Foghat – „Live & Loud Across The U.S.A.“ im Review
Abseits der üblichen Pflichtnummern widmet sich Foghat der eigenen Bandgeschichte, dem aktuellen Album „Sonic Mojo“ und ausgedehnten Bluesrock-Momenten. „Shaken & Stirred“ ergänzt das Livealbum um eine zweite musikalische Seite der heutigen Besetzung.

Tracklist der 2CD (zum Erweitern klicken):
CD 1: „Live & Loud Across The U.S.A.“
1. My Babe – 4:50
2. Drivin’ On – 4:17
3. Road Fever – 5:11
4. She’s a Little Bit of Everything – 3:08
5. Let Me Love You Baby – 4:06
6. Black Days & Blue Nights – 4:39
7. Home in My Hand – 5:28
8. Slipped, Tripped, Fell in Love – 4:13
9. It Hurts Me Too – 5:22
10. Hole to Hide In – 3:49
11. Somebody’s Been Sleeping in My Bed – 3:52
12. Third Time Lucky – 4:15
13. Sweet Home Chicago – 7:39
14. I Just Want to Make Love to You – 9:55
CD 2: „Shaken & Stirred“
1. Upside of Lonely – 4:21
2. Where’s the Rock n’ Roll – 5:56
3. I’m Coming Home – 4:21
4. Guess Things Happen That Way – 2:38
5. Love Isn’t Kind – 5:50
6. Fallen Angel – 4:22
7. Hi-Heel Sneakers – 4:40
8. Linda Lu – 3:11
9. Honey Do List – 4:38
10. Lonesome Train – 3:01
11. Sunday Morning Coming Down – 4:08
12. Gone Dead Train – 2:51
13. All Because of You – 5:11
14. Shaky Ground – 4:12
15. Wild Horses – 5:37
16. Knock on Wood – 3:17
17. Peter Gunn Theme – 3:21
VÖ: 30. Oktober 2026
Label: Metalville / Foghat Records
Genre: Blues Rock, Boogie Rock, Hard Rock, Roots Rock
Spielzeit: ca. 138 Minuten
Das Album jetzt bei JPC bestellen:
Alternativ im Foghat Records Store
Fazit der Redaktion:
„Live & Loud Across The U.S.A.“ ist vor allem deshalb gelungen, weil Foghat den einfachen Weg vermeiden. Der größte Hit fehlt, seltenere Klassiker stehen gleichberechtigt neben neuen Songs und die aktuelle Besetzung bekommt genügend Raum, ihren eigenen Charakter zu zeigen. Scott Holt überzeugt mit rauem, bluesnahem Gesang, Bryan Bassett setzt starke Slide-Akzente und die Rhythmusgruppe hält selbst die langen Stücke zuverlässig zusammen.
Die erste CD ist der klare Mittelpunkt dieser Veröffentlichung und für sich genommen ein sehr gutes Livealbum. „Shaken & Stirred“ schließt musikalisch nicht nahtlos daran an, ergänzt das Paket aber um Country, Soul und Roots Rock. Dadurch wirkt die Doppel-CD nicht vollkommen geschlossen, bietet mit rund 138 Minuten jedoch viel Substanz und einige Aufnahmen, die tiefer reichen als eine gewöhnliche Zusammenstellung bekannter
Foghat-Songs.
„Mit ‚Live & Loud Across The U.S.A.‘ beweisen Foghat eindrucksvoll ihre ungebrochene Live-Stärke – rauer Bluesrock, mitreißende Gitarrenarbeit und eine spielfreudige Band, die Klassiker und neue Songs kraftvoll auf die Bühne bringt.“
Was bekommen wir auf die Ohren?
„Slow Ride“ fehlt. Ausgerechnet Foghat verzichten auf ihren größten Hit und damit auf die Nummer, die bei einer solchen Veröffentlichung fast automatisch erwartet wird.
Das ist kein Mangel, sondern eine der besten Entscheidungen auf „Live & Loud Across The U.S.A.“. Statt eine weitere Best-of-Setlist abzuspulen, stellt die Band Stücke aus mehreren Phasen ihrer Geschichte zusammen und räumt auch dem 2023 erschienenen Album „Sonic Mojo“ viel Platz ein.
