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Steve Hackett & Steve Rothery – „The Roaring Waves“ Review: Wenn Gitarren wie Wellen erzählen

Zwei große Gitarristen, sieben Instrumentalstücke und kein Interesse am virtuosen Kräftemessen: Steve Hackett und Steve Rothery erschaffen ein reifes Progressive-Rock-Album über Meer, Erinnerung und Bewegung.


Albumcover The Roaring Waves - Steve Hackett & Steve Rothery - Review

Tracklist:

1. The Storm

2. Sandsend

3. Red Dragon

4. The Roaring Waves

5. K-129

6. The Black Sea

7. Pacific Coast Highway







Veröffentlichungsdatum: 28. August 2026


Label: InsideOutMusic / Sony Music

Genre: Progressive Rock / Instrumental Rock / Cinematic Prog

Laufzeit: ca. 45:08 Minuten


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Fazit der Redaktion:

„The Roaring Waves“ ist kein Gitarrenhelden-Schaukampf.


Steve Hackett und Steve Rothery begegnen sich auf einem ruhigeren und atmosphärischeren Feld, auf dem Erinnerung, Landschaft und Bewegung wichtiger sind als Virtuosität um ihrer selbst willen.


Das Album verlangt Geduld. Es verzichtet bewusst auf spektakuläre Solo-Duelle.

Manchmal fließt die Musik eher, als dass sie unmittelbar zupackt. Wer sich darauf einlässt, entdeckt jedoch ein reifes Instrumentalwerk voller feiner Details und starker innerer Bilder.


Besonders „The Storm“, „K-129“ und „The Black Sea“ zeigen, wie überzeugend Hackett und Rothery gemeinsam Atmosphäre erschaffen können. Das überraschend offene „Pacific Coast Highway“ sorgt schließlich dafür, dass die Reise nicht in der Dunkelheit endet.


„The Roaring Waves“ ist Musik für konzentriertes Hören – ruhig, bildhaft und voller jener kleinen Bewegungen, die erst nach mehreren Durchläufen vollständig sichtbar werden.



"The Roaring Waves entfaltet mit jeder Minute mehr Tiefe und nimmt seine Hörer mit auf eine eindrucksvolle Reise voller Atmosphäre und Emotionen."



Was bekommen wir auf die Ohren?


Wenn Steve Hackett und Steve Rothery gemeinsam ein Album aufnehmen, liegt eine bestimmte Erwartung beinahe automatisch in der Luft. Hackett prägte mit Genesis einen wichtigen Teil der Progressive-Rock-Geschichte, Rothery steht seit Jahrzehnten für den unverwechselbar singenden Gitarrenton von Marillion. Man könnte also mit langen Soli, technischem Überbieten und einem freundschaftlichen Wettkampf auf sechs Saiten rechnen.


„The Roaring Waves“ entscheidet sich bewusst gegen diesen Weg.


Das Album möchte keine Leistungsschau sein. Hackett und Rothery spielen nicht gegeneinander, sondern miteinander. Ihre Gitarren schaffen Räume, greifen ineinander, ziehen sich zurück und übernehmen erst dann wieder die Führung, wenn es die jeweilige Stimmung verlangt.


Virtuosität bleibt jederzeit vorhanden. Sie steht jedoch nie über der Musik.


Das Meer als musikalischer Erinnerungsraum

Das Meer ist auf „The Roaring Waves“ weit mehr als ein dekoratives Covermotiv.

Fast jedes Stück nähert sich einer anderen Wasserfläche, einem historischen Ereignis oder einem inneren Zustand. Küsten, Schiffe und tiefe Gewässer werden zu Bildern für Erinnerung, Verlust, Bewegung und Veränderung.


Besonders Steve Rotherys Kindheit im nordenglischen Whitby prägt die Atmosphäre.

Kalte Küsten, Winterwind, Tunnel und das gleichmäßige Brechen der Wellen scheinen über dem Album zu liegen.


