Lee Richards And Friends – „Songs For A Broken World“ im Review
Schwere Gitarren, persönliche Brüche und ein erfahrener Gitarrist, der erstmals selbst ans Mikrofon tritt: Lee Richards verarbeitet auf seinem Solodebüt Verlust, Glaubenszweifel und die Suche nach einem neuen Anfang.

Tracklist:
1. Shyra – 3:52
2. Yesterday’s Child – 4:27
3. Believe – 4:09
4. Cry For You – 3:35
5. Faithless – 4:26
6. She – 4:51
7. Say Your Last Goodbye – 3:48
8. Rise – 3:22
9. Fallen (Save Me) – 4:47
10. Monsters – 4:29
11. Summer Breeze – 3:51
VÖ: 30. Oktober 2026
Label: Metalville
Genre: Alternative Rock, Hard Rock, Post-Grunge
Formate: CD, LP
Spielzeit der CD: 45:37 Minuten
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Fazit der Redaktion:
„Songs For A Broken World“ ist ein spätes Debüt mit hörbarer Vorgeschichte.
Lee Richards verbindet Alternative Rock, Hard Rock und Post-Grunge zu einem persönlichen Album über Verlust, Zweifel und den schwierigen Weg zurück zu sich selbst. Seine Stimme ist nicht spektakulär, besitzt aber genau jene rauen Stellen, die diese Songs brauchen.
Die dichte Produktion gibt den Gitarren viel Kraft, nimmt manchen Stücken jedoch etwas Bewegungsfreiheit. Auch der häufig wiederholte Aufbau aus ruhigerer Strophe und breitem Refrain wird im Verlauf vorhersehbar. Dagegen stehen gute Melodien, eine eingespielte Band und Texte, die ihre Verletzlichkeit nicht hinter einer künstlichen Rockpose verstecken.
Mit „Shyra“, „Cry For You“, „Rise“, „Fallen (Save Me)“ und „Monsters“ enthält das Album mehrere Stücke, in denen persönlicher Inhalt und musikalischer Druck überzeugend zusammenfinden. „Songs For A Broken World“ klingt deutlich nach dem amerikanischen Rock der 2000er-Jahre, lebt innerhalb dieser vertrauten Sprache aber von einer eigenen Geschichte und einem Sänger, der nichts vorspielen muss.
„Mit ‚Songs For A Broken World‘ liefert Lee Richards ein persönliches Rockdebüt, das vor allem durch ehrliche Texte und starke Melodien überzeugt. Die dichte Produktion und wiederkehrende Songstrukturen kosten Abwechslung, doch Stücke wie ‚Shyra‘, ‚Rise‘ und ‚Monsters‘ zeigen das Potenzial dieses späten Neuanfangs.“
Was bekommen wir auf die Ohren?
Lee Richards hat einen großen Teil seiner Laufbahn neben bekannteren Sängern und Musikern verbracht. Er gehörte zur frühen Besetzung von Godsmack und schrieb später für Dropbox und Another Animal.
Auf „Songs For A Broken World“ übernimmt er nun selbst den Gesang, spielt Gitarre und verantwortet Komposition und Produktion. Das Album ist damit mehr als ein weiteres Projekt des erfahrenen Musikers. Es ist der Moment, in dem er mit der eigenen Stimme für seine Songs einsteht.
Ein Teil des Materials reicht laut Richards bis in die Zeit von Another Animal zurück. Nach einer Sammlung liegen gebliebener Ideen klingt das Ergebnis trotzdem nicht. Gemeinsam mit Gitarrist William „Billy“ Loosigian, Bassist Sean Corcoran und Schlagzeuger Justin Pacy formt Richards daraus eine geschlossene Rockplatte, deren Wurzeln unverkennbar im amerikanischen Alternative Rock und Post-Grunge der frühen 2000er-Jahre liegen.
„Songs For A Broken World“ setzt auf schwere Gitarren
Die Gitarren sind tief gestimmt, breit geschichtet und fast immer präsent.
