JOHN DIVA & THE ROCKETS OF LOVE – „Your Favorite Drug“ Review: Zehn kurze Rockhymnen und viel Achtzigerliebe
John Diva & The Rockets Of Love übertreiben beim Image weiterhin mit voller Absicht. Musikalisch ist „Your Favorite Drug“ dagegen erstaunlich diszipliniert: zehn kompakte Songs, große Refrains, starke Gitarren und gerade genug Selbstironie, damit die Achtzigerliebe nicht zur Kostümparty wird.

Tracklist:
1. The Devil’s Got My Back – 3:30
2. Bigger Than America – 3:02
3. No Mercy For The Teenage Heart – 3:44 4. Lamborghina – 3:44
5. Favorite Drug – 3:08
6. S.M.I.L.E. – 3:40
7. Love Is Cold – 3:31
8. Girls In Overdrive – 3:28
9. Spectacular – 3:27
10. Soundtrack Of My Life – 3:06
Veröffentlichungsdatum: 16. Oktober 2026
Label: Frontiers Music Srl
Genre: Glam Metal / Melodic Hard Rock / Arena Rock
Laufzeit: 34:24 Min.
Produktion: Hannes Braun
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Fazit der Redaktion:
„Your Favorite Drug“ erfindet Glam Metal selbstverständlich nicht neu.
John Diva & The Rockets Of Love machen auch keinerlei Versuch, ihre Liebe zu Bon Jovi, Def Leppard, Mötley Crüe oder Van Halen zu verstecken.
Der Unterschied zu vielen Retro-Bands liegt darin, wie konsequent sie daraus Songs bauen.
„The Devil’s Got My Back“, „Bigger Than America“, „Favorite Drug“ und „Love Is Cold“ liefern starke Hooks, während „Soundtrack Of My Life“ die gesamte Achtzigerbesessenheit der Band in gut drei Minuten auf den Punkt bringt.
Nicht alles sitzt gleich stark. „Girls In Overdrive“ und „Spectacular“ zeigen, dass die kompakte Hymnenformel irgendwann vorhersehbar wird.
Manche Texte bestehen außerdem weiterhin aus einer Mischung aus
Haarspray, Benzin, Frauen und Rock’n’Roll-Größenwahn.
Aber genau hier liegt der Charme.
Die Band nimmt ihre Kunstfigur nicht besonders ernst. Ihre Songs dagegen schon.
Und deshalb funktioniert „Your Favorite Drug“ ziemlich gut.
"John Diva & The Rockets Of Love feiern auf „Your Favorite Drug“ ihre Achtzigerliebe mit großen Refrains und reichlich Selbstironie – und schreiben dabei erstaunlich konsequent gute Rockhymnen."
Was bekommen wir auf die Ohren?
John Diva & The Rockets Of Love haben ihre Kunstfigur längst perfektioniert. Künstlernamen, Glam-Outfits und die erfundene amerikanische Vergangenheit dürfen weiterhin hemmungslos überzogen sein. Die Musik selbst ist dagegen ziemlich konzentriert.
Keiner der zehn Songs erreicht vier Minuten. Lange Intros, endlose Soli oder irgendwelche Experimente, die nur beweisen sollen, dass man auch anders könnte, gibt es nicht.
Fast jede Nummer hat ein klares Riff, einen schnell greifbaren Refrain und
genau so viel Gitarrensolo, wie sie benötigt.
Das macht „Your Favorite Drug“ angenehm kurzweilig. Gleichzeitig zeigt sich in der zweiten Hälfte, dass diese Disziplin auch ihre Grenzen hat. Wenn mehrere Songs nach einem ähnlichen Muster aufgebaut sind, fehlt gelegentlich die Überraschung.
Teufel, Größenwahn und ein gebrochenes Teenagerherz
„The Devil’s Got My Back“ bringt sofort alles mit, was diese Band ausmacht.
Neonlichter, Voodoo, Versuchung und ein nächtlicher Tanz mit dem Teufel sind natürlich keine ernst gemeinte Okkultismusveranstaltung. Der Song spielt mit Rockklischees und klingt dabei trotzdem wie ein richtig guter Hardrock-Opener.
Das Riff hat Druck, John Diva bleibt melodisch und der große Refrain sitzt.
Noch offensichtlicher wird der Größenwahn bei „Bigger Than America“.
Der Erzähler will alles, wartet nirgendwo und fühlt sich für eine Nacht größer als ein ganzer Kontinent. Herrlich bescheuert – und genau deshalb funktioniert es.
Southern-Rock-Anklänge, Zurufe und Chöre ziehen die Nummer auf Arenagröße,
ohne dass daraus reine Parodie wird.
„No Mercy For The Teenage Heart“ schlägt anschließend eine weichere Richtung ein. Erste Liebe, falsche Coolness und der erste große Herzschmerz klingen hier tatsächlich
wie der Abspann eines nie gedrehten Achtziger-Teenagerfilms.
Vorhersehbar? Absolut. Aber eben auch ziemlich charmant.