Steve Hackett ergänzt diese Bilder um seine eigene musikalische Sprache:

elegante akustische Figuren, schwebende Melodien und jene leicht entrückte Dramatik, die bereits seine Arbeit mit Genesis und seine Solokarriere auszeichnet.


Das Ergebnis wirkt nicht wie eine bloße Verbindung zweier bekannter Stile.

Vielmehr entsteht eine gemeinsame Sprache, die sich Zeit nimmt und

Stimmungen nicht vorschnell auflöst.


„The Storm“ öffnet den Blick auf unruhiges Wasser

„The Storm“ beginnt nicht als harmloses Naturbild. Das Stück trägt von Anfang an Unruhe und dunkle Bewegung in sich. Die Gitarren verzahnen sich, ohne einander zu bedrängen. Hackett und Rothery spielen nicht einfach abwechselnd ihre Parts, sondern bewegen sich umeinander herum.


Einige Passagen wirken beinahe, als würden sie ausfransen und den Halt verlieren.

Dann findet die Musik wieder festeren Boden und setzt ihren Weg fort. Als Eröffnung funktioniert das überzeugend, weil der Song nicht versucht, beide Gitarristen möglichst schnell vorzustellen.


„Sandsend“ klingt nach vorsichtiger Heimkehr

Mit „Sandsend“ wird das Album heller und persönlicher.

Der Titel verweist auf den Küstenort nahe Whitby, doch die Musik wirkt weniger wie ein klassisches Landschaftsgemälde als wie eine vorsichtige Erinnerung.


Rotherys lange, singende Gitarrenlinien tragen jene typische Marillion-Melancholie, die gleichzeitig traurig und tröstlich wirken kann. Hackett setzt feinere Akzente daneben und lässt dem Stück ausreichend Raum.


„Sandsend“ benötigt keine dramatische Steigerung. Der Song vertraut darauf, dass seine Stimmung trägt. Gerade diese Zurückhaltung macht ihn zu einem der intimsten Momente des Albums.


Mehr Druck und historische Farben in „Red Dragon“

„Red Dragon“ bringt anschließend deutlich mehr Rockenergie in die Platte.

Der Song besitzt einen kräftigeren Puls, härtere Gitarren und orientalisch beziehungsweise östlich gefärbte Motive.


Der Titel bezieht sich auf ein Schiff der britischen East India Company. Diese historische und leicht exotische Ebene spiegelt sich in der Musik wider,

ohne in plakative Filmmusik zu kippen.


Nach den atmosphärisch zurückgenommenen ersten beiden Stücken wirkt „Red Dragon“ körperlicher und unmittelbarer. Der Song verändert die Dynamik des Albums genau im richtigen Moment und zeigt, dass Hackett und Rothery nicht ausschließlich auf

schwebende Klangbilder setzen.



Das Titelstück wächst wie eine Welle

„The Roaring Waves“ nimmt sich mehr als sieben Minuten Zeit.

Akustische Gitarren eröffnen das Stück mit einer beinahe stillen Bewegung. Nach und nach kommen weitere Ebenen hinzu, die Musik gewinnt an Druck und öffnet sich immer weiter.


Hackett und Rothery interessieren sich dabei kaum für klassische Strophe-Refrain-Strukturen. Das Stück denkt in Bildern und Bewegungen: ein Boot auf dunklem Wasser, Wind in den Segeln, Wellen gegen Holz und ein schmaler Lichtstreifen am Horizont.


Der Song wächst langsam, ohne sich in einem komplizierten Progressive-Rock-Überbau zu verlieren. Seine Wirkung entsteht nicht aus plötzlichen Wendungen, sondern aus der organischen Veränderung der Atmosphäre.


Gerade deshalb wird der Titeltrack zu einem der zentralen Momente des Albums.


„K-129“ führt hinab in die Tiefe

Der düsterste Song des Albums ist „K-129“.