Sean Corcorans Bass gibt ihnen zusätzlichen Druck, während Justin Pacy das Fundament geradlinig und zuverlässig zusammenhält.
Verspielte Schlagzeugfiguren stehen nicht im Mittelpunkt.
Entscheidend ist der Schub, den die Rhythmusgruppe den Songs mitgibt.
Akustische Gitarren und ruhigere Anfänge sorgen gelegentlich für etwas Luft. Meist dauert es jedoch nicht lange, bis sich das Arrangement vor dem Refrain öffnet und die gesamte Band einsetzt. Dieses Muster funktioniert innerhalb der einzelnen Stücke gut, wiederholt sich über elf Titel aber recht häufig. Man ahnt bei einigen Strophen früh, wann der nächste breite Refrain kommen wird.
Die Produktion ist modern, kraftvoll und sehr dicht. „Yesterday’s Child“, „Faithless“ und „She“ stehen beinahe durchgehend unter Spannung. Dadurch entsteht viel Druck, den Songs fehlt jedoch stellenweise der Raum für eine echte Steigerung. „Cry For You“, „Rise“ und „Monsters“ profitieren davon, dass leisere Passagen und schwere Gitarren deutlicher voneinander getrennt werden.
Eine Stimme ohne große Pose
Richards versucht nicht, seine Gitarrenarbeit mit spektakulären Höhen oder langen Gesangsverzierungen zu überbieten. Seine Stimme bleibt überwiegend im mittleren Register. Sie klingt leicht angeraut, manchmal müde und an einigen Stellen beinahe erschöpft. Gerade deshalb passt sie zu diesen Liedern.
Es geht um Menschen, die ihren Glauben verlieren, Beziehungen nicht retten können oder sich in den eigenen Gedanken festfahren. Eine makellose Rockstimme wäre für diese Themen vermutlich zu glatt. Richards klingt glaubwürdig, weil man ihm die Unsicherheit ebenso abnimmt wie den Versuch, sich wieder aufzurichten.
Sean Corcorans Begleitgesang verbreitert die Refrains, ohne Richards aus dem Mittelpunkt zu drängen. Besonders bei „Believe“ und „Rise“ entsteht dadurch jene Größe, die solche Songs brauchen. Die Melodien bleiben eingängig, verlieren aber nicht vollständig ihre raue Oberfläche.
Eine kaputte Welt im privaten Maßstab
Der Albumtitel lässt zunächst einen großen gesellschaftlichen Kommentar erwarten. „Songs For A Broken World“ bleibt jedoch überwiegend im Persönlichen. Die kaputte Welt besteht aus zerbrochenen Beziehungen, Schuldgefühlen, religiösen Zweifeln und der Angst, die eigene Richtung verloren zu haben.
„Shyra“ eröffnet die Platte mit einer persönlichen Ansprache. Richards wünscht der genannten Person, dass sie trotz Einsamkeit und schwieriger Wege ein eigenes Leben führen kann. Der warme Gesang und der wiederholte Wunsch nach einem Lächeln machen den Song zu einem ungewöhnlich nahbaren Einstieg.
„Yesterday’s Child“ richtet den Blick etwas weiter nach außen. Der Text beschreibt eine Generation, die Orientierung, Liebe und Glauben verloren hat. Einige Aussagen bleiben allgemein, doch der Song gewinnt durch sein hohes Tempo und die dicht geschichteten Gitarren. Der stark komprimierte Klang verhindert allerdings, dass sich der Refrain so deutlich von den Strophen abhebt, wie es möglich gewesen wäre.
„Believe“ verbindet das Vertrauen in einen anderen Menschen mit dem Widerstand gegen fremde Erwartungen. Die unruhigeren Strophen öffnen sich zu einem melodischen Refrain. Kleine Brüche in Richards’ Stimme machen die Darbietung interessanter, weil sie nicht nach einstudierter Perfektion klingt.
