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Bericht vom Weckt die Toten 2026 Festival: In Extremo entfachten ein Feuerfest auf der Peißnitzinsel

vor 3 Stunden
7 Min. Lesezeit

Mit Doppelbock, Subway to Sally, Wind Rose, Eisbrecher und einem überragenden Headliner-Set von In Extremo wurde die zweite Ausgabe des Weckt die Toten Festivals in Halle zu einem intensiven Tag voller Mittelalterflair, Pyro, Humor und großer Festivalmomente.


Plakat Weckt die Toten Festival 2026 - Live Review

Für Saskia und Stephan von NoRush ging es am 5. September 2026 auf die Peißnitzinsel nach Halle, wo In Extremo zur zweiten Ausgabe ihres eigenen „Weckt die Toten Festivals“ geladen hatten.


Nach der erfolgreichen Premiere 2024 wartete erneut ein Tag, der zwischen Mittelaltermarkt, Folk-Rock, Zwergen-Metal, NDH-Kälte und einem feurigen Headliner-Finale ziemlich genau das lieferte, was man sich von einem Festival erhofft.



Fazit der Redaktion:

Für uns war die zweite Ausgabe des Weckt die Toten Festivals deutlich mehr als nur ein starker Festivaltag. Es war ein Festival, das seine eigene Identität gefunden hat:

nicht zu groß, nicht beliebig, sondern mit spürbarer Nähe zur Szene, starkem Line-up und genau jener Mischung aus Mittelalterflair, Härte, Humor und Herz,

die In Extremo seit Jahrzehnten ausmacht.


Doppelbock retteten den Auftakt mit viel Charme und Bierlaune, Subway to Sally lieferten ein kompaktes, aber hochklassiges Set, Wind Rose verwandelten die Peißnitzinsel in eine Zwergenmine, Eisbrecher brachten Kälte, Kante und klare Ansagen, und In Extremo setzten am Ende mit Feuer, Klassikern und Emotionen den großen Schlusspunkt.


Was hängen bleibt, ist dieses Gefühl, Teil eines besonderen Tages gewesen zu sein.

Kein glattpoliertes Event von der Stange, sondern ein Festival mit Charakter, Wurzeln

und ordentlich Flammen im Rücken.


Genau dafür fahren wir raus, genau darüber schreiben wir gern

– und genau deshalb darf man sagen:


In Extremo bleiben die unangefochtenen Könige des Spielmanns-Rock



Was haben wir erlebt?


Der Einlass lief entspannt und geordnet, und direkt danach empfing ein kleiner, liebevoll gestalteter Mittelaltermarkt die Besucher mit genau dem richtigen Flair. Was uns sofort auffiel, in diesem Jahr sorgten Wellenbrecher auf Höhe des Front of House für eine gelockerte Aufteilung der 10.000 Besucher.


Den eigentlichen Startschuss ließ sich aber In-Extremo-Frontmann Micha Rhein

nicht nehmen, der das Festival persönlich eröffnete.


Opening 1

Durch den Tag führte Marcus Schleutermann, vielen bekannt als Musikjournalist,

Redakteur und Moderator des EMP Backstage Club Area.



Doppelbock retten den Auftakt mit Bierlaune und Punk-Folk

Den Anfang machten um 15:25 Uhr Doppelbock.


Doppelbock 1

Die Hessen waren kurzfristig für Manntra eingesprungen, die krankheitsbedingt absagen mussten, und nutzten diese Chance mit sichtbarer Spielfreude. Ihre Mischung aus Rock, Punk und Folk passte bestens in den frühen Nachmittag, zumal das Tourmotto

„Lecka Bierchen“ ziemlich genau vorgab, wohin die kurze Reise gehen sollte.


Doppelbock 2

Schon bei „Noch einmal lachen“ und „Oh Sophie“ gingen die ersten Hände nach oben. Spätestens bei „Lecka Bierchen“ war das Publikum endgültig angekommen. Bei „Platzwart“ versuchte sich Marko Czerny an einem eher überschaubaren Golfabschlag in Richtung Publikum, was ihm prompt ein paar scherzhafte Buh-Rufe einbrachte.