Das Stück bezieht sich auf das sowjetische U-Boot, das 1968 im Pazifik sank. Diese Geschichte verleiht der Musik eine beklemmende und beinahe klaustrophobische Tiefe.


Während andere Stücke von Bewegung und offenen Horizonten leben, wirkt „K-129“ eingeschlossen. Die Musik vermittelt Metall, Wasserdruck, Dunkelheit und das langsame Verschwinden in einer kaum erreichbaren Tiefe.


Weil das Album vollständig instrumental bleibt, muss es diese Bilder nicht erklären.

Die Gitarren, Sequenzen und dunklen Klangflächen transportieren genug.


„K-129“ gehört zu den eindringlichsten Momenten von „The Roaring Waves“, weil das Stück weder dramatisch überzeichnet noch emotional vereinfacht.


Es bleibt kontrolliert und wirkt gerade dadurch umso bedrückender.


„The Black Sea“ zwischen Hafenlicht und Film Noir

„The Black Sea“ war als erster Vorbote sinnvoll gewählt.


Der Song besitzt eine noirhafte und ausgesprochen filmische Atmosphäre.

Vor dem inneren Auge entstehen graue Häfen, alte Seekarten und Schiffe, die irgendwann aus den Aufzeichnungen verschwunden sind.


Die Keyboards von Riccardo Romano sind für diese Wirkung entscheidend.

Sie schaffen Tiefe und Farbe, ohne die Gitarren zu verdrängen. Leon Parr gibt dem Stück mit seinem Schlagzeug zusätzliche Kontur und verhindert, dass die Musik nur schwebt.


Hackett und Rothery wirken hier besonders geschlossen. Keiner muss lauter, schneller oder auffälliger spielen als der andere. Beide dienen dem Bild, das der Song erzeugen möchte.



Ein offener Horizont am Ende

„Pacific Coast Highway“ überrascht zum Abschluss.


Nach den dunklen Küsten, Stürmen und versunkenen Schiffen öffnet sich

plötzlich ein wärmerer Horizont.


Der Song trägt eine entspanntere Roadmovie-Stimmung in sich. Steve Hackett greift zur Mundharmonika, Steve Rothery übernimmt zusätzlich den Bass, und die Musik gewinnt einen lockereren, beinahe befreienden Zug.


Als klassisches Progressive-Rock-Finale wirkt das zunächst ungewöhnlich.

Statt noch einmal den maximalen Bombast aufzubauen, öffnet das Album ein Fenster

und lässt neue Luft herein.


„Pacific Coast Highway“ wirkt wie das Weiterfahren nach einer langen Nacht am Meer.


Eine Produktion mit Raum zum Atmen

Bei einem Album dieser Art sind Produktion und Mix entscheidend.

Riccardo Romano gelingt es, die unterschiedlichen Instrumente transparent zu halten. Obwohl viel passiert, wirkt die Musik nie überfüllt.


Die Gitarren dürfen sprechen, aber ebenso schweigen. Keyboards, Bass und Schlagzeug erhalten genügend Raum, ohne den Fokus zu verlieren. Gerade die ruhigeren Passagen profitieren davon, dass nicht jede Lücke sofort mit einer weiteren Klangschicht

geschlossen wird.


Die Blu-ray-Ausgabe mit Dolby-Atmos- und High-Resolution-Stereo-Mixen dürfte diesem räumlichen Ansatz besonders entgegenkommen. Auch die 180-Gramm-Vinyl-Ausgabe, die als Half-Speed-Master in den Abbey Road Studios geschnitten wurde, passt zum Charakter des Albums.


„The Roaring Waves“ ist keine Platte für den beiläufigen Konsum.

Sie verlangt Konzentration und belohnt geduldiges Zuhören.



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(Mit freundlicher Unterstützung und Bereitstellung des Pressematerials von Oktober Promotion & Management)


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