Die Aufnahmen entstanden während der Tourneen 2024 und 2025 in sieben US-amerikanischen Städten. Für Roger Earl, Bryan Bassett, Scott Holt und Rodney O’Quinn ist es das erste offizielle Livealbum in dieser Besetzung.
Ursprünglich waren die Mitschnitte nicht für eine Veröffentlichung geplant.
Erst aus dem vorhandenen Material entstand die Idee, daraus ein Album zusammenzustellen. Entsprechend direkt klingt das Ergebnis.
Die unterschiedlichen Räume lassen sich erahnen, kleinere Unebenheiten wurden nicht vollständig geglättet und das Publikum bleibt ein hörbarer Teil der Konzerte.
„Live & Loud Across The U.S.A.“ zeigt die heutige Band
Scott Holt steht als Sänger und Gitarrist an einem schwierigen Punkt der Foghat-Geschichte. Er muss die alten Stücke tragen, ohne Dave Peverett nachzuahmen.
Genau das gelingt ihm. Seine Stimme ist rau, tief im Blues verwurzelt und bei Bedarf erstaunlich beweglich. Sie verändert den Charakter einiger Klassiker, hält aber genügend Abstand zu einer bloßen Neuinterpretation um jeden Preis.
Bryan Bassett setzt mit seiner Slidegitarre viele der auffälligsten Akzente. Er drängt sich nicht in jeden freien Takt, findet aber immer wieder kurze Linien, die den Songs ihre typische Foghat-Farbe geben. Rodney O’Quinn sorgt mit einem kräftigen, runden Bass für den notwendigen Schub, während Roger Earl die Band mit trockenem, konzentriertem Schlagzeugspiel zusammenhält. Earl muss niemandem mehr beweisen, wie hart er spielen kann. Seine Stärke liegt darin, auch längere Stücke in Bewegung zu halten, ohne sie mit überflüssigen Schlägen zu überfrachten.
Tim Franquists Mix verbindet die verschiedenen Konzertmitschnitte zu einem weitgehend geschlossenen Album. Klangliche Unterschiede zwischen den Spielorten bleiben zwar hörbar, reißen die Platte aber nicht auseinander. Gitarren, Bass und Schlagzeug besitzen genügend Raum, und auch bei den ausgedehnteren Bluespassagen bleibt das Zusammenspiel klar.
Alte Straßenlieder und neues Material
„My Babe“ eröffnet mit lockerem Shuffle, mehrstimmigen Passagen und präsenter Slidegitarre. Der Einstieg wirkt beinahe beiläufig, bringt die Band aber schnell auf Betriebstemperatur. Mit „Drivin’ On“ folgt der erste von vier Songs aus „Sonic Mojo“.
Die Livefassung klingt kräftiger als die Studioversion und trifft sehr gut dieses Gemisch aus Müdigkeit, Straße und der Sehnsucht nach dem eigenen Zuhause.
„Road Fever“ gehört zu den Stücken, die den heutigen Zustand der Band besonders gut beschreiben. Der schwere Boogie-Groove rollt gleichmäßig, während Holt und Bassett genügend Freiraum für spontane Gitarrenlinien bekommen. Auch „Home in My Hand“ lebt von diesem Gefühl des ständigen Unterwegsseins. Beide Songs werden nicht ehrfürchtig verwaltet, sondern mit der Erfahrung einer Band gespielt, die weiterhin regelmäßig auf der Bühne steht.
Die neueren Stücke halten neben den Klassikern problemlos mit.
„She’s a Little Bit of Everything“ bleibt bewusst kompakt und lebt stärker vom Rhythmus als vom recht einfachen Text. „Let Me Love You Baby“ führt direkt zu Holts Vergangenheit als Gitarrist bei Buddy Guy. Sein Gesang besitzt hier besonderen Biss, während die Gitarren beinahe jede Zeile kommentieren.
Noch stärker fällt „Black Days & Blue Nights“ aus. Der Song bringt mehr Schwere in das Album, ohne das Tempo vollständig herauszunehmen. Gesang und Slidegitarre wirken wie zwei Stimmen, die denselben Verlust unterschiedlich verarbeiten. Gerade solche Momente zeigen, dass „Sonic Mojo“ im Konzert längst mehr ist als der obligatorische Hinweis auf das aktuelle Studioalbum.
Foghat greifen tiefer in den eigenen Katalog
Mit „Hole to Hide In“ holt die Band einen Titel ihres Debüts von 1972 zurück.
