Kärbholz – Sturm Zieh Auf – Review: Härter, persönlicher und voller Widerstandskraft
Drei Jahre nach ihrem letzten Doppelalbum melden sich Kärbholz mit „Sturm Zieh Auf“ eindrucksvoll zurück. Härtere Gitarren, nachdenkliche Texte und ein roter Faden aus Resilienz, Hoffnung und Veränderung prägen eines der emotionalsten Alben der Band.

Tracklist:
01. Sturm zieh auf
02. Wenn ich fall
03. Dämmerlicht
04. Kryptonit
05. Mut
06. Augenblick
07. Messers Schneide
08. Glück
09. Sonnenfinsternis
10. Wo man tanzt
11. Gottes Kind
12. Kintsugi
13. Des Todes Bruder
Veröffentlichungsdatum: 25. September 2026
Label: Metalville/EDEL
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Fazit der Redaktion:
Mit „Sturm Zieh Auf“ liefern Kärbholz ein reifes und geschlossenes Deutschrock-Album ab, das Härte und Nachdenklichkeit überzeugend miteinander verbindet.
Auch wenn musikalisch nicht jeder Song neue Wege geht, überzeugt das Album durch seine emotionale Ehrlichkeit, seinen druckvollen Sound und einen roten Faden, der sich konsequent durch alle dreizehn Titel zieht.
Kärbholz bleiben sich treu und zeigen gleichzeitig, dass sie auch nach vielen Jahren noch Alben schreiben können, die berühren und Kraft geben.
"Härter, emotionaler und überraschend nachdenklich –
Kärbholz liefern eines ihrer geschlossensten Alben."
Was bekommen wir auf die Ohren?
Drei Jahre nach „Kapitel 10: Wilde Augen“ und „Kapitel 11: Barrikaden“ melden sich Kärbholz mit einem Album zurück, das seinem Titel alle Ehre macht.
„Sturm Zieh Auf“ beschreibt jedoch nicht nur Naturgewalten, sondern steht sinnbildlich für die Herausforderungen des Lebens. Es geht um Rückschläge, Zweifel und Verluste
– vor allem aber darum, gestärkt aus ihnen hervorzugehen.
Der Opener „Sturm zieh auf“ ist atmosphärisch aufgebaut und musikalisch druckvoll.
Statt Schuldige zu suchen, richten Kärbholz den Blick nach innen und
beschäftigen sich mit der Frage, wie man Krisen begegnet.
Persönliche Themen statt einfacher Antworten
Diese Linie setzt sich konsequent fort. „Wenn ich fall“ beschäftigt sich mit dem Moment des Scheiterns und der Frage, was einen wieder aufstehen lässt. „Dämmerlicht“ bewegt sich zwischen Orientierung und Unsicherheit, während „Kryptonit“ daran erinnert, dass selbst starke Menschen ihre verletzlichen Seiten haben.
Mit „Mut“ formuliert die Band eine der zentralen Aussagen des Albums. Es geht nicht darum, furchtlos zu sein, sondern trotz aller Zweifel weiterzugehen. Auch „Augenblick“ wirkt angenehm bodenständig und lenkt den Blick auf die kleinen Momente, die oft mehr Kraft geben als große Gesten.
Die zweite Hälfte gewinnt an Tiefe
Nach „Messers Schneide“, das den schmalen Grat zwischen richtigen und falschen Entscheidungen beschreibt, öffnet sich das Album emotional noch einmal stärker.
„Glück“ sucht nicht nach einfachen Lösungen, sondern erinnert daran, dass Zufriedenheit häufig in den kleinen Dingen entsteht. „Sonnenfinsternis“ bringt die düstere Stimmung zurück, bevor „Wo man tanzt“ bewusst etwas Leichtigkeit ins Album bringt.
Zu den stärksten Songs gehört „Kintsugi“. Das Bild der japanischen Kunst, Zerbrochenes sichtbar mit Gold zu reparieren, passt hervorragend zum Grundgedanken des Albums.
Kärbholz machen deutlich, dass Narben kein Makel sein müssen,
sondern Teil der eigenen Geschichte sind.
Mit „Des Todes Bruder“ endet die Platte nachdenklich, ohne hoffnungslos zu wirken.
Statt einer einfachen Durchhalteparole hinterlassen Kärbholz die Botschaft, dass Veränderung zum Leben gehört – und dass gerade schwierige Zeiten neue Perspektiven eröffnen können.
Härterer Sound, vertraute Handschrift
Musikalisch greifen Kärbholz wieder häufiger zu härteren Gitarren und einem direkteren Sound. Das Album wirkt kantiger als einige seiner Vorgänger, verliert dabei aber nie die melodische Seite der Band aus den Augen. Große Refrains und eingängige Melodien bleiben ebenso Bestandteil des Songwritings wie die gewohnt direkte Sprache.
Gerade diese Mischung macht „Sturm Zieh Auf“ stark. Kärbholz verzichten weitgehend auf plakative Parolen und erzählen stattdessen von Erfahrungen, mit denen sich viele Hörer identifizieren können.
Ganz ohne bekannte Muster kommt das Album allerdings nicht aus. Einige Songs bewegen sich musikalisch innerhalb der vertrauten Deutschrock-Koordinaten und überraschen nur selten mit neuen Ideen. Das schmälert den Gesamteindruck jedoch kaum, weil die Band genau weiß, worin ihre Stärken liegen.
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