Doppelbock 3

Mit „Frankfurter Berg“, augenzwinkernd als Ballade verkauft, und der Dackel-Hymne

„Letzter Halt“ blieb die Stimmung weiter oben. Der „Lalalala“-Refrain saß,

„König vom Getränkemarkt“ funktionierte als Crowdpleaser, und mit „Du wunderbare Zeit“ bog das Set langsam auf die Zielgerade ein.


Doppelbock 4

Zum Abschluss passte „Die Nacht kennt kein Ende“ perfekt,

auch wenn Doppelbock nach gut 35 Minuten Schluss machen mussten.




Subway to Sally liefern Klassiker, Feuer und Staub

Um 16:25 Uhr wurde es dann direkt prominent.

Subway to Sally und In Extremo an einem Tag erlebt man nicht oft.


Vor einem mystisch inszenierten Bühnenbild aus kahlen Bäumen, die mal in Rot,

mal in kaltes Blau getaucht wurden, legte die Band ohne lange Umwege los.


Subway to Sally 1

Schon beim Opener „Was ihr wollt“ schossen die ersten Funkenfontänen in die Höhe.

Eric Fish begrüßte die Menge mit einem knappen, aber treffenden

„Für euch und mit euch – Hallo, wir sind STS!“


Subway to Sally 2

Danach ging es mit „Leinen los“ direkt weiter, während sich eine Welle

erhobener Hände durch das Publikum zog.


Subway to Sally 3

Mit „Kleid aus Rosen“ zeigte die Band ihre theatralische Seite, inklusive symbolisch gepflückter Rose. Inhaltlich passte kaum ein Song besser zum Festival als „Post Mortem“, schließlich lag das Motto „Weckt die Toten“ hier quasi auf der Hand.


Subway to Sally 4

Bei „Henkers Braut“ griff Eric Fish zur Pyrotechnik und spuckte Feuer, bevor das Publikum auf dem „Knochenschiff“ gemeinsam Richtung sicheres Ufer ruderte.


Subway to Sally 5

Natürlich durfte „Sieben“ nicht fehlen, und späte

stens beim „Veitstanz“ wirbelte vor der Bühne ordentlich Staub auf. Zum Abschluss kam mit „Julia und die Räuber“ der unverzichtbare Klassiker.


Subway to Sally 6

Nach 45 Minuten war das Set schon wieder vorbei, aber Subway to Sally hinterließen genau das, was ein Festivalauftritt dieser Länge leisten muss:

volle Energie, starke Bilder und ein Publikum, das gern mehr gehabt hätte.


Subway to Sally 7



Wind Rose graben sich durch die Peißnitzinsel

Um 17:45 Uhr wurde es zwergisch.


Wind Rose 1

Ein gewaltiger gehörnter Schädel mit glühenden Augen kündigte Wind Rose an, und in der Menge gingen sofort unzählige Gummi-Spitzhacken nach oben.


Wind Rose 2

Die Italiener, die schon im Vorjahr beim In-Extremo-Jubiläum an der Loreley dabei waren, zeigten einmal mehr, warum sie auf Festivals so hervorragend funktionieren.


Wind Rose 3

Mit „Dance of the Axes“ ging es direkt in die Vollen.

„The Great Feast Underground“ machte aus dem Platz vor der Bühne eine feiernde Zwergenhalle, bevor „Mine Mine Mine!“ das Publikum endgültig

in die musikalischen Stollen hinabzog.


Wind Rose 4

Bei „Trollslayer“ rollten die ersten Crowdsurfer über die Köpfe, und „Together We Rise“ sorgte für einen dieser Momente, in denen Band und Publikum wirklich

als Einheit funktionieren.


Wind Rose 5

Einen kleinen Schreckmoment gab es, als ein Bandmitglied plötzlich kurz von der Bühne verschwand und selbst Frontmann Francesco Cavalieri sichtbar irritiert wirkte.


Wind Rose 6

Lange dauerte die Verwirrung aber nicht. Pünktlich zu „Diggy Diggy Hole“ war die Truppe wieder komplett und ließ das Gelände noch einmal ordentlich beben.


Wind Rose 7

Mit „Rock and Stone“ endete ein 45-minütiger Ausflug in die Unterwelt, der schweißtreibend, albern, heavy und unfassbar effektiv war.