Rechnungen, Schulden und der Wunsch, vor den Problemen zu verschwinden,
ergeben einen angenehm konkreten Text mit trockenem Humor.
Die neue Fassung bleibt kompakt und kommt ohne langes Solo aus.
„Somebody’s Been Sleeping in My Bed“ wird stärker vom Bass getragen und bringt eine funkigere Bewegung in die Setlist. „Third Time Lucky“ zeigt anschließend die melodischere Seite von Foghat. Holt singt kontrollierter, während sich die Gitarren erst nach und nach öffnen. Solche Wechsel helfen dem Album, denn knapp 70 Minuten Live-Bluesrock können schnell gleichförmig werden, wenn jede Nummer denselben Druck entwickelt.
Viel Raum für den Blues
Im letzten Drittel wird „Live & Loud Across The U.S.A.“ großzügiger.
„Sweet Home Chicago“ öffnet sich für das Publikum und gibt beiden Gitarristen Raum.
Die bekannte Vorlage bringt erwartungsgemäß wenig Überraschungen mit, funktioniert durch das Zusammenspiel der Band dennoch gut.
Der eigentliche Höhepunkt folgt mit der fast zehnminütigen Fassung von „I Just Want to Make Love to You“. Holt zieht einzelne Gesangszeilen in die Länge, Bassett antwortet mit der Slidegitarre und Earl hält das Stück auch während der freien Passagen auf Kurs. Der Jam hätte etwas kürzer ausfallen können, besitzt aber genügend Spannung, um seine Laufzeit zu rechtfertigen. Hier ist am deutlichsten zu hören, weshalb Foghat mehr als fünf Jahrzehnte nach ihrer Gründung weiterhin als Liveband funktionieren.
„Shaken & Stirred“ wechselt die Perspektive
Die zweite CD enthält das 2018 veröffentlichte Album „Shaken & Stirred“ von Earl & The Agitators. Hinter dem Namen stehen weitgehend dieselben Musiker, musikalisch verschieben sich die Schwerpunkte jedoch deutlich. Bluesrock bleibt die Grundlage, wird aber stärker mit Country, Soul, Funk und traditionellem Rock ’n’ Roll verbunden.
Die Studiostücke klingen breiter und bassbetonter als die Foghat-Liveaufnahmen. Dadurch entsteht kein durchgehendes Konzerterlebnis, sondern eine klar abgetrennte zweite Hälfte. Das kann zunächst irritieren, erweitert das Gesamtbild aber um einige hörenswerte Aufnahmen.
„Upside of Lonely“ lebt von seinem trockenen Humor. Der Erzähler zählt die vermeintlichen Vorteile des Alleinseins auf, bis die Selbsttäuschung kaum noch zu überhören ist. „Guess Things Happen That Way“ behandelt eine Trennung mit jener knappen, resignierten Ruhe, die bereits Johnny Cashs Fassung auszeichnete. Die zurückhaltende Instrumentierung lässt dem Text den notwendigen Platz.
Besonders gelungen ist „Sunday Morning Coming Down“. Kris Kristoffersons Beobachtungen eines verkaterten Sonntags werden ohne unnötiges Pathos vorgetragen. Essensgerüche, Kirchenglocken und die Einsamkeit eines Menschen, der sich außerhalb des normalen Lebens bewegt, bleiben dadurch greifbar. Holt singt ruhig und vermeidet jede dramatische Überzeichnung.
Auch „Wild Horses“ profitiert von der Reduktion. Die Band verlangsamt den Rolling-Stones-Song und lässt zwischen den Instrumenten viel Luft. „Shaky Ground“ und „Knock on Wood“ holen anschließend den Soul- und Funkanteil stärker hervor.
Über die gesamten 17 Titel wiederholen sich allerdings einige Bluesmuster.
„Where’s the Rock n’ Roll“ besitzt zwar Druck, verlässt sich textlich aber zu sehr auf seine Parole. „Fallen Angel“ entwickelt eine dunkle Stimmung, bleibt in seiner Erzählung jedoch undeutlicher als die stärkeren Eigenkompositionen.
Als eigenständiges Album ist „Shaken & Stirred“ etwas zu lang geraten.
Im Rahmen dieser Doppel-CD bleibt es trotzdem eine interessante Ergänzung.
Kontakt:
(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von Flying Dolphin Entertainment)













Kommentare