In Extremo - 30 Jahre Festivalbericht - Die Bands - Tag 3
- Redaktion

- 11. Okt.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Okt.
Rauhbein, Tanzwut, Dritte Wahl, Clawfinger, Wind Rose, ASP, ...Epilog

Tag 3 – Samstag: Freundschaft, Feuer und Finsternis
Der Samstag begann früh – und schon weit vor dem ersten Ton war die Loreley-Arena dicht gefüllt. Die Stimmung: erwartungsvoll, ausgelassen, elektrisiert. Die Sonne schien warm über das Rheintal, und der dritte Festivaltag versprach noch einmal alles, was dieses Jubiläum ausmachte: Energie, Emotion und ehrliche Musik.
Rauhbein – Der Wahnsinn zum Auftakt

Um 13:45 Uhr eröffneten Rauhbein den letzten Festivaltag – laut, direkt und mitreißend. Schon beim ersten Song, dem selbstbetitelten „Rauhbein“, sprang der Funke über.
Die Band, die sich in den letzten Jahren eine treue Fanbase erspielt hat,
brachte das Publikum vom ersten Takt an zum Ausrasten.
„Mitgenommen auf die Reise, auf den Wahnsinn“, bedankte sich Sänger Henry, und genau das war es: pure, ungebremste Energie.

Die selbsternannte „laute und schnelle Musikkapelle“ nutzte jede Sekunde ihrer halbstündigen Spielzeit. Mit Songs wie „Adrenalin“ verwandelten sie die Arena in ein brodelndes Meer aus jubelnden Fans. Besonders gefeiert wurde der Auftritt von Luzi L., der mit der In-Extremo-Fahne über die Bühne fegte, während Micha Rhein bei „Typen wie wir“ spontan zum Mikrofon griff und die Menge zum Toben brachte.
Eine Zugabe ließ die Band zwar aus Zeitgründen ausfallen,
doch die Rufe danach hallten noch lange nach.

Tanzwut – Spielleute unter sich

Kaum war der Applaus verklungen, ging es Schlag auf Schlag weiter.
Um 14:50 Uhr übernahmen Tanzwut die Bühne – und die Menge bekam keine Atempause. Mit donnernden Rhythmen, Dudelsackklängen und markanten Gesängen zündeten sie ein kraftvolles Feuerwerk mittelalterlicher Rockkultur.
Ein magischer Moment entstand, als sich Luzi L. mit seinem Dudelsack spontan den Spielleuten anschloss – ein seltener, fast symbolischer Auftritt,
der die tiefe Verbundenheit der Szene zeigte.
Die halbstündige Show verging wie im Flug, doch die Energie,
die Tanzwut hinterließen, war spürbar.
Die Arena vibrierte – und der Tag hatte gerade erst begonnen.

Dritte Wahl – Der Aufstand
Schon vor dem Auftritt von Dritte Wahl lag Spannung in der Luft.
Moderator Thomas Jensen erinnerte schmunzelnd daran, wie die Band 2016 den Zeitplan gesprengt hatte – und fragte, ob das heute wohl wieder passieren würde.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.
Vom ersten Akkord an verwandelte sich die Bühne in ein Zentrum purer Energie.
Songs wie „Der Himmel über uns“, „Störung“ und „So wie ihr seid“ rissen das Publikum mit – Moshpits, Gesänge, pure Ekstase.
Zwischendurch wurde es leiser: „Viel zu wahr, um schön zu sein“ brachte eine kurze, nachdenkliche Pause, bevor „Panama“ wieder alles zum Kochen brachte.
Mit typisch norddeutschem Humor forderte Sänger Gunnar Schröder die Fans auf, den Song nicht zu beklatschen: „Das hier ist eh nur Kommerzscheiß!“
– eine ironische Spitze, die lautes Gelächter und noch lauteres Klatschen auslöste.
Als dienstälteste Mittelalter-Punkband Deutschlands und Rückkehrer vom 20-Jahre-Festival von In Extremo zeigte Dritte Wahl, dass Erfahrung kein Widerspruch zu Leidenschaft ist. Bei „Zusammen“ wurde die Arena zum Chor – tausende Stimmen, die „Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung“ feierten. Der riesige „Kneipenchor“ bei „Runde um Runde“ und ein wuchtiges Basssolo von Stephan rundeten das Set ab.
Als die Band mit „Fliegen“ endete und die Bühne verließ, sang das Publikum unermüdlich weiter – genau, wie Jensen es prophezeit hatte.
Clawfinger – Crossover mit Biss

Dann wurde es international.
Als Clawfinger die Bühne betraten, war sofort klar, dass jetzt ein anderes Kaliber an Energie Einzug hielt. Ihr explosiver Mix aus Crossover und Rap-Metal schleuderte die Menge geradezu nach vorn. Sänger Zack Tell wirbelte über die Bühne, feuerte das Publikum an, provozierte, grinste – ein Vulkan in Bewegung.