„Lamborghina“ darf völlig bescheuert sein
Bei „Lamborghina“ verschmelzen Frau und Sportwagen zu einer
einzigen Glam-Rock-Fantasie.
Motoren reden schmutzig, Herzen rasen und Liebe kennt keine
Geschwindigkeitsbegrenzung.
Subtil ist daran gar nichts.
Muss es auch nicht sein.
Bass und Schlagzeug treiben die Nummer locker nach vorne, die Gitarren lassen genügend Luft und der Refrain nimmt den eigenen Unsinn mit erfreulichem Ernst. Genau diese Balance beherrschen John Diva & The Rockets Of Love inzwischen ziemlich gut:
Die Band weiß, dass das alles albern ist, spielt den Song aber nicht wie einen Witz.
Ähnlich eingängig ist der Titeltrack „Favorite Drug“.
Liebe wird zum Rausch, der Erzähler kennt die Nebenwirkungen und will trotzdem nicht davon loskommen. Musikalisch ist das ein schwerer Midtempo-Rocker mit einfachem Riff, großen Chören und einem sehr gut gesetzten Solo.
Einer der Songs, die schon nach einem Durchlauf im Kopf bleiben.
Etwas Sonne, danach wird es plötzlich kalt
„S.M.I.L.E.“ ist der optimistische Gegenpol.
Aufstehen, rausgehen, Risiken eingehen und das eigene Leben nicht mit angezogener Handbremse verbringen. Inhaltlich bleibt das leicht, das schnellere Tempo und die helleren Gitarren bringen aber genau zur richtigen Zeit Bewegung hinein.
Wesentlich interessanter ist „Love Is Cold“.
Eine gescheiterte Beziehung verwandelt das eigene Herz in ein Spukhaus, Erinnerungen werden zu nächtlichen Geistern und plötzlich verschwindet die übliche Ironie fast vollständig. Die Strophen bekommen mehr Luft, der Refrain bringt wieder Gitarrengewicht hinein und John Diva singt deutlich ernster.
Gerade deshalb bleibt der Song hängen. Wenn die Band ihre Kunstfigur für ein paar Minuten nicht in den Vordergrund stellt, funktioniert sie nämlich ebenfalls sehr gut.
In der zweiten Hälfte wird die Formel hörbarer
Bei „Girls In Overdrive“ und „Spectacular“ lässt die Wirkung etwas nach.
„Girls In Overdrive“ feiert selbstbewusste Frauen, die sich vom Leben nicht ausbremsen lassen, bleibt dabei aber gleichzeitig sehr deutlich im männlichen Glam-Rock-Blick hängen. Der Gruppenrefrain dürfte live hervorragend funktionieren, als Song bleibt die Nummer etwas formelhafter.
„Spectacular“ setzt auf Stil, Luxus und eine Frau, die jeden Auftritt in eine Show verwandelt. Wechselgesänge, Chöre und Gitarren funktionieren handwerklich problemlos. Nach acht ähnlich kompakt gebauten Songs fehlt allerdings eine Idee, die wirklich überrascht.
Beide Stücke sind keineswegs schlecht. Sie zeigen nur, warum 34 Minuten für dieses Album ziemlich genau die richtige Länge sind.
Der beste Schluss ist ein einziges Achtziger-Ratespiel
Dann kommt „Soundtrack Of My Life“.
Und plötzlich ist völlig klar, warum dieser Song am Ende stehen muss.
„Sweet Dreams“, „Talk Dirty To Me“, „Flesh For Fantasy“, „Every Breath You Take“, „I Died In Your Arms“, „Here I Go Again“, „Running Up That Hill“, „Girls Just Want To Have Fun“ oder „Wake Me Up Before You Go-Go“ – die Achtziger werden hier nicht nur zitiert, sondern regelrecht zu einem neuen Text zusammengesetzt.
Die Keyboards erinnern bewusst an frühen Bon Jovi, beim Gitarrensolo lässt das berühmte Zusammentreffen von Michael Jackson und Eddie Van Halen grüßen.
Das könnte schnell nach billiger Nostalgie klingen.
Tut es aber nicht, weil die Band diese Musik offensichtlich wirklich liebt.
John Diva & The Rockets Of Love betrachten die Achtziger nicht von außen.
Sie tun so, als wären sie selbst mittendrin gewesen.
Bei dieser Band gehört genau das zum Konzept.
Produktion: Hochglanz mit genügend Dreck
Hannes Braun hat das Album sehr sauber produziert, ohne daraus eine sterile Retro-Platte zu machen. Die Gitarren stehen breit, Bass und Schlagzeug bleiben trotzdem hörbar und die mehrstimmigen Chöre bekommen genau den Raum, den diese Musik braucht.
Positiv fällt außerdem auf, dass John Diva nicht permanent versucht, möglichst hoch zu singen. Seine warme Mittellage trägt die Songs, während hohe Töne als
Akzent eingesetzt werden.
Auch die Gitarrensoli sind angenehm kurz.
Kein Ego-Trip, sondern Melodie und zurück zum Refrain.
Das passt hervorragend zu einem Album, dessen größte Stärke die Konzentration ist.
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