Wenn Loslassen nicht für beide funktioniert
Mit „Cry For You“ erreicht das Album einen seiner stärksten Momente.
Der Erzähler hat sich aus der Vergangenheit gelöst, trauert aber um einen Menschen, dem dieser Schritt nicht gelingt. Richards singt mitfühlend, ohne sich über die andere Person zu stellen. Ruhigere Abschnitte geben dem Text Raum, bevor Gitarren und Schlagzeug den Refrain anheben.
„Faithless“ wird anschließend schwerer. Verlorener innerer Frieden, Einsamkeit und enttäuschter Glaube bilden das Zentrum des Songs. Das langsame Fundament passt zur gedrückten Stimmung. Der Refrain und das Ende wiederholen ihre Aussagen allerdings so häufig, dass der Titel etwas statisch wirkt.
Ähnlich ergeht es „She“. Die beschriebene Frau gibt Halt und trägt die Lasten anderer Menschen, bleibt dabei aber selbst verletzlich. Das Thema besitzt emotionale Substanz, wird jedoch in recht vertrauten Formulierungen erzählt. Der breit angelegte Refrain erreicht über fast fünf Minuten mehrfach denselben Punkt.
„Say Your Last Goodbye“ schildert einen endgültigen Abschied aus der Perspektive des Zurückgelassenen. Richards klammert sich noch an die Möglichkeit einer Rückkehr, obwohl längst klar ist, dass die Beziehung vorbei ist. Die Melodie trägt diesen Schmerz glaubwürdig. Gegen Ende wird der Titelrefrain etwas zu oft wiederholt.
Aufstehen, fallen und mit den eigenen Gedanken leben
„Rise“ ist mit 3:22 Minuten der kürzeste Song und besitzt den stärksten Vorwärtsdrang. Aus Stillstand, Wut und allgemeiner Erschöpfung entsteht eine einfache Aufforderung: wieder aufstehen. Nach einem zurückgenommenen Beginn zieht das Schlagzeug den Song nach vorn, bevor sich der Refrain vollständig öffnet. Die kompakte Laufzeit verhindert, dass sich die Nummer in Wiederholungen verliert.
„Fallen (Save Me)“ führt zurück in dunklere Regionen. Der Erzähler hat den Zugang zu seinem Glauben und zu sich selbst verloren. Seine Bitte an die Mutter, ihn vor dem Fallen zu bewahren, gibt dem Text eine persönliche Schärfe. Richards singt angespannt und hörbar erschöpft, während die Gitarren den Refrain immer weiter in die Breite ziehen.
„Monsters“ beschreibt eine Beziehung, in der ein anderer Mensch die dunklen Gedanken des Erzählers erkennt, sie aber nicht dauerhaft vertreiben kann. Nach dem Abschied bleiben diese Gedanken zurück. Das bekannte Bild der inneren Monster wird verständlich verwendet, ohne die Belastung zu romantisieren. Die Wechsel zwischen ruhigen Abschnitten und schweren Gitarren geben dem Stück mehr Bewegung als mehreren Songs davor.
„Summer Breeze“ lässt am Ende etwas Licht herein
Das abschließende „Summer Breeze“ stammt von Seals & Crofts.
Richards macht daraus keine beschwingte Sommernummer. Seine Stimme liegt tiefer, die Gitarren geben dem Song eine dunklere Grundfarbe und die gesamte Band spielt ihn mit spürbar mehr Gewicht.
Trotzdem bleiben die vertrauten Bilder erhalten:
Jasmin in der Luft, Heimkehr und ein gedeckter Tisch.
Nach einem Album voller Abschiede, Glaubenskrisen und kreisender Gedanken entsteht für einige Minuten ein Ort, an dem Ruhe möglich scheint.
Als Abschluss funktioniert diese Neuinterpretation gerade deshalb, weil sie nicht versucht, die Leichtigkeit des Originals zu kopieren.
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