memento Mori“, „Untot im Drachenboot“ und „Knightclub“ entfachten Feuerschwanz ein wahres Klanggewitter. Die Swiss Life Hall bebte förmlich unter der Energie der Band und den tausenden Stimmen, die jede Zeile mitsangen. Gitarrist Hans Platz ließ die Finger in atemberaubender Geschwindigkeit über das Griffbrett fliegen – ein Virtuose, der sein Instrument nicht nur spielte, sondern es leben ließ. Die Zuschauer jubelten, als er mit einem breiten Grinsen ins Publikum zeigte und den nächsten Lauf zündete.


feuerschwanz 3

An seiner Seite brachte Johanna von der Vögelweide mit ihrer Geige und ihrem unverwechselbaren Charme das Publikum endgültig zum Schmelzen. Ihre Melodien legten sich wie glitzernde Funken über das brachiale Klangfundament der Band, während sie sich mit tänzerischer Leichtigkeit über die Bühne bewegte, ein harmonisches Zusammenspiel aus Kraft und Anmut.


Als „Knightclub“ erklang – jener Song, der es bis ins ESC-Vorentscheid-Finale geschafft hatte – verwandelte sich die Halle in ein einziges, gewaltiges Chorwerk. Dies lag nicht zuletzt an einem ganz besonderen Gast, welcher sich zu Feuerschwanz auf die Bühne gesellte und gemeinsam mit der Band den Song performte: Dag von SDP.

5.000 Stimmen sangen jede Zeile, jede Silbe mit. Es war einer dieser magischen Momente, in denen sich Zeit und Raum auflösten, in denen sich das Publikum und die Band zu einer Einheit verbanden. Mittelalter und Moderne, Show und Herzblut, hier verschmolz alles zu purem Gänsehautgefühl.


Doch Feuerschwanz wären nicht Feuerschwanz, wenn sie zwischen all der Power nicht auch Raum für Humor und ausgelassene Freude ließen. Bei „Schubsetanz“ wurde nicht nur geschunkelt, sondern gelacht, gesungen und gesprungen, als hätte jemand mitten in der Menge einen unsichtbaren Tanzbefehl gegeben. Reihenweise lagen sich Fans lachend in den Armen – ein fröhliches, ausgelassenes Chaos, wie es nur diese Band entfesseln kann.


feuerschwanz 4

Mit „Berserkermode“ zog die Stimmung noch einmal an. Funkenregen, Flammenfontänen und donnernde Trommeln verwandelten die Bühne in ein Inferno. Die Hitze der Pyrotechnik war selbst auf den obersten Rängen spürbar, doch niemand wich zurück – im Gegenteil: Das Publikum feierte noch wilder. Feuerschwanz hatten Hannover fest im Griff.


Nach „Die Hörner hoch“ wollte niemand, dass es endet. Die Menge tobte, stampfte, forderte lautstark „Zugabe!“, und natürlich ließ sich die Band nicht zweimal bitten. Unter tosendem Applaus kehrten sie zurück – und mit ihnen Melissa Bonny, die noch einmal die Bühne betrat. Gemeinsam präsentierten sie „Valhalla“, die epische Wikinger-Hymne vom aktuellen Album Knightclub. Im Original von Doro Pesch eingesungen, übernahm hier Melissa Bonny den Gastpart – mit einer Stimme, die mühelos zwischen engelsgleich und stählern pendelte. Der Song wuchs zu einem erhabenen Finale, das die Halle in einen letzten, mächtigen Chor verwandelte.


feuerschwanz 5

Ein würdiger Abschluss eines Auftritts, der keine Wünsche offenließ – triumphal, emotional und schlicht überwältigend.



Finale – Feuer trifft Finsternis

Zum krönenden Abschluss dieses außergewöhnlichen Abends

vereinten sich schließlich beide Welten:


Lord Of The Lost und Feuerschwanz betraten gemeinsam die Bühne – zwei musikalische Pole, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und doch in diesem Moment zu einer Einheit verschmolzen. Als die ersten Töne ihrer gemeinsamen Hymne „Lords Of Fyre“ erklangen, erfasste eine Welle aus Licht, Feuer und Emotion die ganze Halle.


Pyro, Pathos und pure Spielfreude verschmolzen zu einem Finale, das in Erinnerung bleibt. Seite an Seite sangen die Frontmänner beider Bands, während die Gitarren zu einem mitreißenden Klanggewitter sich musikalisch trafen.


Feuer traf Finsternis, Humor traf Ernst, Folk auf Gothic – und aus all dem wurde ein gemeinsames musikalisches Bekenntnis:

Wir sind verschieden, aber wir gehören zusammen.


Als der letzte Refrain erklang, sangen 5.000 Stimmen mit – laut, leidenschaftlich, vereint. Ein Moment, in dem man spürte, was Musik bewirken kann: Sie sprengt Grenzen, verbindet Gegensätze und schafft Gemeinschaft, wo vorher Unterschiede waren.


Und genau das machte diesen Abend so besonders.

Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der unterschiedlichen Fanlager feierten “Losties” und “Schwanzies” Seite an Seite.


Vor der Halle prostete man sich mit Bier und Met zu, drinnen tanzte man Schulter an Schulter, schwarz gekleidet, egal ob Gothic oder Mittelalterfan.


Alle Unterschiede lösten sich auf in einem gemeinsamen Rhythmus, in einem geteilten Lächeln, in der Liebe zur Musik.


Als der letzte Akkord verklang und die Lichter langsam erloschen, blieb ein Gefühl, das über das Konzert hinausreichte – eine Mischung aus Dankbarkeit, Euphorie und Verbundenheit.Ein Abend, an dem aus zwei Welten eine wurde.



Fazit:

Die Lords Of Fyre Tour hält, was sie verspricht: eine einzigartige Allianz aus mittelalterlichem Folk-Metal und düsterem Dark Rock – gewürzt mit Pyrotechnik, Melodie und echter Freundschaft. Feuer und Finsternis verschmolzen zu einem Gesamtkunstwerk, das es so in Deutschland noch nicht gegeben hat.


Beide Bands bewiesen, warum sie an der Spitze der Szene stehen:

Feuerschwanz mit augenzwinkernder Wucht, Lord Of The Lost mit emotionaler Tiefe

und beide mit absolutem Können. Wer die Chance hat, einen der verbleibenden Termine in München oder Düsseldorf zu erleben, sollte sich das nicht entgehen lassen.


Denn eines ist sicher: So eine Verschmelzung zweier Welten, bei der Flammen und Glitzer dieselbe Sprache sprechen, erlebt man nicht alle Tage.



©Fotos & Textinhalt by Anne Vent

(Konzertbericht wurde redaktionell überarbeitet)


Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Hannover Concerts GmbH & Co. KG und bei Napalm Records

für die Akkreditierung und Organisation und Betreuung vor Ort.


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