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MONO INC. – Konzertbericht aus Hannover: Schwarze Silhouetten, große Erwartungen

Konzertbericht vom 02.10.2025 aus der Swiss Life Hall / Hannover inkl. Alienare & Soulbound


Tourplakat Darkness Tour - Mono Inc.

Draußen sammelt sich die Nacht in Gestalt kleiner, schwarz gekleideter Grüppchen.

Leder, Samt, feine Rüschen – ein stilles Defilee der Dark-Rock-Gemeinde. Vor dem Eingang schnürt die Herbstluft die Stimmen zusammen, drinnen übernimmt gedämpftes Hallenlicht.

Im Foyer zieht sich eine Schlange wie ein schwarzes Band diagonal zum Merchstand; T-Shirts, limitierte Poster, Vinyl glänzen hinter Plexiglas. Wir entscheiden uns für den klügeren Weg: erst zur Bar – hier geht es noch zügig –, dann hinein in den Bauch der Halle.



Alienare – Nordlicht und Neon

Alienare 1
©Jan Jacobsen

Nach kurzer Zeit verdunkelt sich die Halle, ein tiefes Brummen legt sich über die Menge – die Lichter gehen aus. Im nächsten Moment taucht die Bühne in kaltes Blau, minimalistisch, fast steril. Alienare eröffnen den Abend und zugleich den Tourauftakt.


Das norddeutsche Trio liefert handwerklich präzisen Synthpop, getragen von klaren Melodien und einer Bühnenpräsenz, die mit jedem Song an Kontur gewinnt. Keyboard und Schlagzeug errichten pulsierende Klangwände, über denen sich der Gesang mit ausladender Geste entfaltet. Zwischen kühlen Beats und warmem Timbre entsteht jener markante Alienare-Sound: tanzbar, emotional und sauber produziert.


Alienare 2
©Jan Jacobsen

Im Publikum wippen Köpfe, die ersten Hände klatschen im Takt, und die anfängliche Zurückhaltung löst sich merklich. Alienare gelingt, was ein Support-Act an einem Tourauftakt nur selten schafft – sie holen die Menschen aus dem Warten und werfen sie mitten hinein in den Abend.


Das Bühnenbild bleibt bewusst reduziert: klare Linien, wenig Requisiten – die Aufmerksamkeit liegt ganz auf der Musik. In schwarzen Dreiteilern mit neongrünen Akzenten präsentieren sich Alienare als perfekt abgestimmte Einheit.

Alles wirkt stilvoll, kontrolliert und dennoch lebendig.


Alienare 3
©Jan Jacobsen

Die Band spielt mit professionellem Fokus, jeder Ton sitzt, jeder Übergang wirkt durchdacht. Gleichzeitig strahlt sie eine Leichtigkeit aus, die zeigt: Hier steht niemand unter Druck – hier hat jemand richtig Lust. Man nutzt die kurzen Pausen zwischen den Songs für charmante Ansprachen, scherzt mit den Fotografen im Graben und zieht das Publikum mit wenigen Worten auf seine Seite.


Als das Set endet, bedankt man sich sichtlich bewegt: für die Chance, den Tourauftakt von MONO INC. eröffnen zu dürfen – und das Publikum antwortet mit ehrlichem Applaus.

Ein Auftakt, der zeigt, dass Alienare längst mehr ist als nur ein Geheimtipp.



Soulbound – Energie, Ehrlichkeit und ein Sprung ins kalte Wasser

Soulbound 1
©Jan Jacobsen

Nach einer kurzen Umbaupause wird es deutlich lauter, heller und bunter. Soulbound betreten die Bühne – und mit ihnen zieht eine ganz andere Energie in die Halle. Wo Alienare noch in kühles Blau getaucht waren, dominiert nun grelles Licht, Stroboskope zucken über die Bühne. Die Musik schlägt eine rockigere Richtung ein: harte Metalklänge, die mit kräftigen Elektro-Elementen verschmolzen werden.

Der Wechsel zwischen klarem Gesang und markanten Harshvocals sorgt für Dynamik – eine Bandbreite, die nicht jeder Sänger beherrscht.


Nach den ersten Songs richtet sich Frontmann Johnny ans Publikum. Mit ehrlichem Lächeln und norddeutschem Humor erzählt er von einem kleinen Drama hinter den Kulissen: Der Schlagzeuger der Bielefelder Band erlitt kurz vor Tourstart einen Hörsturz.

Doch anstatt aufzugeben, sprang ein Freund der Band spontan ein – und lernte das komplette Set in nur anderthalb Tagen.


Der folgende Applaus in der Swiss Life Hall ist laut, verdient und herzlich.


Soulbound 2
©Jan Jacobsen

Soulbound nutzen die Bühne nicht nur für Musik, sondern auch für Ehrlichkeit.


Der Sänger interagiert mit dem Publikum und ist sichtlich gut gelaunt. Einige Songs später richtet sich der Sänger erneut an die Anwesenenden und spricht kurz über psychische Gesundheit und geht knapp auf seinen persönlichen Struggle ein.

Auftritte und das Publikum tun ihm gut.

Diesen Ansporn merkt man seiner Performance als Zuschauer an.


Gegen Ende sprechen Soulbound kurz über sich selbst – und über die endlose Diskussion, welches Genre sie eigentlich bedienen. „Ist es Rock, EBM oder Metal? Uns egal. Wir machen, worauf wir Bock haben – und genau das ist das Richtige.


