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Schweiß, Blues & ehrlicher Rock – Monomann & Clinical Riot

Konzertbericht aus dem Puschkin/Dresden vom 05. Dezember 2025



Das Puschkin, diese ehrliche, ungeschönte Rockhöhle mitten in Dresden,

war an diesem Abend genau der richtige Ort für das, was folgen sollte:


Blues, Rock, Leben – ungefiltert. 


Keine Show für den schnellen Effekt, sondern Musik für die Eingeweide.


Mit Clinical Riot und Monomann trafen zwei Bands aufeinander, die mehr erzählen wollen als nur drei Akkorde – sie erzählen von Herz, Brüchen, Rausch und Realität.

Und als wäre das nicht schon emotional genug, hing über allem eine besondere Erinnerung: Genau hier, im Puschkin, begann vor acht Jahren mit der

ersten „Bluessommer“-Lesung die Geschichte von Monomann. 


Es fühlte sich ein bisschen an wie Heimkommen.



Clinical Riot – Lokales Feuer mit Gefühl


Mit leichter Verspätung, aber voller Spannung, betraten Clinical Riot die Bühne.

Dresdner Jungs, Heimspiel, kurze Wege zum Publikum – und sofort war allen klar:



Hier wird nicht geschniegelt eröffnet, hier wird gelebt.

Frontmann Sascha stellte die Band augenzwinkernd als Mischung aus

„Pflegekräften, Arzt und Verrückten“ vor – und genau so fühlte sich die Musik auch an: zwischen Heilung und Kontrollverlust.



Mit „Straight Forward“ schoben sie den Puls nach oben, direkter Rock, treibend, kantig.


Dann der Bruch: „Soul Catcher“ – ein vertontes Gedicht, roh, offen, verletzlich.

Dieser Moment ließ den Raum kurz still werden.

Fast zum Weinen so schön“, sagte Sascha – und niemand hat widersprochen.



Die Ozzy-Hommage „When All The Good Ones Die“ setzte Gänsehaut obendrauf,

bevor Clinical Riot mit „Corpus Kitty“ (ja, über dicke Katzen!) und „Ragnarök“ wieder Humor und Wahnsinn ins Set brachten.



Es war dieser Wechsel aus Ernst, Ironie und ehrlicher Energie, der den perfekten Boden bereitete für das, was danach kommen sollte.




Monomann – Der Blues kehrt nach Hause zurück


Mit „Ich, der Blues“ öffnen sich die Tore – und plötzlich ist sie wieder da: diese raue, widerspenstige Atmosphäre des DDR-Undergrounds, diese Mischung aus Melancholie, Wut und Trotz, die man nicht künstlich herstellen kann.



Freygang ist allgegenwärtig: „Haste was, biste was“, „Elbflorenz“, „Rette mich“ .

Songs, die keine Nostalgie brauchen, weil sie immer noch funktionieren.


Dazwischen taucht mit „Manchmal frag ich mich“ ein Stück aus der Mitte der 80er wieder auf. Ein Song wie ein offenes Fenster in eine andere Zeit und plötzlich passiert etwas,

womit keiner rechnet: Ein alter Bekannter steht plötzlich auf der Bühne.

Kein Chaos, keine Hektik – nur Gelächter, Schulterklopfen und die Musik geniessen.



Genau das ist Monomann: kein Theater, kein Sicherheitsnetz, sondern echte Nähe.


Spätestens bei „Steil und Geil“ entlädt sich der Saal. Kein Moshpit, kein martialisches Gerempel – eher dieses uralte, ehrliche Rock-Geschubse, wie man es früher kannte.



Stilecht fließt bei „Alkohol“ der kleine Wodka, „2 Bier, 2 Korn“ folgt auf dem Fuß. Rock’n’Roll als Zustand, nicht als Pose.



Mit „Aus Liebe“, „Eisbeinonkel“ und „Mörder“ nähert sich das Set seinem Ende – aber das Publikum lässt die Band nicht gehen.


Die Zugabe folgt: „Spießer & Dichter“, und ganz zum Schluss dieser leise, große Moment mit Rio Reisers „Halt dich an deiner Liebe fest“.



Kein Gebrüll mehr, kein Rausch – nur noch kollektives Atmen.




Fazit


Dieser Abend war kein Nostalgie-Abend. Er war eine Begegnung mit dem Kern von Blues und Rock – mit dem, was diese Musik immer war: Aufrichtig, unbequem, verbindend.



Ob alte Freygang-Seelen oder jüngere Zuhörer, die vielleicht erst über In Extremo oder andere Wege hier gelandet sind,

an diesem Abend standen alle auf derselben Seite der Bühne.


Kein Bombast. Kein Kalkül.


Nur Musik, die lebt und bleibt.



Text: Saskia Giedow-Luboch / NoRush

Fotos: Stephan Sieger / NoRush


2 Kommentare

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Kathleen
09. Dez. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Trifft genau das Gefühl dass wir an diesem schönen Abend empfunden haben. Erinnerungen an Konzerte im Oberen Gasthof Weinböhla etc. bis zum jetzt und hier. Gute handgemachte Musik, Texte die (immer noch) greifen... Steil und geil eben 🍀

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Sascha
09. Dez. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Oh Mann! Danke! Mir fehlen echt die Worte!

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