Die Skandinavier lieferten eine Power-Performance, die von Präzision und purer Leidenschaft lebte. Bei „The Biggest and the Best“ sprang die gesamte Arena
– Hände in der Luft, Stimmen vereint, Energie am Limit.

Wind Rose – Der große Zwergenaufstand

Um 18:30 Uhr war es Zeit für den wohl außergewöhnlichsten Auftritt des Tages: Wind Rose – die Power-Metaller aus Italien, bekannt für ihren Zwergen-Metal.
Schon beim ersten Song „Dance with the Axes“ flogen Gummispitzhacken durch die Luft, und das Publikum feierte ausgelassen.
Frontmann Francesco Cavalieri führte mit Charme und Witz durch das Set.
Bei „Fellows of the Hammer“ bildeten sich kleine Gruppen, die im Takt imaginär auf Felsen einhämmerten. „Mine Mine Mine!“ und „Rock and Stone“ brachten das Publikum endgültig zum Kochen. Auf die Frage „Was ist besser als ein Zwerg?“ brüllte die Menge im Chor: „Drunken Dwarves!“ – und das Spektakel nahm kein Ende.

Mit „Diggy Diggy Hole“ verwandelte sich die Loreley in eine gigantische Feiermeute.
Zum Abschluss verabschiedete sich die Band mit „I Am the Mountain“
– ein hymnisches Statement über Stolz und Zusammenhalt.
ASP – Melancholie, Lyrik und Feuer

Als die Sonne unterging, legte sich eine düstere Stimmung über die Loreley.
Auf der Leinwand im Hintergrund erschien ein verwittertes Herrenhaus – der perfekte Rahmen für ASP. Mit dem Ruf „Raise some hell now!“ und den ersten Feuereffekten des Abends begann ihr Set, das gleichermaßen mystisch wie intensiv war.

Mit Songs wie „Letzte Zuflucht“ und „Fürst der Finsternis“ tauchte ASP die Arena in eine andere Welt – poetisch, dunkel, faszinierend. Sänger Alexander Spreng verstand es, die Balance zwischen Theatralik und Authentizität zu halten. Besonders emotional wurde es bei „Loreley“ – ein Song, der an diesem Ort eine fast magische Wirkung entfaltete.
Zum Ende des Sets griff Spreng zu einem seiner bekanntesten Stücke: „Ich will brennen“. Mit lodernden Flammen, ekstatischen „Eyoh“-Rufen und einer Geste an das Publikum schlug er die Brücke zu In Extremo.

Das Publikum antwortete mit lautstarken „In Extremo!“-Rufen – der perfekte Übergang zum großen Finale.
Epilog:
Drei Tage, sechzehn Bands, unzählige Emotionen – das Festival war mehr als nur ein Konzert. Es war eine Feier der Freundschaft, der Musik und der Gemeinschaft, wie sie nur selten zu spüren ist. Jede Band wurde gefeiert, als wäre sie Headliner, und das Publikum zeigte, was Leidenschaft bedeutet.
Die Organisation war makellos, das Line-up ein Meisterwerk an Vielfalt,
und die Loreley – dieser mythische Ort hoch über dem Rhein – die perfekte Kulisse für
drei Tage voller Musik, Feuer und Herzblut.
In Extremo haben ihr 30-jähriges Jubiläum nicht einfach gefeiert – sie haben es zelebriert. Mit Würde, mit Wucht und mit einem Gefühl, das noch lange nachhallen wird.
Dieses Festival war kein Rückblick, sondern ein Versprechen: Die Reise geht weiter.


Ein exklusiver Bericht als Ausdruck unserer Wertschätzung für drei Jahrzehnte voller Musik, Leidenschaft und unerschütterlicher Gemeinschaft.
(Prolog, Metaklapa, Schandmaul, Faun und Feuerschwanz)
(Seasons in Black, Ye Banished Privateers, Manntra, Fiddler´s Green,
Versengold und Eisbrecher)
(alles kompakt verlinkt)
An dieser Stelle geht ein großes Dankeschön an Dirk Verseck und das gesamte Headline Concerts-Team – für eine Organisation, die schlicht perfekt war. Besser hätte man dieses Jubiläum nicht auf die Beine stellen können!





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