Das Publikum quittiert es mit Applaus, die Band grinst breit:

Man sieht, wie sehr sie diesen Moment genießen.


Soulbound 3
©Jan Jacobsen

Die Swiss Life Hall ist mittlerweile dicht gefüllt, die Stimmung warm und erwartungsvoll.

Als Soulbound ihr Set beendet, hallen die letzten Gitarrenriffs noch nach, während Techniker und Stagehands für den letzten Umbau des Abends sorgen.


Der Wechsel dauert etwas länger – kein Wunder:

Soulbounds Equipment ist komplexer als das von Alienare.


Doch das Publikum nimmt’s gelassen. Schließlich steht das Highlight des Abends noch bevor: MONO INC.



MONO INC. – Dunkle Energie und große Geste

Mit einem wuchtigen Intro und donnernden Drums eröffnen MONO INC. ihre neue Tour – fulminant und auf den Punkt. Das Schlagzeug thront, wie man es von ihnen kennt, hoch oben auf der Bühne, während Licht und Ton den Saal in schimmerndes Dunkel tauchen.


Vom ersten Takt an entfalten die düsteren Nordlichter aus Hamburg ihren charakteristischen Dark-Rock: präzise, kraftvoll und emotional aufgeladen.


Mono Inc 1
©Jan Jacobsen

Die Band zieht das Publikum mühelos in ihren Bann. Jeder Beat sitzt, jede Gitarrenlinie trägt – MONO INC. wirken eingespielt, ausgeruht und zugleich elektrisiert. Das Publikum lässt sich mitreißen, Hände schnellen nach oben, und zwischen den Reihen entstehen kleine Inseln des Mitsingens.



Mono Inc 2
©Jan Jacobsen

Nach einigen Songs richtet sich Sänger Martin Engler mit ruhiger Stimme ans Publikum. Seine Worte sind leise, aber eindringlich. Er spricht über die dunklen Orte der Seele, die wohl jeder kennt, und über den Mut, sich gegenseitig zu stützen.

Ein Plädoyer für Zusammenhalt und Rücksicht – mitten in einem Set, das sonst von treibenden Rhythmen und düsteren Melodien lebt. Ein Moment, der hängen bleibt.


Kurz darauf folgt eine Umbaupause.


Stagehands rollen einen kleinen Flügel auf die Bühne – und die Stimmung wechselt.


Der Lichtkegel verengt sich,

die Bühne wird still.




Es folgen einige Akustikstücke, eingeleitet von einer persönlichen Ansprache Martins:

Das erste Lied sei eine Hommage an seinen großen Bruder Karl, der ihn als Kind vor dem Jähzorn des Vaters beschützte.

Die Halle lauscht still, und für ein paar Minuten herrscht diese seltene Ruhe, in der selbst Atmen lauter wirkt als Applaus.



Mono Inc 3
©Jan Jacobsen

Als der Flügel wieder von der Bühne gerollt wird, kehrt das Donnern der Gitarren zurück. Die Show zieht wieder an, das Tempo steigt – und mit dem rockigeren Teil startet auch die Feuershow. Flammen züngeln im Takt, Lichtblitze peitschen durch den Raum, bis plötzlich ein Konfettiregen einsetzt.


Erst später fällt auf, dass es kein gewöhnliches Konfetti ist:

Die kleinen violetten und schwarzen Rechtecke tragen das Bandlogo – den schwarzen und weißen Raben.

Ein raffiniertes Detail, das die visuelle Linie des Abends perfekt vollendet.






Nach einem furiosen Finale verabschiedet sich die Band kurz – nur um für zwei Zugaben zurückzukehren. In der ersten folgen noch mehrere Songs, bevor „Children of the Dark“ den musikalischen Schlusspunkt setzt.

Die Halle singt jede Zeile mit, als wäre es ein kollektives Versprechen.


Mono Inc 4
©Jan Jacobsen

Zum Ende bedankt sich MONO INC. bei den Supportbands Alienare und Soulbound – und natürlich beim Publikum. Man merkt ihnen an, wie sehr sie diesen gelungenen Tourauftakt genießen: die Spielfreude, die Energie, die makellose Inszenierung.


Eine Band, die nach 25 Jahren noch immer weiter wächst – und dabei nichts von ihrer dunklen Magie verloren hat.


Mono Inc 5
©Jan Jabobsen

Fazit der Redaktion:

MONO INC. beweisen zum Tourstart in Hannover, warum sie seit Jahren zur Spitze der deutschen Dark-Rock-Szene gehören. Ihre Show ist aufwändig, aber nie überladen; emotional, ohne pathetisch zu werden. Alienare und Soulbound ergänzen das Line-up perfekt – zwei Vorbands mit Profil, die das Publikum warm und ehrlich vorbereitet haben.


Ein Abend, der klanglich und emotional Maßstäbe setzt – und der Tour den Auftakt gibt,

den sie verdient: mit Feuer, Herz und Haltung.



Die NoRush-Redaktion möchte sich ganz herzlich bei Oktober Promotion & NoCut Entertainment bedanken – für die Möglichkeit, beim Tourauftakt dabei sein zu dürfen, und für die großartige Unterstützung sowie die reibungslose Organisation rund um das Event.


Ein ganz großes Dankeschön geht an unseren Gastredakteur Jan Jacobsen, der spontan eingesprungen ist und mit viel Leidenschaft, einem tollen Blick fürs Detail und großartigen Fotos dazu beigetragen hat, diesen Bericht möglich zu machen.

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