Wind Rose 8



Eisbrecher bringen Kaltfront und klare Kante

Gegen 19 Uhr wurde es kühler, zumindest musikalisch.


Eisbrecher 1

Eisbrecher standen bereit, und die Schnittmenge zwischen In-Extremo- und Eisbrecher-Fans war auf der Peißnitzinsel deutlich spürbar. Schon im Vorjahr hatten sie an der Loreley bewiesen, wie gut ihr Sound in dieses Umfeld passt.


Eisbrecher 2

Mit „Everything is wunderbar“ und „Himmel, Arsch und Zwirn“ war die Menge sofort da.


Eisbrecher 3

Alex Wesselsky führte wie gewohnt trocken, charmant und mit viel Präsenz durch das Set.


„Es ist, wie es ist und es kommt, wie es kommt – so oder so“,

kündigte er den nächsten Song an.


Eisbrecher 4

Bei „Waffen“ setzte die Band auch visuell ein Zeichen:

Über dem Waffenslogan prangte klar das Peace-Symbol.


Eisbrecher 5

Nach der „Kaltfront“ gab es ein „Klassenfoto fürs Museum of Rock ’n’ Roll“, stilecht mit Polaroidkamera. Mit „1000 Narben“ schlug die Band nachdenklichere Töne an, bevor die „Sturmfahrt“ wieder Tempo aufnahm.


Eisbrecher 6

Bayerische Grüße durften ebenfalls nicht fehlen: Zu „This is Deutsch“ kam ein Maßkrug zum Einsatz, bevor „FAKK“ und „Zwischen uns“ die Menge weiter anheizten.


Eisbrecher 7

Mit „Was ist hier los“ setzte Eisbrecher eine deutliche Ansage gegen Gleichgültigkeit, während „Verrückt“ das Anderssein feierte. Dazu passten die witzigen Kopfbedeckungen auf der Bühne und die kleinen Plüsch-Eisbären, die zum Schluss in die Menge flogen.


Eisbrecher 8

Eisbrecher lieferten einen starken, routinierten und bestens angenommenen Auftritt.




In Extremo: Feuer, Klassiker und ganz viel Herz

Vor dem Headliner wurde die Geduld der Fans noch einmal geprüft.


In Extremo 1

Der Umbau für In Extremo zog sich spürbar länger als bei den vorherigen Bands,

und vor der Bühne wurde es zunehmend voller.


In Extremo 2

Marcus Schleutermann nutzte die Zeit, um kräftig die Werbetrommel zu rühren:

Neben dem kommenden Album „Tranquilo 2“ und der dazugehörigen Akustiktour gab es auch noch direkt den Blick in die Zukunft.


Nach der gemeinsamen Tour mit Feuerschwanz und der alljährigen Burgentour wird am

04. September 2027 der dritte Teil des Weckt die Toten Festival wieder auf der Peißnitzinsel stattfinden (u.a. Mono Inc., Doro, Fiddler´s Green, Mittelalta, ...)


Dann folgte der Knall. Im wahrsten Sinne. Ein gewaltiger Eröffnungsschlag erschütterte das Gelände, einer, der theoretisch wirklich Tote hätte wecken können.


In Extremo 3

Zu den epischen Klängen von „Olafur“ startete das Set, bevor „Spielmannsfluch“ die ersten mächtigen Feuerbälle in den Himmel jagte.


In Extremo 4

Bei „Troja“ zeigte die Pyrocrew endgültig, wie viel Lust sie an diesem Abend hatte:

Funkenregen, Feuerbälle, Fontänen und dieser unverwechselbare Schwefelgeruch, der für einen Moment fast Silvesterstimmung über die Peißnitzinsel legte.


In Extremo 5

„Weckt die Toten“ und „Feuertaufe“ trieben das Spektakel weiter. Beeindruckend war dabei einmal mehr, wie groß In Extremo geworden sind, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.

Aus der kleinen Mittelalter-Dudelsackkapelle ist längst eine Band geworden, die eine gigantische Show fahren kann, aber immer noch spürbar weiß, wo sie herkommt.


