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Dawn Of Destiny – „Ashes Over Tomorrow“ im Review

Autorenbild: Stephan Sieger
Stephan Sieger
vor 4 Stunden
5 Min. Lesezeit

Der Weltuntergang beginnt im Privaten: Auf ihrem zehnten Album verbinden Dawn Of Destiny persönliche Krisen mit apokalyptischen Bildern, langen Spannungsbögen und einem starken zweistimmigen Frontgesang.


Albumcover Ashes Over Tomorrow - Dawn of Destiny - Review

01. Still Here

02. Too Weak

03. Chasing Dreams feat. Fabio Lione

04. A Different Story

05. Ashes Over Tomorrow

06. Above The Noise feat. Ralf Scheepers

07. Leave Me Now

08. I'll Find You In Time

09. When The World Ends Quietly

10. Those Moments

11. One Small Lie

12. Death Wears A Human Face - Bonus Track

13. In Vain - Bonus Track

14. Let Love Be The Last Light



VÖ: 30.10.2026

Label: El Puerto Records

Vertrieb: Kontor New Media / Edel

Genre: Symphonic Power Metal / Melodic Metal

Spielzeit: 66:39 Minuten





Fazit der Redaktion:

„Ashes Over Tomorrow“ ist ein starkes Symphonic-Power-Metal-Album, dessen beste Momente von Geduld und sorgfältiger Entwicklung leben. Die Gastauftritte von Fabio Lione und Ralf Scheepers bringen zusätzliche Farben, wichtiger bleibt jedoch das Zusammenspiel von Jeanette Scherff und Jens Faber. Ihre unterschiedlichen Stimmen verleihen den persönlichen Konflikten spürbare Tiefe.


Die fast 67 Minuten enthalten einige konventionellere Passagen und einen sehr lauten Grundsound. Dem stehen mit „Still Here“, „Ashes Over Tomorrow“, „Leave Me Now“ und „When The World Ends Quietly“ vier Stücke gegenüber, die das Album deutlich über Genre-Routine hinausheben. Besonders die leisen Endzeitbilder und die Beschäftigung mit Depression, Verdrängung und gescheiterten Beziehungen geben dem zehnten Album eine eigene Identität.



„Mit ‚Ashes Over Tomorrow‘ liefern Dawn Of Destiny ein kraftvolles Symphonic-Power-Metal-Album voller großer Melodien, eindrucksvoller Gesangsduette und emotionaler Tiefe

– mit starken Songs, die weit über die üblichen Genregrenzen hinausreichen.“



Was bekommen wir auf die Ohren?


„Ashes Over Tomorrow“ ist das zehnte Studioalbum der 2005 gegründeten Bochumer Band. Es enthält zwölf reguläre Songs und zwei Bonustracks.

Als Gäste sind Fabio Lione bei „Chasing Dreams“ und

Ralf Scheepers bei „Above The Noise“ zu hören.


Ihr eigentliches Zentrum bilden Jeanette Scherff und Jens Faber, deren unterschiedliche Stimmen den Liedern zusätzliche Perspektiven geben.


Ashes Over Tomorrow zwischen privater Krise und Weltuntergang

Jeanette Scherff singt kraftvoll und klar, ohne dauerhaft in hohe Sopranlagen auszuweichen. Jens Faber ergänzt sie mit seiner dunkleren Stimme, übernimmt eigene Passagen und setzt andere Akzente innerhalb der Texte. Aus mehreren Songs werden dadurch Gespräche, in denen Trost und Zweifel oder Vorwurf und Rechtfertigung aufeinandertreffen.


Schon „Still Here“ nutzt diese Aufteilung überzeugend. Der Opener handelt von Depression, Schlaflosigkeit und einem Menschen, der äußerlich noch anwesend ist, innerlich aber kaum Halt findet. Das langsame Arrangement steigert sich behutsam, während der Refrain den Wunsch formuliert, die betroffene Person nicht allein zu lassen.

Der Song bietet keine schnelle Lösung. Zunächst geht es nur darum, dazubleiben.


„Too Weak“ verlegt den Konflikt in eine Beziehung. Ein nächtlicher Streit eskaliert, weil beide Seiten alte Verletzungen hervorholen und unbedingt recht behalten wollen. Der Wechselgesang passt zu dieser Dialogform. Die Musik bleibt kompakter und direkter, endet aber etwas früh, bevor sich die Idee weiter entfalten kann.


Der Titelsong „Ashes Over Tomorrow“ überträgt das persönliche Verdrängen auf eine größere Ebene. Angst erhält Namen und Macht, Geschichte wiederholt sich und Warnungen werden ignoriert. Die Zukunft erscheint dabei nicht als unvermeidbares Schicksal, sondern als Ergebnis gegenwärtiger Entscheidungen. Das längere Arrangement gibt Klavier, Gitarren und Gesang genügend Raum. Der Mix drückt stellenweise stark, doch Refrain und Text tragen die sechseinhalb Minuten problemlos.