In Extremo 6

Nach „Werd ich am Galgen hochgezogen“ folgte bei „Vollmond“ ein besonders sympathischer Moment. Der Ersatz-Spielmann Akki (Py musste aus gesundheitlichen Gründen aussetzen) wurde von seinen Bandkollegen liebevoll ins Rampenlicht geschoben, blieb aber noch angenehm zurückhaltend.


In Extremo 7

Mehr als ein vorsichtiges „Hallo“ war nicht drin, doch die Herzen der Fans hatte er damit schnell auf seiner Seite.


In Extremo 8

Bei „Küss mich“ gab es anschließend die erwartbaren Jubel- und Schrei-Eruptionen, bevor „Mein rasend Herz“ wieder von gewaltigen Flammen begleitet wurde.


In Extremo 9

Ein kleiner Fehlstart bei „Liam“ sorgte für Lacher. Flex, der Biegsame, war offenbar etwas zu motiviert, und selbst Micha Rheins beruhigende Worte konnten den Überschwang nicht ganz bremsen.


In Extremo 10

Danach wurde es bei „Feine Seele“ umso emotionaler. Der Song wurde den verlorenen Seelen gewidmet, und tausende Lichter auf dem Gelände machten diesen Moment zu einem der berührendsten des Abends.


In Extremo 11

Mit „Der Wind“, „Störtebeker“ und dem mächtigen „Villeman Og Magnhild“ kehrte die volle Festlaune zurück. Ein echtes Highlight war „Vis à Lop“, jener Song, mit dem die Geschichte von In Extremo einst begann und der für dieses Festival exklusiv aufgepeppt wurde.


In Extremo 12

Die augenzwinkernde Hommage an „Forever Young“ und der „Mahna Mahna“-Gesang sorgten für einen wunderbar schrägen Mitsingmoment. Über „Sängerkrieg“ und „Wolkenschieber“ steuerte das Hauptset dann auf den letzten Abschnitt zu.


In Extremo 13

Bei „Sternhagelvoll“ wurde geschunkelt, während Seifenblasen über die Köpfe schwebten.


In Extremo 14

Nebenbei gab es noch eine spannende Info:

Der Song „Sternhagelvoll(er)“ wurde frisch mit Kollegen aus der Mittelalterrock und der Folkszene wie neu aufgenommen. Sind wir gespannt...


In Extremo 15

Danach ging es in den Zugabenblock, der mit „Rotes Haar“, „Frei zu sein“ und natürlich „Pikse Palve“ noch einmal alles auffuhr, was In Extremo ausmacht:

Klassiker, Feuer, Gemeinschaft und diese rohe Spielmannsenergie.


In Extremo 16

Zum krönenden Abschluss stieg ein prächtiges Feuerwerk über Halle in den Nachthimmel.


In Extremo 17

Die Peißnitzinsel entließ eine verschwitzte, glückliche und

restlos begeisterte Menge in die Nacht.




©Text: Saskia Giedow-Luboch

©Fotos: Stephan Sieger


Wir möchten an dieser Stelle dir, Dr. Pymonte, von Herzen alles Gute wünschen.

Dass Du aus gesundheitlichen Gründen bis auf Weiteres eine Pause von der Bühne einlegen musst, berührt natürlich viele Fans, denn Du bist seit Jahren ein prägender Teil von In Extremo und man vermisst Dich und deine unverwechselbare Spielmanns-Seele.


So sehr man dich auf der Bühne vermisst, so wichtig ist jetzt nur eines:

Gesundheit, Ruhe und die Zeit, die es braucht wieder fit zu werden.


Wir respektieren selbstverständlich den Wunsch nach Privatsphäre

und senden Dir auf diesem Weg einfach

viel Kraft, Geduld und die besten Wünsche.


Gute Besserung, Dr. Pymonte. Die Bühne wartet.


Die NoRush-Redaktion bedankt sich herzlich bei In Extremo und Headline Music für die Akkreditierung,

die reibungslose Organisation und die freundliche Betreuung vor Ort.


Solche partnerschaftlichen Zusammenarbeiten tragen maßgeblich dazu bei, Konzerterlebnisse journalistisch begleiten und mit unseren Leserinnen und Lesern teilen zu können.

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