Die langen Songs geben dem Album Gewicht

Dawn Of Destiny gehören weiterhin klar zum Power Metal, lassen ihren Kompositionen aber Platz für symphonische Flächen, Klavier, ruhigere Übergänge und längere Entwicklungen. Die Gitarren von Veith Offenbächer bleiben präsent und verschwinden nicht unter Keyboards und Chören. Gerade wenn die Band das Tempo zurücknimmt, gewinnt das Album an Tiefe.


„Leave Me Now“ gehört mit fast acht Minuten zu den stärksten Stücken.

Der Song erzählt von verlorenem Vertrauen und der Entscheidung, sich nicht länger für eine Beziehung aufzugeben. Ruhige Passagen, deutliche Lautstärkeunterschiede und ein langsam wachsendes Arrangement machen daraus mehr als einen kurzen Wutausbruch. Scherffs Gesang wirkt verletzlich, ohne an Kraft zu verlieren. Faber übernimmt die dunkleren Gegenstimmen und verstärkt den Eindruck eines langen inneren Ringens.


Noch weiter geht „When The World Ends Quietly“.

Der längste Titel der Platte beschreibt das Ende nicht als spektakuläre Explosion.

Die Meere steigen, Namen verschwinden und die Welt wird langsam stiller. Kein Held kommt zur Rettung. Stattdessen bleibt die mehrfach wiederholte Frage, ob gehandelt wurde, als noch Zeit dafür war.


Das ruhige Grundtempo und die langen instrumentalen Wege verleihen dem Song eine bedrückende Wirkung. Stimmen und Arrangement greifen hier besonders gut ineinander. Mit 9:17 Minuten verlangt das Stück Aufmerksamkeit, nutzt seine Laufzeit aber sinnvoll.


„When The World Ends Quietly“ ist der Höhepunkt von „Ashes Over Tomorrow“.


Fabio Lione und Ralf Scheepers als Gäste

Die beiden Gastauftritte fallen deutlich kompakter aus. „Chasing Dreams“ dauert nur etwas mehr als drei Minuten und nutzt Fabio Liones melodische, weit tragende Stimme für einen schnellen Power-Metal-Song. Der Titel beschreibt den Versuch, trotz Angst und einer ungewissen Zukunft an den eigenen Zielen festzuhalten. Das Stück besitzt viel Energie und einen schnell greifbaren Refrain, bleibt inhaltlich aber einfacher als die großen Albumtitel.



Ralf Scheepers bekommt mit „Above The Noise“ das härtere Gegenstück.

Seine metallische Schärfe passt zu einem Song über Selbstbehauptung und das Überwinden alter Ängste. Schlagzeug und Gitarren drängen energisch nach vorn, während der Refrain auf Befreiung zielt. Beide Gäste ergänzen den Bandsound, ohne die eigentliche Besetzung in den Hintergrund zu schieben.


Auch die kürzeren Titel erfüllen ihren Zweck. „A Different Story“ fragt, ob vergangene Fehler tatsächlich die Zukunft bestimmen müssen. „I’ll Find You In Time“ verbindet verlorene Liebe mit verpassten Momenten und möglichen anderen Lebenswegen.

„One Small Lie“ lässt eine Lüge wie eine verführerische Stimme auftreten, die Kontrolle als Zuneigung tarnt. Gerade bei diesem Song funktioniert der Wechsel zwischen Scherff und Faber besonders gut.


Nicht jeder kompakte Titel erreicht das Niveau der langen Stücke.

„Those Moments“ und „In Vain“ behandeln Einsamkeit und gescheiterte Beziehungen nachvollziehbar, bleiben musikalisch aber näher an vertrauten Genreformen.


„Death Wears A Human Face“ fällt dagegen durch seinen gelassenen Blick auf den Tod auf. Das schnelle Arrangement bildet einen wirkungsvollen Gegensatz zum Text.


Dicht produziert, aber nicht ohne Luft

Dennis Köhnes Produktion klingt modern, breit und überwiegend sehr laut.

Gitarren, Schlagzeug und symphonische Elemente bleiben auch in dichten Passagen unterscheidbar. Bei schnellen Titeln wie „Chasing Dreams“, „Above The Noise“ und „Death Wears A Human Face“ gibt es allerdings nur wenig dynamischen Spielraum.


Die längeren Stücke atmen deutlich stärker. „Leave Me Now“ und das abschließende

„Let Love Be The Last Light“ profitieren von ruhigen Anfängen und kräftigen Steigerungen. Gerade der letzte Song zeigt, wie gut Dawn Of Destiny klingen, wenn die Musik nicht permanent auf maximale Größe drängt.


Mit fast 67 Minuten verlangt „Ashes Over Tomorrow“ Zeit. Die Position der beiden Bonustracks vor dem eigentlichen Schlusslied unterbricht den Ablauf ein wenig. Dafür findet das Album mit „Let Love Be The Last Light“ einen glaubwürdigen Abschluss.

Nach Depression, Streit, Trennung und Weltuntergang geht es um Entschuldigung, Vergebung und die Entscheidung, alte Wunden nicht weiterzugeben. Die Hoffnung wirkt verdient, weil sie nicht behauptet, dass plötzlich alles gut sei.



Kontakt:

 

(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von El Puerto Records GbR)


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